Reinickendorf
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Während Corona wird mehr Bauschutt illegal abgeladen

Besonders Dämmwolle landet öfter am Straßenrand. Reinickendorf setzt Zivilstreifen ein, um Verursacher zu ermitteln.

Am Flughafensee im Landschaftsschutzgebiet wird öfter Bauschutt illegal entsorgt.

Am Flughafensee im Landschaftsschutzgebiet wird öfter Bauschutt illegal entsorgt.

Foto: Privat

Berlin. Sofas, Kühlschranke und Teppiche, aber auch Bauschutt, Dämmwolle und Farbeimer – immer häufiger landen Möbel und gefährliche Stoffe auf Gehwegen anstatt auf einem Recyclinghof. Dieses Problem ist während der Corona-Pandemie in Reinickendorf noch schlimmer geworden.

Beim Ordnungsamt sind in den Vorjahren durchschnittlich 130 Meldungen von Bauschuttablagerungen gemeldet worden. In diesem Jahr sind es schon 182. Besonders auffällig: Die jeweiligen Mengen der einzelnen Ablagerungen sind im Durchschnitt umfangreicher. „Auch der Anteil der gefährlichen Ablagerungen wie zum Beispiel Dämmwolle ist deutlich gestiegen“, sagt Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD).

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) bestätigt einen spürbaren Anstieg illegaler Ablagerungen. Ein erwiesener Zusammenhang im Rahmen der Corona-Pandemie ist aus Sicht der BSR nicht erkennbar. Zum einen habe es in vielen Berliner Bezirken bereits in der Vor-Corona-Zeit deutliche Probleme mit illegalen Ablagerungen gegeben, sagt ein BSR-Sprecher. „Zum anderen wird augenscheinlich ein großer Teil illegaler Ablagerungen nicht durch Privatpersonen verursacht, sondern durch unseriöse Gewerbetreibende“, ergänzt der Sprecher. Es könne allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass dubiose Entrümpler oder Baufirmen in der Hochphase der Corona-Zeit besonders aktiv gewesen seien.

Verursacher von illegalem Müll werden ermittelt und hart bestraft

Ordnungsstadtrat Maack kennt dieses Problem und sieht die Nachverfolgung der Täter als einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Aus diesem Grund fahre der Bezirk aktuell zweigleisig: Zum einen werde die Bevölkerung über legale Entsorgungsmöglichkeiten aufgeklärt. „Zum anderen versuchen wir stärker die Verursacher zu ermitteln und dann mit maximaler Härte zu bestrafen“, betont Maack. Bei besonders gravierenden Vorfällen werde die Bevölkerung um Mithilfe aufgerufen. Weiter werde auch versucht über Zivilstreifen Täter auf frischer Tat zu ertappen. Was den illegal abgeladenen Sperrmüll betreffe, sei es in folgenden Gebieten besonders schlimm: Seidelstraße (auf dem Waldparkplatz bei der JVA), Antonienstraße, Eichborndamm, Zobeltitzstraße, Klixstraße, Scharnweberstraße (auf dem P&R Parkplatz an der Autobahnauffahrt), Am Nordgraben 31 und gegenüber sowie an der Markstraße im Bereich der Flohmärkte. Das Ordnungsamt ermittelt auch in Wäldern, obwohl das nicht deren Beritt ist, da Forsten für eine Ermittlung keine eigenen Außendienstkräfte dafür zur Verfügung stehen. „Wichtig ist, dass es nirgendwo sicher sein darf, Müll illegal zu entsorgen“, sagt Maack.

Neben dem Problem mit Sperrmüll gebe es nach Angaben Maacks auch eine zunehmende Verwahrlosung des öffentlichen Raumes durch sogenannte Kleinstverschmutzungen wie Zigarettenkippen, Essensverpackungen oder Einweg-Becher. In Reinickendorf werden dafür regelmäßig gezielte Zivileinsätze angesetzt. Dadurch werden monatlich mehr als 100 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. In den Schwerpunktbereichen an den Bahnhöfen Wittenau und Kurt-Schumacher-Platz konnte die Situation leicht verbessert werden. „Trotzdem haben wir auch hier noch einen weiten Weg vor uns“, weiß Ordnungsstadtrat Maack.