Demonstration

Neonazi-Demo in Spandau von Gegendemonstranten blockiert

Rund 750 Neonazis wollten mit einem Marsch durch Spandau an Rudolf Heß erinnern. Sie kamen allerdings nicht weit.

Gegendonstranten blockieren Neonazis in Spandau

Gegendemonstranten blockieren eine Neonazi-Demo in Spandau. Rund 750 Neonazis wollten mit einem Marsch an Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß erinnern. Weit kamen sie nicht. Rund 1500 Gegendemonstranten blockierten den geplanten Zug.

Gegendonstranten blockieren Neonazis in Spandau

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Durch ganz Spandau hatten sie marschieren wollen, doch weit kamen sie nicht. Bereits nach 500 Metern war Schluss für die Demo der Rechtsradikalen. Gegendemonstranten hatten auf der Wilhelmstraße/Ecke Pichelsorfer Straße die geplante Strecke blockiert. Parteien wie SPD, Grüne und Linke, Gewerkschaften und Bündnisse gegen Rechts hatten die Gegenproteste unterstützt - neben dem Demonstrationszug waren auch verschiedene Kundgebungen geplant.

750 Neonazis aus ganz Deutschland und anderen europäischen Staaten hatten sich am Sonnabend zum Gedenkmarsch für den Nazionalsozialisten Rudolf Heß am Bahnhof Spandau versammelt. Ein breites Bündnis stellte sich den Demonstranten allerdings in den Weg . Bis zum Nachmittag blieben die befürchteten Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Gegendemonstranten aus. Lediglich einmal kam es offenbar zu einer Auseinandersetzunge zwischen Rechten und Gegendemonstranten. Ein Neonazi soll festgenommen worden sein. Die Polizei war mit 1000 Beamten im Einsatz.

Die rechtsextremen Demonstranten zogen schließlich zum Ausgangspunkt an den Spandauer Arkaden zurück. Dort fand bis 17 Uhr eine Abschlusskundgebung zum Gedenken an Heß statt. Danach wurde die Demo beendet.

Auch zahlreiche Spandauer Anwohner beteiligten sich an den Gegenprotesten. Die Spandauer Juliane und Gerhard waren entsetzt über den martialischen Anblick der Demo. „Eine Demokratie muss zwar einiges aushalten, aber das ist grenzwertig, was hier passiert“, sagten sie. „Wir hoffen, dass den Rechten auffällt, wie viele sich gegen sie engagieren - vielleicht denken die dann doch nochmal nach.“

Anwohner rufen „Nazis raus!“

Der 33 Jahre alte Ben, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte sagte: „ Ich finde es absolut unerträglixh, dass die Faschisten hier marschieren können und ganz Spandau lahmlegen.“ Er hätte die Demo lieber verbieten lassen, wie es der Spandauer CDU-Abgeordnete Kai Wegner vorgeschlagen hatte und was Innensenator Andreas Geisel (SPD) auch „sehr sympathisch“ gefunden hätte. „Wir haben keinen Platz für diese Leute hier“, meint Ben. Eine tolerante Gesellschaft dürfe diese Intoleranz nicht tolerieren. Eine Einstellung, die viele Spandauer zu teilen schienen: Hunderte stimmten von Balkonen, aus Fenstern oder Geschäften in „Nazis Raus!“-Rufe ein. Die Botschaft: In Spandau sei kein Platz für rechtsradikales Gedankengut.

Die Demonstration anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß war mit hohen Auflagen verbunden. Das Verwaltungsgericht hatte am Tag zuvor entsprechende Vorgaben bestätigt. So durften die Demonstranten nicht ausdrücklich auf Heß verweisen. Die Innenverwaltung hatte ein Verbot der Demonstration geprüft, aber aus rechtlichen Bedenken verworfen. „Ein Verbot wäre mir sehr sympathisch gewesen, wir haben das sehr sorgfältig geprüft und festgestellt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung leider auch für Arschlöcher gilt“, sagte Geisel dem RBB-Inforadio.

Bürgerbüro von SPD-Politiker beschmiert

Die Rechten wollten vom Bahnhof zur Wilhelmstraße ziehen. Dort stand das ehemalige Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten, in dem Heß einsaß. Am 17. August 1987 tötete er sich im Alter von 93 Jahren selbst. Das Gefängnis wurde danach abgerissen. Rund um den 17. August gab es immer wieder Aufmärsche von Neonazis. Zum Teil wurden sie verboten.

In der Nacht zuvor war das Bürgerbüro des Neuköllner Bundestagsabgeordneten Fritz Felgentreu (SPD) mit der Parole „Mord an Hess“ beschmiert worden. „Es ist wichtig, dass heute die demokratische Gesellschaft zusammensteht und gegen den „Heß-Marsch“ demonstriert. Die SPD Berlin ist dabei. Wir werden ein neonazistisches Heldengedenken an Rudolf Heß nicht hinnehmen und in unserem Kampf gegen rechtes Gedankengut nicht nachlassen“, schrieb Felgentreu in einem Statement.

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