Reinickendorf
Bürgerbeteiligung

Mehr Verkehr, weniger Parkplätze: Mitreden bei der Cité Foch

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Dirk Krampitz
Vier Geschosse und begrünte Dächer: So sollen die Neubauten in der ehemaligen Alliierten-Siedlung aussehen.

Vier Geschosse und begrünte Dächer: So sollen die Neubauten in der ehemaligen Alliierten-Siedlung aussehen.

Foto: Goldbeck

Der Bebauungsplan für das ehemalige Alliiertenquartier ist nun für jeden einsehbar. Auf die Anwohner kommen viele Kabelverlegungen zu.

Berlin. Sie war die größte französische Siedlung in Berlin, eingeständig und autark mit eigenem Schwimmbad, Kirche und Supermarkt. Zugang zur Cité Foch hatten nur die 2600 Bewohner im Dienst der französischen Alliierten sowie deren Angehörige. Bis heute erinnern die französischen Straßennamen daran.

Nach dem Abzug der Franzosen 1994 übernahm die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Liegenschaften der Cité Foch. Die rund 1500 Wohnungen wurden saniert und werden weiterhin bewohnt. Die 30 am Packereigraben von den Alliierten errichteten Wohnbungalows wurden im Jahr 2006 beseitigt. Das ursprünglich vorhandene Einkaufszentrum sowie die Kirche wurden später durch die neuen Privateigentümer zugunsten neuer Wohnbebauung abgerissen.

Nun hat das Bezirksamt Reinickendorf den neuen Bebauungsplan für das Gebiet veröffentlicht. Die knapp 300 Seiten sind samt Gutachten und Plänen ab sofort für einen Monat im Bezirksamt Reinickendorf, Fachbereich Stadtplanung und Denkmalschutz, Eichborndamm 215, 2. Etage, Raum 217C (Mo-Mi 9-17, Do 10-18, Fr 9-16 Uhr) oder online einsehbar. Stellungnahmen sind bis 3. Februar möglich. Denn was dort geplant wird, ist die größte Veränderung für das Quartier in den vergangenen Jahrzehnten. Insgesamt werden 715 Wohneinheiten für 1484 Einwohner gebaut und auch die gesamte Infrastruktur erneuert. Die Morgenpost dokumentiert die wichtigsten Punkte:

Im Boden warten Überraschungen

Es wird viel gebaut werden, nicht nur Häuser. Denn die Franzosen haben die Leitungen kreuz und quer verlegt, „so dass sich Leitungen überwiegend innerhalb der privaten Grundstücksflächen befinden“, heißt es im Plan. Im Rahmen der Bauarbeiten sollen künftig alle Leitungen innerhalb der geplanten öffentlichen Straßenverkehrsflächen verlegt werden. Die Anwohner müssen sich auf erhebliche Arbeiten einstellen. Auch erfordern Abriss und Neubau von Gebäuden sowie die Verdichtung im Bereich der Cité Foch eine teilweise Umlegung bzw. Neuverlegung von Fernwärmetrassen.

Weniger Probleme dürfte es hingegen mit Bodendenkmalen geben. „Das Vorhandensein von Bodendenkmalen ist theoretisch möglich“, heißt es im Plan. Die Denkmalliste des Landes Berlin enthält keine Hinweise. Schadstoffbelastungen hingegen sind wahrscheinlich: zum Beispiel auf dem Grundstück Rue Montesquieu 32. Dort wurden in der Vergangenheit Fahrzeuge repariert und es stand auch eine Betriebstankstelle dort. Das westlich angrenzende Grundstück war unter anderem mit einem kleineren Gebäude für Transformatoren bebaut, daran angrenzend gab es einen Bereich auf dem sich Panzergaragen befanden.

Diese Garagen gibt es nicht mehr und die Zeichen stehen auch eher gegen den motorisierten Individualverkehr. Ein Parkhaus soll zentraler Ort fürs Parken und zentraler „Hub“ für Elektro-Gefährte werden, mit denen man dann durchs Quartier rollt. Gestärkt wird der Radverkehr: Im Radverkehrsnetz von Berlin wird die Jean-Jaurès-Straße als Teil des Radvorrangnetzes gelistet. Die Hermsdorfer Straße im Süden sowie die Avenue Charles de Gaulle sind immerhin dem Ergänzungsnetz zugeordnet.

Hindernisse für den Autoverkehr und weniger Parkplätze

Doch trotz aller Abwendung vom Autoverkehr wird dieser mit zunehmender Bewohnerzahl auch mehr werden, bescheinigt auch der Bebauungsplan. „Für das Plangebiet wird unter der Annahme einer vollständigen Gebietsentwicklung ein zusätzlicher Verkehr von rund 3400 Fahrten am Tag ermittelt. Der Bewohnerverkehr hat aufgrund der geplanten Gebietsstruktur mit rund 73 Prozent den größten Anteil des zusätzlichen Verkehrsaufkommens“, heißt es. Der übrige Anteil der Fahrten entfällt auf Besucher und Versorgung.

Doch mehr Parkplätze wird es wohl nicht geben. „Durch die Zunahme von Anwohnenden und den dadurch zunehmenden Verkehr im Plangebiet entsteht ein höherer Nutzungsdruck auf die Stellplatzflächen innerhalb der Straßen, was zu einem sinkenden Angebot an Stellplatzflächen innerhalb des Plangebietes führen kann. Dies wird angesichts der guten ÖPNV-Anbindung in Kauf genommen“, heißt es weiter. Außerdem wird der KFZ-Durchgangsverkehr im Wohngebiet eingeschränkt, indem der zwischen der Rue Racine und der Rue Montesquieu gelegene Abschnitt der Avenue Charles de Gaulle abgepollert wird.

Regenwasserversickerung, Grünspecht und die Mückenfledermaus

Das Motto lautet: Weniger Verkehr, mehr Natur: Der Packereigraben soll in seiner Wasserqualität verbessert, renaturiert und Teil eines bereits bestehenden Fußwegs von Rosenthal zum Steinbergpark beziehungsweise Tegeler Fließ werden. Damit angesichts trockener werdender Sommer möglichst viel Regenwasser versickern kann, soll in einem eher kleinen Teil, im Süden des Plangebietes (nördlich und westlich der Rue Georges Vallerey) eine Regenwasserversickerung ohne Kanalanschluss erfolgen. Dazu sollen bis zu 70 Prozent der begrünten Dachflächen Wasser sammeln.

Für die Tierwelt werden das Birkenwäldchen sowie eine rund 1,6 Hektar große Parkanlage erhalten. Denn innerhalb des Plangebietes wurden 28 Vogelarten nachgewiesen, darunter ein Exemplar des streng geschützten Grünspechts, je 19 Kohlmeisen und Amseln, 17 Ringeltauben und 15 Mönchsgrasmücken. Aber auch Singdrosseln, Rotkehlchen, Nachtigallen. Mit Technik wie einem einem „Batlogger“ und der Software „BatExplorer“ wurden die Laute von Zwergfledermäusen, Mückenfledermäusen sowie des Großen Abendseglers erfasst.

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