Bewerberansturm

Das sind die Erfolgsrezepte der beliebtesten Schulen

Einige Berliner Sekundarschulen verzeichnen einen Ansturm an Bewerbern, während andere Schulen gemieden werden. Das hat viele Gründe.

An der Martin-Buber-Oberschule in Spandau gab es berlinweit die meisten Anmeldungen

An der Martin-Buber-Oberschule in Spandau gab es berlinweit die meisten Anmeldungen

Foto: Reto Klar

Der große Campus der Martin-Buber-Oberschule liegt weit draußen am Spandauer Stadtrand, und dennoch gehört er seit Jahren zu den beliebtesten Schulen in Berlin. Nach der Veröffentlichung der jüngsten Anmeldezahlen für die Sekundarschule führt die Martin-Buber-Schule, wie berichtet, die Rangliste mit 334 Bewerbern auf 156 Plätze an.

Eine so große Schere zwischen Angebot und Nachfrage gibt es an keinem der beliebtesten Gymnasien. Und auch insgesamt haben mit 56,7 Prozent mehr Sechstklässler zum kommenden Schuljahr eine Sekundarschule statt eines Gymnasiums gewählt. Dabei führen seit Jahren konstant immer wieder die gleichen Sekundarschulen die Top Ten an. Was macht diese Schulen so beliebt?

Angst vor dem Probejahr am Gymnasium

Martin Meinhart, Mittelstufenleiter der Martin-Buber-Schule, führt mit den Eltern und Schülern der Bewerber ausführliche Beratungsgespräche: "Die Gründe, warum sie sich für uns entscheiden, sind häufig die gleichen. Zum einen haben viele Angst vor dem Probejahr am Gymnasium, und außerdem wünschen sich viele ein Jahr mehr Zeit auf dem Weg zum Abitur", sagte Meinhart der Berliner Morgenpost. Das Besondere sei aber auch die Profilierung. Die drei nachgefragtesten Schulen Berlins bieten alle sogenannte Profilklassen. Die Schüler mit besonderen Neigungen, wie etwa Musik, Kunst oder Naturwissenschaften, bilden jeweils eine Klasse. "Dieses Konzept der individuellen Förderung der Neigungen kommt sehr gut bei den Eltern an", sagte Meinhart.

Die Auswahl der Schüler erfolgt nicht nach dem Notendurchschnitt, sondern nach Eignung für die jeweiligen Profile. Etwa ein Drittel der angemeldeten Schüler hätte auch eine Empfehlung für ein Gymnasium. Insgesamt machen an der Martin-Buber-Oberschule 75 bis 80 Prozent der Schüler das Abitur. Die Erfolgsquote ist damit extrem hoch, auch bei Schülern, die eigentlich von der Grundschule keine Gymnasialempfehlung hatten.

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Anmeldungen aus dem gesamten Stadtgebiet

Ähnlich ist es an der Max-Beckmann-Oberschule in Reinickendorf. Auch hier geht es in den Aufnahmegesprächen vor allem um die besonderen Begabungen der Kinder. "Für die Kunstklasse zum Beispiel kommen die Schüler mit einer Bewerbungsmappe in das Gespräch. Für die Englischklassen wird ein Konversationstest in Englisch mit den Bewerbern gemacht", sagte der Schulleiter Matthias Holtmann. Die Schüler würden aus dem gesamten Stadtgebiet kommen. Und dann würden auch jedes Jahr viele Geschwisterkinder angemeldet. "Das zeigt uns, dass die Eltern mit unserer Arbeit zufrieden sind", sagte Holtmann.

Hoch seien auch die Anmeldezahlen für die elften Klassen an der Schule mit gymnasialer Oberstufe. "Derzeit können wir leider die Kapazitäten in der Oberstufe nicht erhöhen, aber wir würden künftig gern ausbauen und mehr Schüler aufnehmen können", sagte der Schulleiter. Der Ausbau der Leuchtturm-Schule würde auch der Aufwertung des gesamten Reinickendorfer Auguste-Viktoria-Kiezes zugutekommen.

Es gibt aber auch Kritik an dieser Entwicklung: "Es ist nicht im Sinne der Sekundarschulen, wenn sich Eliteschulen herausbilden, an denen viele Schüler keine Chance mehr haben. Die Schulform soll ja gerade allen Schülern offenstehen", sagte Hildegard Bentele, bildungspolitische Sprecherin der CDU. Die Kehrseite seien Sekundarschulen, die kaum noch nachgefragt seien und Gefahr liefen, zu sogenannten Resteschulen zu werden. "Ich würde mir wünschen, dass die Eltern weniger nach dem Ruf der Schule urteilen, sondern sich die Einrichtungen vor Ort genau ansehen", so Bentele. Es gebe Schulen, die sich sehr gut entwickelt haben, aber immer noch unter einem schlechten Ruf litten.

Die Top Ten der nachgefragtesten Gymnasien zeige, dass viele Eltern gar nicht mehr von dem Profil der Schule ausgehen, sondern taktisch die Chancen der Kinder ausrechnen würden. "Das Gerangel an den Oberschulen könnte entschärft werden, wenn die Gymnasien die Möglichkeit hätten, mehr Plätze in grundständigen Klassen ab dem fünften Jahrgang anzubieten", sagte die CDU-Bildungsexpertin.

Nicht in der aktuellen Statistik der Anmeldezahlen enthalten sind die Schulen, die wenig nachgefragt wurden von den Eltern und Schülern. Dabei hatte sich die SPD-Fraktion im vergangenen Jahr für eine Veröffentlichung aller Anmeldezahlen für jede Schule ausgesprochen, wie es in Hamburg praktiziert wird. "Das schafft nicht nur die nötige Transparenz für die Eltern, sondern auch die Möglichkeit, Hilfen anzubieten, wenn Schulen für Eltern nicht attraktiv sind", sagte der Neuköllner Abgeordnete Joschka Langenbrinck. Wegschauen sei jedenfalls keine verantwortungsvolle Strategie.

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