Spandau

SPD-Politiker bezieht neues Bürgerbüro in alter Spielhalle

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Foto: Reto Klar

Der Berliner Abgeordnete und Kämpfer für ein Anti-Spielhallen-Gesetz Daniel Buchholz arbeitet künftig im „Rio Casino“. Am 30. Mai will es der SPD-Politiker zur Eröffnung krachen lassen.

Selbst ein schlechtes SPD-Ergebnis bei der Europawahl würde in diesen Tagen das Lächeln nicht aus Daniel Buchholz’ Gesicht vertreiben. Wie viele andere Berliner Abgeordnete richtet der Spandauer SPD-Politiker derzeit sein neues Bürgerbüro ein. Nach langer Suche ist Buchholz fündig geworden: Der maßgebliche Kämpfer für ein Anti-Spielhallen-Gesetz in Berlin bezieht am 30. Mai sein Büro in Siemensstadt – ausgerechnet in einer ehemaligen Spielhalle. Der Schriftzug „Rio Casino“ hängt noch über dem Laden. Buchholz wird ihn hängen lassen, „als Erinnerung daran, was hier einmal war“, sagt er.

Siemensstadt ist ein Stadtteil, in dem die Spielhallen in den vergangenen Jahren besonders stark zugenommen und das Stadtbild verschandelt haben. 55 betrug deren Anzahl in Spandau zuletzt. Durch das strenge Berliner Spielhallengesetz ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 48 gesunken. Nach Ende der Übergangsfrist wird sie weiter massiv sinken.

Der künftige Arbeitsplatz des Spandauer Politikers ist gewöhnungsbedürftig. „Ich gebe zu, es sieht ein wenig plüschig im Retrolook der 70er-Jahre aus“, sagt Buchholz. Die vier Räume sind lila-orange gestrichen, der Teppich schwingt in den gleichen Farben, in der Ecke steht eine Bar, wie sie vor 40 Jahren in vielen Partykellern anzutreffen war. In den Fenstern kleben noch die grellen Aufkleber, die demjenigen Glück verheißen, der sein Geld in einen Spielautomaten steckt. Gespielt wird hier künftig nur noch kostenlos, sagt Buchholz. Derzeit sucht er noch einen Flipper oder einen Kicker für eines der vier Zimmer seines Büros.

Nach der Parlamentsreform Anfang des Jahres gibt das Abgeordnetenhaus jedem Abgeordneten bis zu 1000 Euro monatlich für ein Bürgerbüro im Wahlkreis. Damit soll die Präsenz der Politiker im Stadtbild und die Akzeptanz in der Bevölkerung verbessert werden. Zwei Drittel der Abgeordneten von SPD, CDU, Linken und Grünen haben ein Büro eröffnet, bei den Piraten fast alle.

Ursprünglich wollte Daniel Buchholz sein Büro zusammen mit zwei Kollegen in der Spandauer Altstadt eröffnen, doch es fand sich keine Immobilie. Deshalb suchte Buchholz auf eigene Faust und fand die leer stehende Spielhalle im Quellweg. Zur Eröffnung will er es krachen lassen. Mit „Spandau sucht den Karaoke-Star“ geht es am 30. Mai um 16 Uhr los. Alle Spandauer sind eingeladen.

( -ker )