Reinickendorf
Reinickendorf und Spandau

Die neue Tegeler Brücke wird zum Instagram-Model

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Dirk Krampitz
Rechts die neue Brücke (mit Baufahrzeugen) und links die Behelfsbrücke, die wieder abgerissen wird.

Rechts die neue Brücke (mit Baufahrzeugen) und links die Behelfsbrücke, die wieder abgerissen wird.

Foto: Wasserstraßen-Neubauamt Berlin

Heute wird die Verbindung zwischen Reinickendorf und Spandau eröffnet- aber ein wichtiger Teil dauert noch bis 2024.

Berlin.  Seit 1910 verbindet sie Reinickendorf und Spandau: Die Tegeler Brücke führt die Gartenfelder Straße über den 1842/43 gegrabenen Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, der sich zwölf Kilometer vom Hauptbahnhof bis zur Havel in Spandau erstreckt. Aufgrund des schlechten Zustandes wurde die Brücke in den vergangenen zwei Jahren durch einen Neubau ersetzt, währenddessen führt der Verkehr zwischen Spandau und Reinickendorf über eine Behelfsbrücke direkt daneben.

Am Donnerstag um 11 Uhr wird nun der Neubau feierlich für den Verkehr freigegeben. Ab dann rollen die Autos über den 63 Meter langen Neubau mit 1129 Quadratmeter Fläche, für den 600 Tonnen Stahl und 500 Kubikmeter Beton verbaut wurden.

Die Finanzierung des Bauvorhabens mit Gesamtausgaben in Höhe von rund 20 Millionen Euro erfolgt durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, das Land Berlin und die acht verschiedenen Betreiber von Leitungen, die mit der Brücke den Kanal queren.

Ein Projekt ohne Bauverzögerungen trotz Pandemie und Krieg

„21 Monate nach dem ersten Spatenstich am 2. Dezember 2021 befindet sich das Bauvorhaben weiter im vertraglich vereinbarten Zeitplan“, sagt Rolf Dietrich zufrieden zur Morgenpost. Der Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin ist nicht ohne Grund stolz. Schließlich begann der Bau mitten in der Pandemie. Ihre Folgen und die des Ukraine-Krieg haben viele Bauvorhaben erheblich verzögert oder sogar pausiert. Von ganz normalen Berliner Bauverzögerungen einmal abgesehen.

Auch Spandaus Bezirksstadtrat Thorsten Schatz (CDU) ist sehr froh: „Für Spandau ist die Tegeler Brücke eine sehr wichtige Verbindung nach Reinickendorf. Durch die Neubaugebiete in unmittelbarer Nähe wird die Bedeutung noch einmal zunehmen.“

Die Strecke wird täglich von 20.000 Autos und Bussen genutzt, sie erschließt die „Insel Gartenfeld“. Bis 2029 sollen auf der ehemaligen Industrieinsel, wo Siemens einst Kabel hergestellt hat, 3700 Wohnungen und 600 Gewerbeeinheiten für bis zu 10.000 Einwohner entstehen. Aber auch sonst war es höchste Zeit: ab nächstem Jahr soll die benachbarte Rudolf-Wissell-Brücke neugebaut werden - Arbeiten, die bis 2028 dauern können.

Untersuchungen ergaben Risse und Rost

Darum gab es kaum Puffer für Aufschub, als eine Bauwerksprüfung ergeben hatte, dass die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs nicht auf Dauer gewährleistet werden konnte angesichts des Zustandes der Brücke: Es waren erhebliche Risse und Schäden an den massiven Bauwerksteilen entdeckt worden, dazu Abrostungen an den Stahlbauteilen und eine Fehlstellung der Lager, die die Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit der Brücke nachhaltig hätten beeinflussen können.

Da eine Instandsetzung der 68 Jahre alten Nachkriegs-Brücke auf den damals 110 Jahre alten Original-Fundamenten der im Krieg gesprengten Ursprungskonstruktion nicht sinnvoll möglich war, wurde der Neubau in Form einer Stabbogenbrücke beschlossen. Also wurde die neue Brücke mit hochliegender Pfahlkopfplatte auf Stahlbetonpfählen tiefgegründet. Der Neubau ähnelt der alten Brücke und steht an derselben Stelle. Die Kanalquerung hat je einen Richtungsfahrstreifen und beidseitig einen Geh- und Radweg.

Die Bauarbeiten sind mit der Verkehrsfreigabe aber noch nicht beendet, sie ziehen sich voraussichtlich noch bis ins 1. Quartal 2024. Denn die Behelfsbrücke muss noch rückgebaut werden. Außerdem verbessert sich die Radwegesituation unter der Brücke deutlich. Der am Nordufer des Kanals verlaufende internationale Fernradweg Berlin-Kopenhagen wird künftig unter der neuen Brücke entlangführen. Bisher führt die Trasse oben auf den Damm und die Radfahrer müssen die stark befahrene Bernauer Straße queren. „Die Übergabe des neuen, circa 100 Meter langen Teilstückes des Fernradweges Berlin-Kopenhagen an das Land Berlin soll im April 2024 erfolgen“, verspricht Rolf Dietrich.

Eine Brücke als Instagram-Model

Wer auch ohne fertigen Radweg schon bei der Eröffnung dabei sein will, ist am Donnerstag um 11 Uhr herzlich vor Ort eingeladen. Aber auch bequem von zu Hause aus, hat man die Möglichkeit dabei zu sein: Das Wasserstraßen Neubauamt Berlin hat seit kurzem den Instagram-Account wna_berlin und die Brücke entwickelt sich dort zum Instagram-Star mit Luftbildern und Drohnenflügen über die Baustelle. Und nun streamen sie auch die Festreden und die Verlagerung des Straßenverkehrs von der aktuellen Behelfsbrücke auf die neue Brücke live, frei nach dem Motto: Baue Gutes und sprich darüber. „Wir wollen mit unserem Livestream möglichst vielen Followern eine Teilnahme an der Verkehrsfreigabe ermöglichen, auch um für unsere Berufe in der Infrastrukturbauverwaltung und im Verkehrswegebau zu werben“, erklärt Rolf Dietrich.

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