Reinickendorf
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Hohe Schulgebühr: Zahl der Physiotherapeuten sinkt

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Zu Besuch bei der ESO Education Group: v.l. Torsten Einstmann, (SPD-Kandidat in Reinickendorf für den Bundestag), Kilian Daske, Regionalleiter der ESO Education Group, Franziska Giffey, Uwe Brockhausen (stell. Bezirksbürgermeister von Reinickendorf, SPD)

Zu Besuch bei der ESO Education Group: v.l. Torsten Einstmann, (SPD-Kandidat in Reinickendorf für den Bundestag), Kilian Daske, Regionalleiter der ESO Education Group, Franziska Giffey, Uwe Brockhausen (stell. Bezirksbürgermeister von Reinickendorf, SPD)

Foto: Susanne Kollmann / Berliner Morgenpost

SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey hat sich bei der ESO Education Group über den Rückgang der Physiotherapeuten informiert und will helfen

Berlin. Seit der Corona-Pandemie ist eines ganz klar: Es gibt zu wenig Beschäftigte in Gesundheitsberufen. Während die Ausbildung zum Krankenpfleger vergütet wird, müssen angehende Physiotherapeuten oder medizinische Bademeister ihre Ausbildung selbst finanzieren. In Konsequenz sinkt die Schülerzahl rapide. Franziska Giffey, Spitzenkandidatin der Berliner SPD, hat sich über diese Situation in der Euro Akademie Berlin informiert, die zur ESO Education Group gehört. Mit über 120 Mitgliedseinrichtungen ist die Akademie eine der größten Zusammenschlüsse privater Bildungsträger in Deutschland.

„Ich möchte Menschen helfen, gesundheitlich wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Am liebsten würde ich im Anschluss an die Ausbildung in einer Reha-Klinik arbeiten“, sagt eine Schülerin der Euro Akademie Berlin. Die angehende Physiotherapeutin kann die monatliche Schulgebühr in Höhe von 350 Euro aufbringen, viele andere aber nicht.

„Ich habe es schon öfter erlebt, dass sich qualifizierte Menschen beworben haben, dann aber doch einen Rückzieher machen mussten, weil sie nicht wussten, wie sie die Ausbildung finanzieren sollen“, sagt Kilian Daske, Regionalleiter der ESO Education Group Berlin/Brandenburg. Er wählt drastische Worte: „Wir haben jetzt schon einen eklatanten Mangel an Physiotherapeuten, das wird noch schlimmer.“

Alle Schüler hätten später eine Stelle als Physiotherapeuten sicher, so hoch sei die Nachfrage in den Praxen. Denn im Gegensatz zu den Krankenhäusern, die ihr Personal selbst ausbilden, würden niedergelassene Physiotherapeuten händeringend nach Mitarbeitern suchen.

Forderung: Ausbildung in allen Gesundheitsberufen vergüten

„Auf der anderen Seite haben wir eine steigende Jugendarbeitslosigkeit. Da sind junge Menschen, die nicht wissen, was sie machen wollen. Die, die noch keine eigene Perspektive haben, wären alles potenzielle Menschen, die für den Beruf infrage kommen“, sagt Giffey. Wenn da eben nicht das Problem mit der Schulgebühr wäre. Zwar stellt das Jobcenter einigen Schülern einen Bildungsgutschein aus, doch erfüllen nicht alle die nötigen Kriterien für die finanzielle Unterstützung. Beispielsweise bekommen derzeit nur Menschen ab Mitte 20 einen Gutschein, nicht aber diejenigen, die gerade aus der Schule kommen.

Die Lösung liegt für Kilian Daske auf der Hand: „Die Ausbildung zum Erzieher oder in der Altenpflege wird bereits vergütet. Das ist auch gut so. Es muss aber einheitlich werden, so dass alle Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen vergütet werden. Die Gesellschaft wird älter, wir brauchen Physiotherapeuten – dringend.“

Es müssten Wege gefunden werden, das zu finanzieren. Denkbar sei ein Modellprojekt für junge Menschen, die gerade aus der Schule kommen und auch Bildungsgutscheine erhalten. Giffey will sich mit den Verantwortlichen zusammensetzen und eine Lösung finden.