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Betreuung

Reinickendorf rutscht in noch größere Kitaplatz-Knappheit

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Dirk Krampitz
Reinickendorf braucht unbedingt mehr Kita-Plätze und Betreuer. Schon jetzt gibt es eine Betreuungslücke.

Reinickendorf braucht unbedingt mehr Kita-Plätze und Betreuer. Schon jetzt gibt es eine Betreuungslücke.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Trotz Ausbau fehlen Reinickendorf bis 2025 insgesamt 1851 Betreuungsplätze, wenn nicht bald Maßnahmen ergriffen werden.

Berlin.  In der Statistik sieht die Lage gut aus: Ende August hatte Reinickendorf 12.151 Plätze in Kindertagesstätten. In der Praxis ist es dann aber nicht mehr ganz so gut: Es werden nämlich nur knapp 11.000 Plätze wirklich angeboten. Dazu kommen noch 320 Plätze in der Kindertagespflege. Diese Zahlen reichen allerdings nicht aus, um den steigenden Bedarf abzudecken. „Bis zum 31. Dezember 2025 fehlen perspektivisch 1851 Betreuungsplätze in Reinickendorf“, teilte das Jugendamt auf eine Anfrage von Tomasz Klon mit, fachpolitischer Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik der CDU-Fraktion Reinickendorf. Damit ist der Bezirk leider nicht allein in Berlin.

Am schlimmsten: Reinickendorf-West und Märkisches Viertel

Zwar sollen in den kommenden drei Jahren 581 weitere Plätze für Kinder vor der Vorschule geschaffen werden und bis 2027 insgesamt 800 Plätze, aber selbst bei dieser Geschwindigkeit bliebe eine Versorgungslücke für rund 1000 Kinder. „In den letzten Jahren konnte die Kapazität der bezirklichen Kitaplätze um jährlich 1 Prozent auf circa 12.000 Plätze gesteigert werden. Dennoch reicht diese Größenordnung im wachsenden Reinickendorf nicht aus“, stellt Marvin Schulz fest, Vorsitzender der CDU Reinickendorf.

Vor allem in Reinickendorf-West und im Märkischen Viertel, Kiezen mit vielen jungen Familien, wird die Nachfrage in den kommenden Jahren das Angebot übersteigen. Schulz‘ Forderung: „Deshalb muss der Bezirk dringend handeln und die Vernetzung mit freien Trägern, Wohnungsbaugesellschaften und den angrenzenden Nachbarbezirken vorantreiben. Außerdem ist zu prüfen, ob Fördermittel des Bundes und des Landes genutzt werden können, um neue Plätze zu schaffen.“.

Fachkräftemangel: Es fehlen Erzieher und Betreuer

Aktuelle Unterbringungsprobleme liegen auch daran, dass eigentlich vorhandene Kapazitäten in den Kindertagesstätten nicht komplett genutzt werden können. In einigen Kitas gibt es Bautätigkeiten und insgesamt steht auch zu wenig ausgebildetes Personal zur Verfügung. Laut Schätzungen des Fachbereichs „Tagesbetreuung für Kinder“ können den Reinickendorfer Familien wegen nicht vorhandenen Personals derzeit mindestens 1066 Plätze in 28 Kitas nicht angeboten werden.

Der BVV-Abgeordnete Tomasz Klon drängt aufgrund der sich deutlich abzeichnenden Zuspitzung auf bessere Abstimmung der einzelnen Akteure miteinander. „Das Bezirksamt muss dringend einen Kitagipfel einberufen, auf dem alle relevanten Akteure an einem gemeinsamen Tisch über Maßnahmen sprechen können, den Kitaplatzausbau im Bezirk zu beschleunigen.“

Kinder nach Pankow und Mitte schicken

Das Jugendamt will seinerseits weitere Kitas mithilfe von Förderprogrammen von Land und Bund eröffnen und mehr qualifizierte Fachkräfte anwerben. Auch strebt die Verwaltung eine Zusammenarbeit mit Nachbarbezirken wie Pankow oder Mitte an, um Kindern, die in der Nähe der Bezirksgrenze wohnen, den Kitabesuch nebenan zu ermöglichen. Natürlich nur, wenn dort auch Plätze frei sind.

Grundsätzlich haben Eltern, die keinen Kitaplatz für ihren Nachwuchs nach dessen ersten Lebensjahr bekommen, das Recht, ihn einzuklagen. Die CDU-Fraktion Reinickendorf fürchtet, dass immer mehr Eltern davon Gebrauch machen. Bisher mussten allerdings in Reinickendorf noch keine Schadensersatzleistungen erbracht werden, aber es gab in den letzten fünf Jahren zehn Klageverfahren, die Tendenz ist dabei steigend: Fünf Verfahren wurden allein im Jahr 2019 eingereicht. Danach waren die Kitas wegen der Corona-Pandemie zeitweilig geschlossen, was die Statistik beeinflussen dürfte.

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