Wohnen am Wasser

Reif für die Insel? Auf Eiswerder werden Wohnträume wahr

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Isabell Jürgens
An der unteren linken Ecke von Eiswerder sollen die Wohnhäuser entstehen, wie diese Simulation zeigt

An der unteren linken Ecke von Eiswerder sollen die Wohnhäuser entstehen, wie diese Simulation zeigt

Foto: M13 Architekten / BM

Ein Wiesbadener Unternehmen will noch in diesem Jahr mit dem Bau von 90 Eigentumswohnungen auf der Insel beginnen. Auch für Familien.

Einst wurde die 140.000 Quadratmeter große Insel Eiswerder vor allem zu militärischen Zwecken genutzt: Im 19. Jahrhundert siedelten sich hier eine Pulverfabrik, eine Geschützgießerei, eine Artilleriewerkstatt, eine Patronenfabrik und eine Munitionsfabrik an. Inzwischen werden die historischen Gebäude überwiegend von Kunst- und Medienschaffenden sowie Eventveranstaltern genutzt. Nun soll die Spandauer Havelinsel um eine weitere Nutzung bereichert werden: Das Wiesbadener Unternehmen Haus & Capital plant auf der Südwestspitze der Insel rund 90 Eigentumswohnungen.

Auf dem 13.000 Quadratmeter großen Baugrundstück sollen dafür nach den Plänen des Münchener Architektenbüros M13 Architekten acht Mehrfamilienhäuser in Klinkerbauweise entstehen. Die Klinkerfassaden, so Corvin Tolle, Geschäftsführer von Rohrer Immobilien, der den Kauf beratend begleitet hat, seien vor allem als Reminiszenz an die denkmalgeschützten Gebäude auf der Insel zu verstehen.

Bauarbeiten beginnen noch 2016

Nach Auskunft des Maklers sollen die Bauarbeiten für das Wohnprojekt noch in diesem Jahr beginnen. „Das Areal wurde bereits vom Vorbesitzer, einem Münchener Familienunternehmen, von Schadstoffen beräumt“, so Tolle. Schon 2019 sollen die Erwerber in die fünfgeschossigen Häuser mit Seeblick einziehen können. „Es entstehen überwiegend große Wohnungen, daher gehe ich davon aus, dass insbesondere Familien mit Kindern zu den künftigen Bewohnern zählen werden“, so Tolle weiter.

Zeitgleich mit den Wohnungen soll auch der Bau für eine Tiefgarage mit 150 Plätzen starten. Die Tiefgarage soll später nicht nur von den Anwohnern, sondern auch von den Nutzern einer Gewerbeimmobilie genutzt werden, die auf dem Areal ebenfalls geplant ist und unmittelbar an die Hallen der alten Munitionsfabrik angrenzen soll. „Die Planungen für diesen Gewerberiegel sind jedoch noch nicht abgeschlossen“, so Tolle. Das Investitionsvolumen für das gesamte Bauvorhaben bezifferte Tolle auf 65 Millionen Euro.

Meilenwerk-Pläne für die Insel sind gescheitert

Mit der Wohnbebauung wird indes nur ein Teil dessen realisiert, was für Eiswerder ursprünglich geplant war. Die Meilenwerk-AG wollte auf der Insel neben Eigentumswohnungen eine Ausstellung für Oldtimer, eine 3000 Quadratmeter große Eventfläche und ein Hotel entstehen lassen. 100 Millionen Euro sollten hier investiert werden. Doch stattdessen musste das Unternehmen im Januar dieses Jahres Insolvenz anmelden. Zwar hatte Christian Malorny, langjähriger McKinsey-Berater im Automobilbereich, eine Auffanggesellschaft unter dem Namen Pace & Property gegründet, die das Meilenwerk-Konzept weitgehend so umsetzen wollte wie ursprünglich geplant. „Doch leider werden wir das Projekt nicht mehr verwirklichen können, denn der Münchener Eigentümer ist heute nicht mehr bereit, die Fabrik zu verkaufen“, sagte Malorny am Donnerstag der Berliner Morgenpost. Und der Unternehmer selbst, so Malorny weiter, habe kein Interesse mehr daran, die alte Munitionsfabrik zum Meilenwerk umzubauen. „Leider geht dadurch Spandau und auch Berlin eine geplante Attraktion mit großer Strahlkraft verloren“, bedauerte Malorny. Dennoch hoffe er, das Meilenwerk-Konzept umsetzen zu können: „Wir sehen uns nun nach einer neuen Liegenschaft in Berlin um“, sagte Malorny.

Auch wenn die Insel nun auf die Oldimershow verzichten muss, hat die durch zwei Brücken mit dem Festland verbundene Insel in fußläufiger Entfernung zur Altstadt Spandau bereits viele neue Nutzer angelockt. Auf der Insel dominieren in den alten Fabrik- und Werkstattgebäuden zwar noch vor allem Kleingewerbebetriebe und Künstler. Doch einige Gebäude wurden bereits zu Wohnzwecken umgebaut. Darunter auch ein 295 Quadratmeter großes Loft, das sich der Schauspieler Axel Prahl, der vor allem als Münsteraner „Tatort“-Kommissar Frank Thiel einem Millionenpublikum bekannt ist, ausgebaut hatte. Eingezogen ist der Schauspieler und Sänger dort jedoch nie: 2014 heiratete er – und verkaufte die Immobilie wieder.

Mitten im Umbau befindet sich auch das denkmalgeschützte ehemalige Feuerwerkslaboratorium. Die Prinz von Preussen Grundbesitz AG aus Bonn errichtet dort in zwei Bauabschnitten 77 Wohnungen, die bereits vor der Fertigstellung alle verkauft sind. Der erste Bauabschnitt mit 36 Wohnungen soll Anfang kommenden Jahres von den Erwerbern bezogen werden können.