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Flughafen

Kommission für Fluglärmschutz verabschiedet sich von Tegel

Das Beratungsgremium hat sich ein letztes Mal zu seiner Sitzung am Berliner City-Flughafen TXL getroffen.

Abschiedsfoto der Fluglärmschutzkommission auf der Besucherterrasse des TXL.

Abschiedsfoto der Fluglärmschutzkommission auf der Besucherterrasse des TXL.

Foto: Privat

Berlin. Für das Abschiedsfoto hatten sich die Mitglieder der Fluglärmschutzkommission für Tegel am Dienstag eigens noch einmal auf der Besucherterrasse des TXL-Flughafenterminals eingefunden. „Mit dem heutigen Tag ist die lange Geschichte der Berliner Fluglärmschutzkommission zu Ende“, sagte deren Vorsitzender, Rainer Teschner-Steinhardt. Am 8. November startet der letzte Flieger von Tegel – damit sei auch Schluss für die Arbeit der Kommission. Bereithalten müssen sich deren Mitglieder rein formal zwar noch bis Mai 2021: „Falls in den kommenden sechs Monaten am BER etwas schiefgeht, die Betriebsgenehmigung endet ja erst nach der Übergangsfrist“, so Teschner-Steinhardt.

Gegründet worden war die Kommission Anfang der 1990er-Jahre, als das alliierte durch das bundesdeutsche Luftverkehrsrecht ersetzt wurde. In 75 Sitzungen haben die rund 20 Mitglieder des Gremiums seitdem dafür gesorgt, dass die Schutzbelange der Bürger in den betroffenen Bezirken nicht einfach unter den Tisch fielen.

Für Anwohner einige Verbesserungen bei Einhaltung der Nachtruhe erreicht

Teschner-Steinhardt, der auch Leiter des Umweltamtes Neukölln ist, ist seit 2002 dabei. Zunächst, weil die Belange des Bezirks Neukölln bis zur Schließung des Flughafens Tempelhof 2008 vertreten werden mussten. Weil der Umweltamtsleiter sich so gut in die Thematik eingearbeitet hatte, wurde er seit 2005 immer wieder aufs Neue als Vorsitzender gewählt, obwohl Tempelhof „längst beerdigt war“, wie er sagt.

Für die Anwohner des City-Airports haben die Kommissionsmitglieder in dieser Zeit einige Verbesserungen bei der Einhaltung der Nachtruhe erreicht. „Wir haben erstmalig eine Nachtflugstatistik eingeführt und damit ermöglicht, dass Verstöße der Airlines gegen die Nachtflugbeschränkung geahndet wurden“, erinnert sich Marela Bone-Winkel, stellvertretende Vorsitzende der Fluglärmschutzkommission. In Tegel muss der Regelverkehr bis 22 Uhr abgewickelt werden, bis 23 Uhr dürfen verspätete Flieger landen. Für Maschinen außerhalb dieses Zeitfensters müssen die Airlines schließlich bis zu 500 Prozent Aufschlag zahlen.

Teschner-Steinhardt wird auch bei Kommission für den BER dabei sein

„Leider ist es uns nicht gelungen, diese Regelung auch für Postflieger durchzusetzen“, bedauert Teschner-Steinhardt, der auch Vizepräsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm ist.

Verbesserungen haben die Streiter gegen den Fluglärm dagegen für das Wochenende und die Feiertage erkämpft: Das sogenannte Berliner Modell schreibt vor, dass an diesen Tagen von der längeren Nordbahn aus gestartet wird – und die Maschinen bis zu einer Höhe von 3000 Metern geradeaus fliegen und erst dann Abkurven dürfen.

Während für die meisten Mitglieder der Kommission – vorausgesetzt, am neuen Hauptstadtflughafen BER läuft alles wie geplant, – Schluss ist, wird Teschner-Steinhardt auch bei der Fluglärmkommission für den BER in Schönefeld dabei sein – weil Neukölln neben Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick zu den Berliner Bezirken gehört, die auch weiterhin vom Fluglärm betroffen sein werden. „Ich befürchte, dass uns auch hier die Verspätungsproblematik beschäftigen wird, zumal die Nachtschutzzeiten regulär nur von 0 Uhr bis 5.30 Uhr reichen“, sagt der Fluglärm-Experte. Und einen ersten Besprechungspunkt hat sich Rainer Teschner-Steinhardt auch bereits vorgenommen: „Wir wollen erreichen, dass die Lärm-Evaluierung der Flugrouten coronabedingt auf zwei Jahre ausgedehnt wird“, sagt er.