Reinickendorf
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Denkmalschutz verhindert Bau einer neuen Grundschule

Weil es immer noch Probleme mit dem Welterbe „Weiße Stadt“ gibt, kann vorerst keine neue Grundschule an der Aroser Allee gebaut werden.

Wegen dem UNESCO-Welterbe „Weiße Stadt“ konnte bislang keine neue Grundschule an der Arosa Allee gebaut werden.

Wegen dem UNESCO-Welterbe „Weiße Stadt“ konnte bislang keine neue Grundschule an der Arosa Allee gebaut werden.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Reinickendorf. Fragt man Bezirksstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU), wann die geplante Grundschule in Reinickendorf-Ost gebaut wird, kommt ein großer Seufzer. Denn es ist immer noch nicht klar, wann das sein wird. Dabei ist die Schule so wichtig für das Viertel.

Aus der einstigen Hoffnung ist fast schon Verzweiflung geworden, Unverständnis schwingt auch mit. „Vor acht Jahren haben wir den Antrag gestellt“, betont Dollase. Im Schuljahr 2022/23 würden die zusätzlichen Schulplätze benötigt. Da der Bau an sich circa zwei Jahre in Anspruch nimmt, wird es langsam knapp.

Doch wie konnte es überhaupt zu dieser Zeitverzögerung kommen? In einer Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf die Anfrage des Abgeordneten Burkard Dregger (CDU) heißt es, dass das größte Problem das UNESCO-Welterbe „Weiße Stadt“ darstellt, in dessen Pufferzone die neue Schule gebaut werden soll. Der einstige Siegerentwurf des Wettbewerbs für dreizügige modulare Grundschulen mit Sporthalle ist hinsichtlich Ort, Gebäudehöhe und Fassadengestaltung so nicht machbar, sagt das Deutsche Nationalkomitee (International Council on Monuments and Sites – ICOMOS). Auch eine Bebauung über die Bauflucht der bereits 1905 fertiggestellten Paul-Löbe-Schule hinweg, sei nicht zulässig.

Vorhandenes Baufeld für Grundschule zu klein

Damit aber nicht genug. Denn auch eine Nutzung des verbleibenden Grundstücks als Schulhof wird von der ICOMOS ebenfalls nicht genehmigt. Das östlich angrenzende Sportfeld stünde für eine Bebauung nicht zur Verfügung, heißt es. Dieses könne auch nicht versetzt werden, um das potenzielle Baufeld zu erweitern. Das heißt, dass für den Schulneubau ein Baufeld von lediglich rund 1800 Quadratmetern zur Verfügung steht. Für eine dreizügige Grundschule wird allerdings eine Fläche von rund 10.600 Quadratmetern gebraucht. „Zu dieser Erkenntnis hätte man schon vor zwei Jahren kommen können“, sagt Dollase. Warum so viel Zeit vergehen musste, verstehe er nicht.

So schnell aufgeben will man den Standort aber nicht. Es wurden bereits verschiedene Varianten der Unterbringung einer dreizügigen Grundschule am Standort Aroser Allee untersucht – das Landesdenkmalamt wird nun versuchen, sich mit ICOMOS zu einigen. Eine Möglichkeit wäre den Schulstandort soweit nach Osten zu verlagern, dass er die Flucht der Gebäude, die die Aroser Allee östlich begleiten, nicht überschreitet und mit den Bauten der Weißen Stadt verträglich ist, heißt es vonseiten des Senats. Eines steht fest: Gegen eine Empfehlung des Denkmalschutzes wird der Senat keine Schule bauen. Immerhin ist die Finanzierung gesichert.

Container müssen fehlende Schulräume ersetzen

Dass vorerst keine Grundschule am Standort Aroser Allee/Thurgauer Straße gebaut wird, grenzt für den Bezirk an eine Katastrophe. Der ansteigende Schulplatzbedarf kann durch die vorhandenen Schulbauten nicht aufgefangen werden. „Dann werden wir übergangsweise Container aufstellen müssen“, ahnt der Bezirksstadtrat. Die könnten auf dem Grundstück der Jugendfreizeitstätte „Fuchsbau“ am Standort Thurgauer Straße/Walliser Straße stehen.

Tobias Dollase setzt nun alles auf den 19. November. An diesem Tag wollen nämlich Vertreter der Senatsverwaltungen für Bildung, Stadtentwicklung, Inneres und Sport, Finanzen sowie des Bezirks Reinickendorf zusammenkommen und die Lage erneut besprechen.