Reinickendorf
Sanierung

Tunnel Tegel: Stadtautobahn bleibt lange gesperrt

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Dirk Krampitz
Ab Sonntagabend wegen Sanierung gesperrt: Die Stadtautobahn beim Tunnel Tegel Ortskern.

Ab Sonntagabend wegen Sanierung gesperrt: Die Stadtautobahn beim Tunnel Tegel Ortskern.

Foto: imago stock / imago/Jürgen Ritter

Die Beseitigung der Problemstelle auf der A111 ist der Auftakt einer ganzen Welle von Verkehrs-Baumaßnahmen im Berliner Norden.

Berlin.  Seit Sonntagabend um 22 Uhr ist der marode Tegel-Tunnel gesperrt. In den vergangenen zwei Jahren musste er 42-mal kurzfristig wegen akuter Schäden gesperrt werden. 1,2 Millionen Euro kostet die Sanierung. Ein Stauchaos ist programmiert. Für Anwohner und Pendler eine Nervenprobe.

Die Bauarbeiten sind bis zum Oktober terminiert und in vier Phasen unterteilt, die unterschiedliche Sperrungen mit sich bringen:

Bauphasen und Autobahn-Sperrungen

Bauphase 1: Sie begann am Sonntag um 22 Uhr. Die A111 ist zwischen den Anschlussstellen Waidmannsluster Damm und Holzhauser Straße in südlicher Richtung komplett gesperrt. Die offizielle Umleitung erfolgt über die Berliner Straße. Wieder geöffnet wird die Strecke am 2. Oktober um 5 Uhr morgens. Zusätzlich gibt es eine Verengung zwischen den Anschlussstellen Holzhauser Straße und Seidelstraße auf einen Fahrstreifen.

Bauphase 2: Sie besteht aus der Fahrspureinschränkung zwischen Holzhauser Straße und Seidelstraße in südliche Richtung auf nur eine Spur.

Bauphase 3: Diese Spurverminderung dauert auch in Bauphase 3 vom 10. bis 14. Oktober an. Zusätzlich werden noch die Zufahrt zur Holzhauser Straße und die Ausfahrt Seidelstraße gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Seidelstraße.

Bauphase 4: Während der Zeit vom 16. Oktober um 22 Uhr bis zum 23. Oktober um 5 Uhr wird die Fahrbahn in Richtung Norden zwischen Anschlussstelle Holzhauser Straße und Waidmannsluster Damm gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Berliner Straße.

Warum nicht nachts gebaut wird

Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, freut sich über die längst fälligen Arbeiten. Er kritisiert jedoch die Umsetzung, denn es wird nur tagsüber gebaut. Er erinnert an die Sanierung der Avus, wo nachts durchgearbeitet wurde: „Hier gab es finanzielle Anreize für schnelles und effektives Bauen und Sanieren.“ Mit der Sanierung auf der A111 beginne für die täglich 30.000 Autofahrer auf der Strecke „eine Tortur“ und die müsse man wenigstens möglichst kurzhalten.

Zuständig für die Sanierung ist die Autobahn GmbH des Bundes. „Die Forderung verstehen wir durchaus“, so Autobahn-Sprecher Ralph Brodel. Aber der Fachkräftemangel sei auch auf Baustellen schon seit Jahren ein Thema. Straßenbau sei Facharbeit. Die Autobahn GmbH hat den Auftrag nach Ausschreibung ohne die Auflage von Nachtarbeit an die Strabag AG vergeben. „Das Problem ist, wenn man die Ausschreibung mit Nachtarbeit herausgibt, bekommt man gar keine Angebote zurück. Selbst wenn die Firmen nachts arbeiten wollen, ihnen fehlen einfach die Mitarbeiter dafür“, sagt Brodel. Dazu komme, dass es sich im Innenstadtbereich um bewohntes Gebiet verhalte. Da darf man maximal bis 22 Uhr arbeiten und dann wieder ab 5 Uhr. „Als Anwohner fände man eine taghelle Baustelle in der Nacht wohl alles andere als witzig.“ Ausweichverkehr durch die Wohnstraßen dürften die Reinickendorfer jedoch auch nicht gut finden.

Erst der Anfang von Verkehrsbaustellen im Norden

Stephan Machulik, Sprecher für Verkehr der SPD-Fraktion, befürchtet, dass die Sanierung „das ganze Reinickendorfer Gebiet ins Verkehrschaos stürzt“. Aber natürlich sei die Baumaßnahme überfällig. Er betont, dass die Arbeiten auch unbedingt im Zeitrahmen erledigt werden müssen, weil im Anschluss die Sanierung der U6 zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Alt-Tegel geplant ist.

Aber auch nach der Sanierung des Tunnels kann der Berliner Norden nicht Aufatmen: Für die Grundsanierung der restlichen A111 erarbeitet die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) gerade die Entwurfsplanung. „Mit dem Beginn der Arbeiten rechnen wir frühestens 2025“, sagt der Deges-Sprecher Michael Zarth.

Acht Jahre Bauzeit für die A111

Es soll zu keinen Vollsperrungen kommen, während auf 13,3 Kilometern vierstreifiger Autobahn zwischen der Landesgrenze Berlin/Brandenburg die Fahrbahnen sowie 39 Brücken, 16 Tunnel- und Trogbauwerke, 95 Verkehrszeichenbrücken und Schranken, 105 Lärmschutz- und Stützwände und neun Bauwerke der Entwässerung saniert werden sollen. Sieben bis acht Jahre sind insgesamt veranschlagt.

Im Anschluss wird vermutlich nahtlos die Sanierung der S-Bahnlinie 25 in Angriff genommen. Sie ist für die 2030er Jahre geplant. „Der Norden ist ziemlich gebeutelt, Reinickendorf wird Minimum sieben Jahre Verkehrsstress haben“, orakelt Verkehrspolitiker Machulik.