Berlin

Berliner Familie erhält Auszeichnung für Schwalbennester

Der Naturschutzbund zeichnete eine Familie aus Gatow aus. Unter ihrem Dach ziehen zurzeit 19 Schwalbenpaare ihre Küken groß.

Am Haus der Familie Rheinfeld in Gatow hängen Nester von Mehlschwalben

Am Haus der Familie Rheinfeld in Gatow hängen Nester von Mehlschwalben

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Spandau. Die Schwalben zwitschern und schilpen, fliegen in hohem Tempo aus ihren Nestern unter dem Dach heraus. Sie kreisen über dem Haus und fliegen davon. Wenn sie zurückkehren, tragen sie in ihren Schnäbeln Futter für den Nachwuchs, meist Mücken, Fliegen oder Blattläuse. Die Küken können noch nicht fliegen und bleiben in den Nestern, spähen hinaus und warten gierig auf die Insekten. Heidi Rheimann schaut lächelnd auf die 19 Nester unter ihrem Dach: „Vor einer Woche sind die Küken geschlüpft, Mitte August sind sie dann wieder weg.“

Das Haus der Familie Rheinfeld aus Gatow wurde am Mittwoch vom Naturschutzbund Berlin (Nabu) mit dem Titel „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet. An der Außenwand wurde eine entsprechende Plakette angebracht. Mit der Aktion möchte der Nabu auf die Gefährdung der Schwalben in Berlin aufmerksam machen und Menschen auszeichnen, die sich um eine Erhaltung der Art bemühen.

Nabu schätzt die Zahl der Brutpaare auf bis zu 7000

Die Zahl der Schwalben in Berlin geht seit Jahren zurück. Der Nabu geht derzeit von rund 5000 bis 7000 Brutpaaren aus, Tendenz sinkend. Die Hauptursache: Der Verlust von Niststätten. Obwohl es gesetzlich untersagt ist, werden jedoch immer wieder Schwalbennester von Hauseigentümern entfernt oder im Zuge von Gebäudesanierungen zerstört. „Die Schwalben haben große Schwierigkeiten, geeignete Nistplätze zu finden“, sagt Melanie von Orlow, zweite Vorsitzende des Nabu Berlin.

Familie Rheinfeld heißt die Vögel dagegen willkommen. Schon seit 13 Jahren dürfen sie unter dem Dach der fünfköpfigen Familie nisten. Heidi Rheinfeld freut das jedes Jahr aufs Neue: „Wenn die Schwalben kommen, kommt der Frühling.“ 30 Nester hängen direkt unter dem Dach ihres Hauses, in 19 von ihnen brüten die Vögel dieses Jahr. „Es gibt Paare, die jedes Jahr wiederkommen“, so Rheinfeld. Dass die Vögel Verschmutzungen und Kotspuren an der Hausfassade hinterlassen, stört die Familie nicht. „Die Nachbarn fürchten allerdings, dass durch die Niststätten ihre Autos mehr verdreckt werden“, sagt Heidi Rheinfeld. „Ich finde, das kann man wieder sauber machen.“ Der Familie sei es wichtiger, zum Artenschutz beizutragen. Positiver Nebeneffekt: Schwalben verzehren bis zu 400 Insekten pro Tag, auch aus dem Garten der Rheinfelds. So gebe es weniger Mücken.

Bewerbungen um die Auszeichnung noch möglich

Neben der Natur brauchen die Schwalben zum Nisten vor allem Wassernähe, Ruhe und Schatten – in der Innenstadt nur schwer zu finden. Zum Bauen der Nester wird zudem Lehm benötigt, ebenfalls ein knappes Gut und höchstens auf Waldwegen oder in Parks zu finden. Neubausiedlungen am Rande Berlins hingegen wie die der Rheinfelds seien dagegen gut geeignete Brutplätze, sagt Melanie von Orlow. Die Vizevorsitzende hofft, dass die Auszeichnung an Familie Rheimann Aufmerksamkeit für die angespannte Situation der Schwalben schafft und mehr Menschen die Nester an ihrem Haus dulden. Es seien bereits fünf Bewerbungen um die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ eingegangen. Mit den Plaketten sollen ab sofort möglichst viele Schwalbenschützer ausgezeichnet werden.

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