Reinickendorf
Mitte und Reinickendorf

Grenz-Parker: Schauen Sie mal, wie es im roten Opel aussieht

| Lesedauer: 2 Minuten
Dirk Krampitz
Der rote Opel Astra mit polnischem Kennzeichen steht seit mindestens einem Monat am Kurt-Schumacher-Damm.

Der rote Opel Astra mit polnischem Kennzeichen steht seit mindestens einem Monat am Kurt-Schumacher-Damm.

Foto: Dirk Krampitz

Auf dem Kurt-Schumacher-Damm steht seit mehr als einem Monat ein roter Opel mit polnischem Kennzeichen. Ein Blick ins Innere des Autos.

Berlin.  Am Spiegel baumelt ein blauer Wunderbaum in der Duftmarke „New Car“. Das ist jedoch reines Wunschdenken. Der rote Opel Astra mit dem polnischen Kennzeichen hat bestimmt 15 Jahre auf dem Buckel. Der Vorderreifen auf der Fahrerseite ist glatt wie der Slick eines Formel-1-Rennwagens.

Seit mindestens einem Monat parkt er ganz allein auf dem Grünstreifen am Straßenrand vor der Mauer der Julius-Leber-Kaserne. Tausende Pendler, die von der A111 kommen, fahren jeden Morgen direkt an dem Opel vorbei und wundern sich. Die Berliner Morgenpost hat ihn sich heute einmal genauer angesehen. Als erstes fällt vom Bürgersteig auf: Der Tank wurde geöffnet, die Klappe steht offen, der abgeschraubte Deckel liegt auf dem Boden. Da dachte sich wohl jemand: Bei einem Literpreis von 1,75 für E10 kann man schon einmal einem herrenlosen Auto den Sprit absaugen.

Flaschensammler wurden bisher noch nicht aktiv. Denn im verschlossenen Auto liegen in der Tür und im hinteren Fußraum vier geleerte Red-Bull-Dosen und zwei Bierflaschen, die noch Kronkorken tragen. Hat sich da jemand für das Abenteuer Berlin gestärkt und ist dann im Strudel der Großstadt für einige Wochen verloren gegangen? Ein Autoexport-Unternehmen hat seine Karte in die Türdichtung gesteckt und bekundet damit mehr Interesse am Fahrzeug als jeder sonst, denn lange fühlte sich niemand zuständig für den Opel.

Auf Nachfrage der Morgenpost hat zuerst das Ordnungsamt Reinickendorf die Zuständigkeit geprüft und festgestellt, dass Mitte verantwortlich ist. Beim Ordnungsamt Mitte hieß es, die Bezirksgrenze Mitte ende an der Kasernenmauer. Man solle doch mal beim Bezirksamt Reinickendorf nachfragen, das Fahrzeug stehe auf Reinickendorfer Gebiet. Wie dem auch sei, zuständig ist am Ende dann sowieso ein drittes Amt: Das Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben (RegOrg), das beim Bezirksamt Lichtenberg angesiedelt ist. Es hat am 15. Februar einen orangefarbenen Punkt angebracht, dass der Verantwortliche das Fahrzeug

innerhalb von vier Wochen zu entfernen hat. „Diese Ordnungswidrigkeit kann mit einem Bußgeld bis 100.000 Euro geahndet werden“, heißt es auf dem Aufkleber.

Für den Opel läuft nun die Frist ab. „In einem Monat fahren unsere Mitarbeiter wieder hin, sollte er dann noch dort stehen, ist er ein Fall für die Autopresse“, sagt Amtsleiter Steffen Krefft. Für die Tonne Schrott gibt es derzeit 100 Euro. Das bedeutet: Der Astra bringt so vermutlich rund 170 Euro in die Steuerkasse. Allerdings muss man den Aufwand abziehen.

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