Reinickendorf
Behörde

Mehr Angriffe auf Reinickendorfer Ordnungskräfte

Mitarbeiter des Ordnungsamtes werden immer öfter körperlich angegriffen. Selbstverteidigung und Schutzwesten sollen schützen.

Bei Einsätzen werden Mitarbeiter des Ordnungsamtes immer häufiger angegriffen.

Bei Einsätzen werden Mitarbeiter des Ordnungsamtes immer häufiger angegriffen.

Foto: Massimo Rodari

Reinickendorf. Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen immer damit rechnen, angepöbelt zu werden, sobald sie einen Hinweis auf falsches Parken an die Windschutzscheibe klemmen. Mittlerweile scheint es aber weit über verbale Attacken hinaus zu gehen, wie Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD) nun preisgibt.

Exemplarisch dafür stehen zwei Vorfälle allein in der vergangenen Woche: Am Kurt-Schumacher-Platz hätten nach Angaben des Ordnungsamtes zwei Mitarbeiter in ziviler Kleidung eine Frau auf ein ordnungswidriges Verhalten angesprochen. Der hinzukommende Lebensgefährte habe aber die Frau gegriffen und beide hätten versucht zu fliehen. Nach einigen Metern habe sich der flüchtende Mann plötzlich umgedreht und die Ordnungskräfte tätlich angegriffen, wodurch ein Mitarbeiter verletzt worden sei.

Bei einem zweiten Vorfall sei eine Frau in den Borsighallen auf ein Fehlverhalten angesprochen worden. Sie habe sich gegenüber den Mitarbeitern des Außendienstes äußerst aggressiv verhalten, heißt es. Die Frau habe ebenfalls versucht zu fliehen, wurde aber durch zwei Polizeibeamte daran gehindert. Die Situation sei dann durch das Verhalten der Frau eskaliert, sie habe die Personalienangabe verweigert und um sich geschlagen und getreten. Letztlich mussten ihr Handschellen angelegt werden.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit besseren Schutzwesten unterwegs

„Leider sehen wir ein solches Verhalten bei Kontrollen immer häufiger. Auch Unbeteiligte mischen sich oft in Maßnahmen ein und stören Amtshandlungen, ohne die Hintergründe für behördliches Eingreifen zu verstehen“, sagt Sebastian Maack. Er sei besorgt über die Respektlosigkeit, die seinen 43 Mitarbeitern des Allgemeinen Ordnungsdienstes entgegengebracht würde – und seit seinem Amtseintritt vor vier Jahren immer schlimmer wird, wie er sagt.

Deshalb hat er bereits gehandelt und bessere Schutzwesten angeschafft. „Die Vorgängermodelle waren sehr unbequem und haben die Mitarbeiter eingeschränkt. Besonders während der Autofahrt war es schwer, Luft zu bekommen. Das habe ich selbst getestet“, sagt Maack. Einige Mitarbeiter hätten deshalb auf das Tragen verzichtet. Nun tragen die Ordnungskräfte seit Anfang des Jahres auf die Körperform angepasste, so genannte ballistische Westen, die beim Gebrauch von Schuss- und Stichwaffen schützen.

Selbstverteidigungskurs für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes Reinickendorf

Damit es aber gar nicht so weit kommt, werden die Mitarbeiter intensiv geschult, damit sie schon im Vorfeld Gefahren erkennen und dementsprechend handeln können. „Sie lernen beispielsweise, wie sie sich einem Auto nähern, wenn noch jemand drinnen sitzt oder bei einem Einsatz so hinstellen, dass sie keine Tür vor den Kopf geschlagen bekommen können“, sagt der Ordnungsstadtrat.

Alle Mitarbeiter haben zudem die Möglichkeit, an einem Selbstverteidigungstraining teilzunehmen. „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen und alle Ordnungswidrigkeiten konsequent und ohne Rücksicht auf die Herkunft der Täter verfolgen. Ich steh hier voll und ganz hinter meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, betont Maack.