Reinickendorf
Fußgängerzone

Eine Wüste aus hochwertigen Natursteinen

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Dirk Krampitz
Die Fußgängerzone Gorkistraße wurde vertragsgemäß wieder hergestellt. Vielen fehlt hier aber Grün.

Die Fußgängerzone Gorkistraße wurde vertragsgemäß wieder hergestellt. Vielen fehlt hier aber Grün.

Foto: Dirk Krampitz / Berliner Morgenpost

Die Fußgängerzone Gorkistraße in Tegel ist fast fertig. Aber im Bezirk regt sich Kritik an der Gestaltung.

Berlin.  Besonders trist sieht die Fußgängerzone in der Gorkistraße aus, wenn es gerade geregnet hat. In der Stein- und Betonwüste stehen dann kleine Pfützen, bis sie in der Kanalisation abfließen. Im Januar 2017 war Baubeginn für das Tegel-Quartier und für die Erneuerung der 250 Meter langen Einkaufszone.

Seit 2018 wird am Tegel-Quartier gebaut, im Juli wurde die Gorkistraße gepflastert und im Bezirk regt sich Unzufriedenheit bei den Einwohnern und Parteien. Denn sie sieht aus wie vor den Bauarbeiten, wenn auch vielleicht ein bisschen schicker. Nur, dass sich die Wahrnehmung und auch die vom Senat formulierten Ansprüche an eine moderne Stadt in den vergangenen Jahren geändert hat. Vor einem Jahr rief der Senat die Entwicklung zur Schwammstadt aus.

In der Gorkistraße davon keine Spur. Umwelt-Stadträtin Korinna Stephan (Grüne) erklärt, dass die aufgrund eines städtebaulichen Vertrags wieder so hergestellt wurde, wie sie zuvor war. Die Zone diene auch in erster Linie als Nutz- und Bewegungsfläche. Aber mehr Sitzgelegenheiten und Fahrradbügel sollen folgen.

Die Hoffnung auf nachträglich angelegte Grünflächen dämpft Stephan sogleich: Das Pflaster sei im festen Verbund verlegt und für Grünflächen müsse man den Betonunterbau entfernen. „Daher sind die Möglichkeiten von Korrekturen hier tatsächlich beschränkt.“ Hörbar zerknirscht gibt sie zu: „Nach heutigen Standards würde diese Fußgängerzone sicherlich anders gebaut werden.“

Mit der Situation in der Gorkistraße leben

Ihr Fraktionskollege Andreas Rietz gibt ebenso zu: „Auch uns befriedigt die derzeitige Situation nicht.“ Aber einen städtebaulichen Vertrag mitten im Bauprozess ändern, würde enorme Probleme hervorrufen. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir mit der Situation fertig werden.“

BVV-Mitglied Felix Schönebeck (CDU) ist unzufrieden mit der Situation und will sich damit nicht abfinden. Die eingepflanzten Bäume seien kleiner als geplant. Und wenn es nach ihm gehe, solle das Bezirksamt in der Fußgängerzone durch weitere Baumpflanzung, Kübelpflanzen oder Bemoosung für ein angenehmeres Stadtklima und mehr Aufenthaltsqualität sorgen. „Der Bezirk muss dafür sorgen, dass die Menschen sich gern in der Gorkistraße aufhalten und sich dort wohlfühlen.“ Mehr Sickerwasser würden Kübelpflanzen allerdings auch nicht bringen.

Gorkistraße als Veranstaltungsort

Mehr Aufenthaltsqualität läge natürlich auch im Interesse des Immobilien-Entwicklers HGHI Holding. Aber die Geschäftsführung betont, sich strikt an den städtebaulichen Vertrag gehalten zu haben. „Die Fußgängerzone wurde so wiederhergestellt, wie dies durch das Bezirksamt vorgegeben wurde.“ Zwar habe es „unterschiedliche Gespräche und Überlegungen“ gegeben, aber „dabei ging es vorwiegend darum, eine langfristig angelegte Fußgängerzone zu installieren, da die Fußgängerzone zukünftig ein Veranstaltungsort für Tegel sein wird“.

Die HGHI Holding hat aber eine Vermutung, warum es seitens des Bezirks „keinen Mut zu mehr Grünanlagen“ gab. „Der Umfang der Pflege von Grünanlagen in einer Fußgängerzone kann schwer sichergestellt werden, wie es für einen öffentlichen Bereich notwendig wäre.“