Reinickendorf
Zum Jahresende

Silvesterturmblasen: Europa klingt vom Rathausturm

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Krampitz
Das Reinickendorfer Turmblasen, hier zu Silvester 2014/15, fand in den letzten Jahren nicht statt.

Das Reinickendorfer Turmblasen, hier zu Silvester 2014/15, fand in den letzten Jahren nicht statt.

Foto: Bezirksamt Reinickendorf

Nach fünf Jahren Unterbrechung gibt es in diesem Jahr wieder das Silvesterkonzert am Rathaus Reinickendorf.

Berlin.  Es war ein Reinickendorfer Silvester-Ritual: Alljährlich kamen bis zu 1000 Zuschauer, auch aus dem nördlichen Umland, um das Silvester-Turmblasen vom Balkon des Rathaus Reinickendorf anzuhören. 2017 fand es zum letzten Mal dort statt.

Doch in diesem Jahr erlebt es eine Neuauflage: Am Samstag, den 31. Dezember erklingt von 18 bis 19 Uhr stimmungsvolle Bläsermusik vom Balkon des Rathauses, um in Gemeinschaft den Silvesterabend einzuleiten. Bürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) ist zufrieden: „Diese Veranstaltung wurde schmerzlich vermisst. Viele hatten diese in bester Erinnerung, weil es eben auch Ausdruck des Miteinanders zum Jahreswechsel ist. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Reinickendorferinnen und Reinickendorfer dabei sind und wir uns gemeinsam mit heiterer Musik auf das Jahr 2023 einstimmen.“

Es spielen Bläserinnen und Bläser von evangelischen Kirchengemeinden fröhliche und besinnliche Musik, die weit über die Köpfe der lauschenden Besucherinnen und Besucher vor dem Rathausturm hinaus erschallen wird. Bürgermeister Brockhausen hält bei dieser gemeinsamen Veranstaltung des Bezirksamtes und des evangelischen Kirchenkreises Reinickendorf eine Neujahrsansprache, der Superintendent des Kirchenkreises, Volker Lübke, lädt zum Friedensgebet.

„Ein Turmblasen braucht einfach einen Turm“

Lübke kam vor vier Jahren nach Reinickendorf. „Damals fand das Turmblasen zum letzten Mal statt - allerdings schon nicht mehr im Rathaus, sondern an der Dorfaue Wittenau. Aber ein Turmblasen braucht einfach einen Turm“, sagt Lübke und lacht.

Abgeschafft hatte das Turmblasen der damalige Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) mit Personalmangel als Begründung. Nach der Übernahme des Amtes durch Uwe Brockhausen hat sich Kirchenmann Lübke mit dem SPD-Politiker getroffen. „Und da sind wir auch über das Turmblasen ins Gespräch gekommen. Zuerst hatten wir Silvester 2023 im Blick, nun haben wir es schon dieses Jahr geschafft.“

Bei den vorhergehenden Turmblas-Veranstaltungen gab es immer ein ökumenisches Friedensgebet. Lübke hat auch in diesem Jahr den Kontakt zu seinen Kollegen von der katholischen Kirche gesucht, aber es kam nicht zu einer Teilnahme.

Der Balkon ist voll mit Instrumentalisten aus dem ganzen Bezirk

Der musikalische Leiter des Abends ist Kantor Stephan Heinroth. Er hat früher selbst mitgespielt. Diesmal wird er nur dirigieren. „Ich bin Trompeter und in diesem Instrumente-Bereich sind wir so gut besetzt, dass ich es mir leisten kann, zu dirigieren, zumindest, wenn niemand krank wird.“ Das Hören sei beim Turmblasen ein bisschen für die Instrumentalisten schwierig, darum sei es gut, wenn jemand den Überblick bewahre und dirigiere.

Einfach sei es hingegen gewesen, die Bläser zu finden, erzählt Heinroth. „Ich habe einfach eine Mail über unseren Verteiler rumgeschickt und nach zwei Wochen hatte ich 20 Leute aus dem ganzen Bezirk zusammen. Von Schulzendorf über Frohnau bis Wittenau. Mehr passen gar nicht auf den Balkon.“

Die Musiker hoffen, dass Reinickendorfer kommen

Schwieriger, so befürchtet Heinroth, könnte die Lage bei den Besuchern werden. „Nach den Jahren ohne Turmblasen hoffen wir, dass vielleicht 300, 400 Leute wieder ihren Weg zu uns finden.“

Um die Besucher auch für die kommenden Jahre zu begeistern, hat er sich viel Mühe gegeben bei der Zusammenstellung des Programms. „So, dass die Leute auch Spaß dran haben, weil es einen Wiedererkennungseffekt gibt.“Als musikalischen Rahmen gibt Charpentiers Ouvertüre des „Te Deum “, die Melodie kennt man, weil sie vor Eurovisionssendungen im TV abgespielt wird. Und den Schluss bildet Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Dazwischen gibt es klassische Bläserstücke und drei Sätze aus Händels Feuerwerksmusik. Es ist ein populäres Programm mit Botschaft: „Ich wollte so den europäischen Gedanken zum Ausdruck bringen, aber man darf so ein Programm nicht mit Bedeutung überladen, es soll den Zuhörern einfach gefallen“, so Heinroth.

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