Reinickendorf
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Mit Solarenergie kostenlos über den Tegeler See

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Clara Andersen
Über das Wasser schippern und Menschen für Technik begeistern – die Solarfähre am Strandbad Tegelsee.

Über das Wasser schippern und Menschen für Technik begeistern – die Solarfähre am Strandbad Tegelsee.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Gemeinnütziges Projekt will mit selbstgebauter Fähre das Interesse an Technik wecken.

„Wir wollen die Energiewende erlebbar machen“ – unter diesem Leitspruch hat der Berliner Verein Ingenieure ohne Grenzen gemeinsam mit anderen Kooperationspartnern zwei Jahre lang an der Planung und Konstruktion einer Solarfähre für das Strandbad Tegelsee getüftelt. Seit Sonnabend ist die Fähre, die nur mit Sonnenenergie betrieben wird, nun endgültig abfahrtbereit. Jeder kann kostenfrei ein paar Runden auf dem Wasser drehen und dabei erfahren, wie aus Sonnenlicht Energie wird. Und wie man ein Wasserfahrzeug damit antreibt. Auch Workshops für Kinder sind geplant.

Der gemeinnützige Verein Ingenieure ohne Grenzen unterstützt Projekte mit lokalen Partnern, in denen praktische und professionelle Lösungen in den Bereichen Wasser, Strom und Sanitär geplant und umgesetzt werden. Ein so großes Projekt wie das Solarboot hätten sie in ihrer Berliner Gruppe bisher noch nicht umgesetzt, sagt die Projektleiterin Lena Rost. Die 24-Jährige ist Maschinenbauerin. „Bisher haben wir hauptsächlich solare Powerbanks entwickelt.“

Aber nachdem das Strandbad Tegelsee vor zwei Jahren vom Nachbarschaftsverein Neue Nachbarschaft/Moabit e.V. übernommen wurde, sei die Kooperation zwischen den beiden gemeinnützigen Organisationen entstanden, sagt Marina Naprushkina vom Nachbarschaftsverein. „Es war unser Ziel, neben dem klassischen Badebetrieb auch ein Zentrum für Kultur, Erholung und Natur zu schaffen. Insofern ist eines der Hauptthemen hier Energie. Und mit der Solarfähre haben wir nun ein konkretes Beispiel, wie so etwas nachhaltig aussehen kann.“

Projekt kostete um die 17.000 Euro

Auch Lena Rost ist froh über die Kooperation: „Wir sind ja selbst eine Bildungsgruppe, und da wir die Energiewende für alle erlebbar machen wollen, haben wir uns gerne auf das Projekt der Solarfähre eingelassen. Ist ja im Prinzip auch wie eine Solarbank. Nur eben größer“. Die Berliner Gruppe der „Ingenieure ohne Grenzen“ besteht aus ungefähr zehn Beteiligten. Zum Start des Projekts hätten sie viel Recherche betrieben und sich professionell beraten lassen, wie man die Idee des Solarbootes in die Praxis umsetzen kann, sagt Lukas Leimkühler, der ebenfalls dazugehört. Dann sei es an die konkrete Planung gegangen. „Wir sind zwar relativ naiv an das Ganze rangegangen, es gab natürlich auch Rückschläge, und ein bisschen komplizierter als unsere bisherigen Solarbänke war es dann doch. Aber wir waren alle sehr motiviert und letztendlich hat alles geklappt.“

Insgesamt habe das Projekt um die 17.000 Euro gekostet, sagt Rost. Finanziert worden sei es hauptsächlich von der Energieinsel GmbH, die auch die Solarmodule für die Fähre zu Verfügung gestellt hat, sowie deren Kooperationspartner, die sonnen GmbH. „Wir unterstützen gerne soziale Projekte und möchten immer auch Aufklärungsarbeit zu erneuerbaren Energien leisten“, erklärt Nathalie Faber, Mitarbeiterin der Energieinsel. Doch auch Bezirksamt, Sponsoren und private Spender hätten finanzielle Unterstützung geleistet, so Rost.

Inzwischen sind Planung, Entwicklung und Konstruktion endgültig abgeschlossen. Am Sonnabend wurde die Solarfähre im Strandbad Tegelsee eingeweiht, wo sie am Steg liegt und nun zwischen Ruderbooten und Fahrgastschiffen unterwegs ist. „Wir sind mächtig stolz darauf, es geschafft zu haben“, sagt Rost.

Von nun an können alle Gäste des Strandbades Tegelsee kostenfrei ein paar Runden mit der Solarfähre drehen. Wie oft genau die Fähre fahren wird, sei noch nicht ganz klar. „Aber wenn die Sonne scheint, kann man im Prinzip den ganzen Tag fahren“, erklärt Leimkühler. Die Fähre werde ausschließlich mit Sonnenergie betrieben. Diese könne auch gespeichert werden.

Technik an der Fähre ist sichtbar, um sie gut erklären zu können

„Die Fähre lädt quasi auf, wenn man sie einfach mal ein paar Stunden stehen lässt. Mit der gespeicherten Energie kann man dann zum Beispiel an einem weniger sonnigen Tag fahren“, erklärt Leimkühler. Grundsätzlich sei es aber so, dass auch bei bewölktem Himmel die Sonnenenergie meistens noch ausreiche, um das Boot anzutreiben. Die Kraft der Sonne werde häufig unterschätzt. Mit der Solarfähre sollen ökologische, nachhaltige Energiequellen im Alltag für alle Menschen greifbar gemacht werden. Außerdem gehe es auch darum, den Menschen das Mysterium Technik näher zu bringen. „Viele haben keinen Bezug zur Ingenieursarbeit, und das wollen wir ändern“, sagt Rost. Darum sei die Technik an der Fähre auch sichtbar und man könne sehr anschaulich erklären, wie alles funktioniert.

Vor allem Kinder und junge Menschen wollen sie mit der Fähre für Technik begeistern und ihnen nachhaltige Energie verständlicher machen, sagt Maschinenbauerin Lena Rost. „Gerade jetzt in der Energiekrise ist das ein brennendes Thema und geht jeden etwas an“. Daher wollen sie in Bezug auf die Solarfähre für Kinder und Jugendliche in Zukunft Workshops und Projekte anbieten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alles über Photovoltaik und nachhaltige Energiequellen lernen sollen. „Wir freuen uns auf weitere Projekte und Kooperationen, denn natürlich gibt es immer noch viel Arbeit.“