Reinickendorf
Strandbad Tegel

Strandbad Tegel will im Mai 2021 wieder öffnen

Das Strandbad Tegel hat einen neuen Betreiber. Bereits im Mai 2021 sollen die Türen geöffnet werden.

Berlin. Was viele vermutlich schon gar nicht mehr geglaubt haben, ist wahr geworden: Das Strandbad Tegel hat einen neuen Betreiber. Genauer gesagt wird eine Nachbarschaftsinitiative wieder für den Badebetrieb sorgen. Und die ist ambitioniert: Bereits im Mai 2021 sollen die Türen geöffnet werden.

Im Jahr 2016 war die Genehmigung für das Betreiben des Strandbades erloschen, seit dem verfallen die Gebäude. Kiezinitiativen wie „I love Tegel“ haben immer wieder Vorschläge gemacht, wie das Strandbad mit einfachen Mitteln betrieben werden kann, genützt hat es aber nichts. Als dann noch der Senat die Abwasserrohre 2018 mit Beton hat auffüllen lassen und die Berliner Forsten Parkplätze zurückgebaut haben, dürfte sämtliche Hoffnung bei vielen erloschen sein.

Der neue Betreiber – die Initiative Nachbarschaft/Moabit e.V. – lässt sich davon scheinbar nicht unterkriegen. Denn der gemeinnützige Verein hat sich gegen die Konkurrenten durchgesetzt und die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die im Auftrag der Berliner Bäder-Betriebe einen neuen Betreiber gesucht hat, mit ihrem Konzept überzeugt. Und das ist anders, als es vielleicht für ein Strandbad üblich ist. „Strandbad Tegelsee – Zentrum für Erholung und Kultur“ lautet das Motto, das eben mehr verspricht als den reinen Badespaß. „Wir möchten eine Strand-Bibliothek mit Lesungen anbieten sowie Sportangebote für Kinder und Jugendliche“, verrät Marina Naprushkina von der Nachbarschaftsinitiative. Kostenfreie Schwimmkurse sind geplant und auch eine Kooperation mit umliegenden Schulen.

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Strandbad Tegel: Neuer Pächter plant rein vegetarisches Restaurant

Aber nicht nur das: Auch auf die Ernährung im rein vegetarischen Restaurant wird geachtet, das ganzjährig betrieben werden soll. „Wir lassen nicht einfach das Fleisch weg“, sagt Naprushkina, „wir wollen mit Phantasie und frischen Produkten auch einen gesundheitlichen Akzent setzen.“ In erster Linie soll die Gemeinnützigkeit im Vordergrund stehen, „wir werden kein teures Spaßbad sein“, sagt Marina Naprushkina. Daher ist der Eintritt für Kinder und Jugendliche frei. Aber auch für Erwachsene sollen die Preise erschwinglich sein. Es gibt zwar ein Konzept, doch das sieht in erster Linie die Entwicklung mit der Nachbarschaft und Interessenten vor. Jeder kann seine Ideen einbringen, um das Angebot im Strandbad zu gestalten. Ein erstes Treffen ist für September anvisiert.

Vielleicht hat dann jemand auch eine Idee, wie die Badegäste am besten zum Strandbad kommen. Der Betreiber hat zwar eine Idee, doch bevor nichts fix ist, wolle man sich dazu noch nicht äußern, heißt es. Das Problem besteht nämlich darin, dass das Strandbad Tegel zwar schön gelegen ist, bis vor die Tür aber leider kein Bus fährt, Parkplätze sind auch rar. Und wer sein Auto an den Wegesrand stellt, muss damit rechnen, abgeschleppt zu werden, zumindest weist ein Schild zu Beginn des Trinkwasserschutzgebietes darauf hin. Und zu Fuß ist es von der nächstgelegenen Bushaltestelle locker ein Kilometer – bei Hitze mit Gepäck und Kindern ein Kraftakt.

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Knapp eine Million Euro müssen in das Strandbad Tegel investiert werden

Um das Konzept umsetzen zu können, muss viel Geld investiert werden. Denn der Austausch der Abwasserrohre, die aufgrund des Trinkwasserschutzgebietes doppelwandig sein müssen, ist nicht das einzige, das der neue Betreiber beachten muss. „Es darf nicht neu gebaut werden“, sagt Johanna Steinke von der BIM. Und auch große Veranstaltungen seien nicht erlaubt. Doch wie das so ist mit einem gemeinnützigen Verein, kann dieser die Kosten nicht aus eigener Tasche zahlen. Die Berliner Familie Jil Bentley und Klaus Kögler unterstützen die Initiative – gemeinsam haben sie die Strandbad Tegelsee gGmbH gegründet. Nach Schätzungen eines Tüv-Gutachtens müssen im Laufe der Jahre knapp 700.000 Euro investiert werden – diese beziehen sich aber auf die kommenden zehn Jahre. „Allerdings sind darin nur die notwendigsten Arbeiten vermerkt. Um das Strandbad wirklich attraktiv zu machen, müssen wir nochmal 300.000 Euro investieren“, schätzt Marina Naprushkina. Damit sich diese Investitionen rentieren, wurde zwischen Betreiber und den Berliner Bäder-Betrieben ein Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 40 Jahren unterschrieben.

„Für die Berlinerinnen und Berliner, aber vor allem für die Menschen aus Reinickendorf, ist es ein gutes Signal, dass der öffentliche und überwachte Badebetrieb im Strandbad Tegel endlich wiederaufgenommen werden kann“, sagt Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki und ergänzt: „Das Gelände wird wiederbelebt. Mit der Reaktivierung wird der langgehegte Wunsch erfüllt, dass Tegel sein Strandbad endlich wiederbekommt und der Badespaß hoffentlich im kommenden Jahr starten kann.“ Auch Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) freut sich, „wenn es endlich Hoffnung für das Strandbad Tegel gibt. Das Bezirksamt hat jahrelang gefordert und alle Forderungen unterstützt, das Strandbad wiederzueröffnen. Wir hoffen, dass der neue Betreiber die nötige Kompetenz mitbringt, um dem Bad eine dauerhafte Perspektive zu geben.“

Der Badebetrieb soll, so der jetzige Stand, im Mai 2021 starten und mindestens bis Ende August möglich sein. Allerdings unter der Voraussetzung, dass alle noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen bis dahin erteilt worden sind und auch die Witterung die Erdarbeiten nicht behindert. „Wir sind bereits mit einer Baufirma für die Verlegung der doppelwandigen Rohre im Gespräch, die schon öfter in Naturschutzgebieten gearbeitet hat und sich mit den Vorgaben auskennt“, versichert Marina Naprushkina. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beginnen.