Reinickendorf
Hip-Hop

Jugendliche organisieren sich ihr eigenes Festival

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Dirk Krampitz
Jugendliche haben sechs Monate ihr eigenes Festival in Lübars organisiert. An diesem Wochenende findet es statt.

Jugendliche haben sechs Monate ihr eigenes Festival in Lübars organisiert. An diesem Wochenende findet es statt.

Foto: Foto: KulturcoachinG

Reinickendorfer Jugendliche haben sich ihr eigenes Festival organisiert. Am Wochenende im Freizeitpark Lübars bei freiem Eintritt.

Berlin.  Dass die Live-Musikszene und die Jugendlichen die Verlierer der Pandemie waren, ist mittlerweile schon eine Binsenweisheit. Es wurde viel beklagt, aber wenig getan. Der Bezirk Reinickendorf hat allerdings im vergangenen Jahr beide Gruppen zusammengebracht, um den Jugendlichen bei der Bewältigung von Pandemie-Folgen zu helfen. Jugendliche organisieren ihr eigenes Musik-Festival mit den Acts ihrer Wahl.

Sechs Monate lang haben die Reinickendorfer Jugendlichen gearbeitet, an diesem Wochenende ist es soweit: Unter dem Motto „Mask Off – Sei Du selbst! Zeig‘ Dich! Steh‘ zu Dir! Für Toleranz, Respekt und Diversität“ findet am Wochenende jeweils ab 12 Uhr Reinickendorfs erstes Jugendfestival statt. Finanziert wird das Festival aus Sach- und Geldspenden sowie mit Mitteln aus den Bundes- und Landesprogrammen „Aufholen nach Corona“ und „Stark trotz Corona“ der Projektsäule „Jugendarbeit stärken“.

Wiedergutmachung für Corona

Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Kulturcoaching gUG, hat die Jugendlichen bei der Organisation begleitet: „Die Interessen und Wünsche von Jugendlichen wurden in der öffentlichen Debatte oft nur am Rande thematisiert. Ihre Stimmen wurden nur selten gehört und viele sind durch die stark eingeschränkten Kontakte zu Gleichaltrigen mit ihren Gedanken und Gefühlen allein geblieben. Mit dem Festival können sie nun ihre Wünsche, Erfahrungen und Vorstellungen thematisieren, Selbstwirksamkeit erfahren und anderen jungen Menschen zeigen, was mit Tatendrang, Motivation und Durchhaltevermögen alles zu schaffen ist.“

Unter den Organisatoren ist auch der 16-jährige Ibo Sow, der selbst auftreten wird: „Es ist mega, dass wir als Jugendliche unsere Ideen in die Tat umsetzen können. In den letzten Monaten sind wir ein starkes Team geworden. Und am Wochenende ist es endlich weit!“

Flügel für die Jugendlichen

Natürlich habe es „Erodierungsprozesse“ beim Festival-Team gegeben, gibt Katharina Heuer zu. Sie stand den Jugendlichen beratend zur Seite. Aber am Ende hätte sich ein festes Team von zehn Leuten herausgebildet. .„Unsere Aufgabe war, den Jugendlichen Flügel zu verleihen. So konnten sie lernen, was sind meine Gestaltungsräume, wo stoße ich an Grenzen? Insgesamt hat die Arbeit bei allen den Glauben an sich selbst bestärkt“, so Heue.

Manchmal mussten die Profis aber auch für ein bisschen Bodenhaftung sorgen. „Wenn es nach den Jugendlichen gegangen wäre, hätten wir hier 100 Dixi-Klos stehen“, erzählt Heuer, die am Freitag mit dem Aufbau in Lübars beschäftigt ist. Nun sind es nur zehn. Es musste bezahlbar bleiben.

Die Jugendlichen sind zwischen 15 und 29 Jahren, darunter viele Schüler und die meisten aus dem Märkischen Viertel. „Wir haben intensiv mit Jugendeinrichtungen gearbeitet und haben so die Jugendlichen gefunden. Einige von ihnen wollen selber Musik machen, eine Grafikerin ist dabei“, erzählt Heuer.

Mehr als 40 Künstler

Der Einsatz der Jugendlichen hat auch die angesprochenen Künstler überzeugt. Mehr als 40 Künstlerinnen und Künstler, meist Hip-Hoper, aus Reinickendorf, Berlin und dem ganzen Bundesgebiet treten ehrenamtlich und ohne Gage auf.

Veranstaltungsorte sind die Familienfarm Alte Fasanerie – hier findet das Familienprogramm mit Musik, Tanz, Workshops, Jamsession und trommeln statt - und die benachbarte Lübarser Höhe im Freizeitpark Lübars. Am Sonnabend geht es von 12 bis 23 Uhr, am Sonntag bis 18 Uhr.

Als Headliner spielen Jamie Roseanne, Juicy Süß & MC Smook, Silas Hill und YFG Pave. Das gesamte Festival-Line-Up mit den Künstlerinnen und Künstlern ist auf Instagram @festivalreinickendorf.berlin zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Bürgermeister im Gespräch

Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen und Jugendstadtrat Alexander Ewers (beide SPD) eröffnen um 16 Uhr das Bühnenprogramm auf der Hauptbühne und stehen den Jugendlichen im Anschluss für Gespräche zur Verfügung. Zusätzlich gibt es auf dem Festivalgelände einen „Marktplatz der Möglichkeiten“, Jam-Sessions im Hoftheater, Tanz- und Kreativ-Workshops plus Sport- und Spielangebote sowie Essen und Trinken.

Ob es eine Fortsetzung gibt, hängt an der Finanzierung. Wenn es nach den Organisatoren geht: Gern.

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