Reinickendorf
Sanierung

Eine Flut von Ideen für das Strandbad Tegel

Ein Veggie-Restaurant, Familienbereich statt FKK und barrierefrei: Wie das Strandbad Tegel einmal werden soll.

Blick in das Strandbad Tegel beim Tag der offenen Tür. Das Bad soll 2021 wieder öffnen.

Blick in das Strandbad Tegel beim Tag der offenen Tür. Das Bad soll 2021 wieder öffnen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. „Hui, das ist ja wie an der Ostsee“, sagt ein Besucher fröstelnd am Steg des Strandbades Tegel, als ihm eine Windböe durchs Haar fährt. Doch die Sonne strahlt warm am Tag der Deutschen Einheit, und so wagen sich trotz des kühlen Windes einige Mutige in Bikini und Badehose in die Fluten des Tegeler Sees. Zuletzt ging das hier im Strandbad vor vier Jahren. Nach der Badesaison 2016 wurde der Betrieb eingestellt. Im Mai 2021 soll es wiedereröffnen – bis dahin ist auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände aber noch viel zu tun.

Das öffentliche Interesse daran ist groß. Weshalb der neue Betreiber, der Verein Neue Nachbarschaft/Moabit, am Sonnabend einen Tag der offenen Tür anbot, der an diesem Sonntag weitergeht. Von 11 bis 18 Uhr ist das Strandbad bei freiem Eintritt geöffnet. „Wir wollten dem hohen Besichtigungsdruck nachkommen“, sagt ein Sprecher des Vereins. „Wir haben so viele Anfragen von Menschen erhalten, die neugierig sind, wie es im Innern des Bades im Moment so aussieht.“

Strandbad Tegel soll kein Spaßbad werden

Mit den Betreibern kann man sich beim Tag der offenen Tür über die neuen Pläne austauschen – oder einfach nur entspannt über den Steg spazieren und sich an den Sandstrand setzen. So wie Ingrid und Andreas Kloninger aus Heiligensee, die das Strandbad für seine Großzügigkeit lieben und sich wünschen, dass der familienfreundliche Charakter erhalten bleibt, „eingebettet in dieses wunderschöne Waldgebiet“, sagen sie. Seinen alten Charme soll das Bad auf jeden Fall behalten, sagt auch der Sprecher – und es soll weiterhin eher nordisch-normal als karibisch daherkommen. „Es soll kein Spaßbad werden“, betont er.

Lesen Sie auch: Strandbad Tegel will im Mai 2021 wieder öffnen

Für Jugendliche bis 16 Jahre, soviel steht schon fest, wird der Eintritt kostenlos sein. Die Fans der Freikörperkultur kommen dagegen zukünftig nicht mehr auf ihre Kosten: Der frühere FKK-Bereich wird ersetzt durch einen 150 Meter langen Ruhebereich, der speziell für Familien mit kleinen Kindern gedacht ist. Weitere Zahlen, Daten, Fakten sind bereits konkret. 700.000 Euro soll die Sanierung kosten – inklusive einer neuen Abwasseranlage, die über den Winter gebaut werden soll. Noch einmal 300.000 Euro kostet es, das Bad schick zu machen.

Restaurant soll das ganze Jahr über geöffnet haben

In diese Kategorie zählt etwa das Restaurant, das ganzjährig betrieben werden soll. Der syrische Wirt Mazen Alsawaf, der vor fünf Jahren aus Damaskus nach Deutschland kam, wird eine komplett vegetarische Küche anbieten. Momentan fällt das Gebäude mehr durch seine eingeworfenen Fensterscheiben auf. „Wir hatten viel Vandalismus auf dem Gelände“, bedauert Vereinsmitglied Marius Götz, der in den vergangenen Wochen schon einiges an Müll und Glasscherben vom Gelände geschafft hat.

Lesen Sie auch: Darum kann das Strandbad Tegel nicht sofort öffnen

Politisch ist der Wiederbetrieb des Strandbades durchaus gewollt, so bekam der Betreiber einen Pachtvertrag über 40 Jahre, um rentabel planen zu können – üblich sind eher zehn Jahre. Das Strandbad soll sich auch als Kulturzentrum mit Freilichtbühne und Veranstaltungen etablieren.

Viele weitere Ideen kamen am Sonnabend zusammen. Vor Ort schaute sich auch die Arbeitsgemeinschaft Selbstaktiv aus Reinickendorf um. Sie wünscht sich einen behindertengerechten Umbau. Die SPD-Bezirksverordnete Karin Hiller-Ewers nennt als Vorbild das Strandbad Bötzsee in Brandenburg mit seinen vielen barrierefreien Möglichkeiten. Wichtig sei ein Holzbohlensteg für Rollstuhlfahrer und eine behindertengerechte Toilette. Alle Bereiche des Bades sollten mit festen Wegen miteinander verbunden sein. Wünschenswert und für Berlin einzigartig wäre eine Liftanlage, die Rollstuhlfahrer ins Wasser hebt – oder auch ein Badesystem für Blinde. Was letztlich realisiert werden kann, ist noch unklar – alle Umbauten auf dem Gelände muss die Wasserschutzbehörde genehmigen.