Reinickendorf
Gewalt

„Jeder homophobe Angriff muss angezeigt werden“

Der Verein Regenbogen Reinickendorf spricht Opfern Mut zu, sich anzuvertrauen und jeden Übergriff auch bei der Polizei anzuzeigen.

Die Regenbogenfahne als Symbol der LSBTI-Menschen. Die Sexualität öffentlich zu zeigen, trauen sich viele aber nicht. Genauso, wie Angriffe anzuzeigen.

Die Regenbogenfahne als Symbol der LSBTI-Menschen. Die Sexualität öffentlich zu zeigen, trauen sich viele aber nicht. Genauso, wie Angriffe anzuzeigen.

Foto: Bernd Settnik / ZB

Reinickendorf. Als eine Transfrau Anfang März mit einem Metallrohr geschlagen und verletzt wurde, hat das für Aufsehen gesorgt. Nach Angaben von Maneo, dem schwulen Antigewaltprojekt in Berlin, gab es im Jahr 2019 acht solcher Vorfälle gegen Homo- und Transphobie, Tendenz steigend. Der Verein Regenbogen Reinickendorf hat daher eingeladen, um das Thema in den Fokus zu rücken und vor allem zu sensibilisieren.

Auch wenn die Zahl von acht Taten auf das gesamte Jahr gering erscheinen mag: „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer wesentlich höher liegt“, sagt Bastian Finke, Leiter von Maneo. Rund 80-90 Prozent der Opfer würden die Vorfälle nicht melden, „dabei ist das so wichtig“. Denn nur so würde das Problem in den Vordergrund rücken. „Von zu vielen Menschen wird dieses Thema verharmlost, einige geben den Opfern sogar selbst die Schuld“, weiß Finke, „darunter leiden sehr viele Menschen“. Aus diesem Grund passen Opfer ihr Verhalten an, zeigen ihre sexuelle Neigung nicht in der Öffentlichkeit.

Viele Opfer vertrauen sich aus Angst niemandem an

Obwohl es einige Anlaufstellen wie Maneo, Regenbogen Reinickendorf, Polizei und Staatsanwaltschaft gibt, scheuen sich die Opfer dorthin zu gehen – aus Scham oder aus Angst, nicht ernst genommen zu werden. „Während der Ausbildung bei der Polizei werden die Anwärter geschult, bei den Straftaten auch zu schauen, ob es ein homophober Angriff war“, sagt Polizeihauptkommissar Apel, der unter anderem für den Bereich LSBTI (Lesben, Schwule, bi-, trans- und intersexuelle Menschen) zuständig ist. „Wir nehmen jeden, der zu uns kommt, ernst“, sagt Apel.

Die Angriffe werden zunehmen, vermutet auch der Vorsitzende des Vereins Regenbogen Reinickendorf, Andreas Otto. „Reinickendorf ist kein Bezirk der Glückseligen. Immer mehr Menschen ziehen hier raus, demnach wird es auch mehr Übergriffe geben.“ Auch, weil er mit seiner Kiezstube am Emstaler Platz in Tegel-Süd für mehr Sichtbarkeit sorgt. Das Thema Homo- und Transphobie müsse mehr in den Vordergrund gerückt und den Opfern mehr Mut zugesprochen werden, sich anzuvertrauen und auch Anzeige zu erstatten.

Eine Anlaufstelle in Reinickendorf ist der Verein Regenbogen Reinickendorf mit Sitz am Emstaler Platz in Tegel-Süd, Sprechstunde: Donnerstags 19-21 Uhr. Fragen können aber auch gerichtet werden an: info@regenbogen-reinickendorf.de