Berlin-Spandau

Wohnbauprojekt in Spandau: Drei Zimmer, Balkon, 750 Euro

In den Pepitahöfen in Hakenfelde rollen die ersten Umzugswagen. Es ist eines der größten kommunalen Wohnungsbauprojekte Berlins.

Pepitahöfe in Spandau in der Mertensstraße in Berlin am 11.06.2018

Pepitahöfe in Spandau in der Mertensstraße in Berlin am 11.06.2018

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Block eins, sieben und acht sehen schon so aus, als könne man drin wohnen, auch wenn der Baustellencharakter längst nicht verflogen ist. An den anderen fünf Gebäudekomplexen, die zusammen die Pepitahöfe bilden, wird heftig gebaut, teils fehlen noch die Fenster. Doch bis Ende September, spätestens zum Jahreswechsel, soll eines der größten kommunalen Wohnungsbauprojekte Berlins mit 1024 Wohnungen fertig sein: die Pepitahöfe im Spandauer Ortsteil Hakenfelde. In diesen Tagen ziehen die ersten Mieter in den ersten fertigen Bauabschnitt mit 420 Wohnungen ein.

Der Umzugswagen von Anna und Michael Kleebank hat sich am Montag pünktlich um zwölf Uhr am Kontrollhäuschen an der Auffahrt in der Mertensstraße 8 gemeldet. Damit in dem weitgehend autofreien Neubauviertel nicht das Chaos ausbricht, wenn alle Neumieter zugleich einziehen, dürfen die Umzugswagen nur nach Anmeldung auf das Gelände rollen.

Der Umzugswagen des jungen Paares steuert auf Block acht zu, einen Fünfgeschosser an einem der ruhigen Innenhöfe. Mit WBS-Schein haben der Student und die Polizistin, Eltern eines anderthalbjährigen Sohnes, eine der 256 geförderten, mietpreisreduzierten Wohnungen ergattert, die je nach Einkommen für eine Nettokaltmiete zwischen sechs und acht Euro vergeben werden. Die frei finanzierten Wohnungen werden im Durchschnitt für 9,50 Euro vermietet. „Für uns ist das Neubauvorhaben ein großes Glück, denn unsere Zwei-Zimmer-Wohnung in der Seegefelder Straße ist langsam zu klein“, sagt die 30-Jährige, Tochter des Spandauer Bezirksbürgermeisters Helmut Kleebank (SPD). In der neuen Siedlung beziehen sie eine 79 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung mit Balkon. Rund 750 Euro Monatsmiete zahlt die junge Familie dafür.

Der Grundstein für das 200 Millionen Euro teure Wohnungsbauprojekt „Pepitahöfe“, das die kommunale Degewo und die WBM von den privaten Entwicklern KIM und MHMI erworben haben, wurde vor knapp zwei Jahren gelegt. Hochgezogen wurde eine klassische Berliner Blockrandbebauung mit acht begrünten Innenhöfen, die sich alle zu einem zentralen Grünzug hin öffnen – der „Pepitapromenade“. Der ungewöhnliche Name des neuen Stadtquartiers und seiner zentralen Achse leitet sich ab von der spanischen Tänzerin Pepita de Oliva, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Hakenfelde wohnte.

Dass es mit dem Bauvorhaben scheinbar so schnell ging, hat mit dem langen Vorlauf zu tun. Die ersten Planungen auf dem rund 60.000 Quadratmeter großen Areal an der Goltz- und Mertensstraße gehen auf das Jahr 2013 zurück. Obwohl das „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“, wonach ein Viertel, seit Anfang 2018 sogar 30 Prozent der Wohnfläche als Sozialwohnungen vergeben werden müssen, damals noch nicht galt, einigten sich die Vertragspartner, ein Viertel der Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit Miet- und Belegungsbindung zu vergeben.

Ein großes Glück für Familie Kleebank – und auch für den rot-rot-grünen Berliner Senat. Denn der wird sich auf seiner Sitzung am heutigen Dienstag mit einem Bericht von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) auseinandersetzen müssen, aus dem hervorgeht, dass die selbst gesetzten Ziele beim kommunalen Wohnungsneubau in der laufenden Wahl­periode wohl nicht zu erreichen sind. „Statt von gut 8400 Wohnungen hat der Bau bei gerade mal 5000 begonnen“, sagte der baupolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff.

In den Pepitahöfen gibt es freie Wohnungen – allerdings nicht in allen Bereichen. So sind von den Sozialwohnungen nur noch die mit zwei bis drei Zimmern zu haben. Im frei finanzierten Bereich gebe es aber noch Wohnungen in jeder Größe, sagt die Mitarbeiterin im Vermietungsbüro.

Die Pepitahöfe entstehen auf einem Grundstück, das zum Entwicklungsgebiet Wasserstadt Oberhavel gehört, das die damalige Berliner Regierungskoalition von CDU und SPD 1992 festgesetzt haben. In den folgenden Jahren erwies sich die Planung jedoch als zu ehrgeizig, das erwartete Bevölkerungswachstum nach der Wiedervereinigung blieb zunächst aus und Berlin auf Kosten von 450 Millionen Euro sitzen. Die teure Altlast ist nun eine wertvolle Baulandreserve: Insgesamt 5500 Wohnungen sollen in den kommenden Jahren an der Oberhavel entstehen.

Anna und Michael Kleebank jedenfalls sind froh, dass der Umzug reibungslos geklappt hat. Die für Berliner Verhältnisse bescheidene Anbindung an das Nahverkehrsnetz – nur mit dem Bus gelangt man zum Quartier – stört die beiden nicht. „Unser Auto ist gerade kaputtgegangen, aber wir versuchen, ohne auszukommen“, sagt Michael, der neben dem Studium als Fitnesstrainer arbeitet. Die meisten Wege wollen sie mit dem Rad erledigen.

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