Reinickendorf
Schule

Neue Grundschule für Reinickendorf-Ost könnte doch kommen

Das Landesdenkmalamt hat wegen des UNESCO-Welterbes „Weiße Stadt“ den Bau nicht genehmigt. Bezirk und Senat starten neuen Versuch.

Das Tor zur „Weißen Stadt“. Wegen des UNESCO-Welterbes konnte eine Grundschule vom Landesdenkmalamt noch nicht genehmigt werden.

Das Tor zur „Weißen Stadt“. Wegen des UNESCO-Welterbes konnte eine Grundschule vom Landesdenkmalamt noch nicht genehmigt werden.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Reinickendorf. Wie wichtig eine neue Grundschule in Reinickendorf-Ost ist, belegen die Zahlen der Schüler, denn diese stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Dort einen Standort zu finden, ist schwer. Ausgerecht der einzig in Frage kommende liegt im Bereich des UNESCO-Welterbes „Weiße Stadt“, weshalb sich das Landesdenkmalamt zunächst gegen den Bau ausgesprochen hatte. Jetzt wird ein neuer Versuch gestartet, die Schule zu bauen.

Im Schuljahr 2017/18 waren es 13.106 Schüler und im Schuljahr 2018/19 13.265 Schüler – im Hinblick auf die wachsende Stadt wird diese Zahl weiter steigen. Der Bezirk hat daher bereits vor sieben Jahren den Bau einer Grundschule beantragt. Lange gab es kein Ergebnis, Anfang dieses Jahres verkündete der zuständige Schulstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) in der Bezirksverordnetenversammlung, dass der einst geplante Modularbau nach Angaben des Landesdenkmalamtes so nicht genehmigt werden kann.

Bezirk Reinickendorf reicht Antrag für Holzmodul-Schulbau ein

Jetzt startete der Bezirk einen neuen Versuch und reichte einen Antrag bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf die Errichtung eines Holzmodul-Schulbaus ein. Mit der Holzmodulbauweise sei es möglich, die dringend benötigte neue Grundschule am Standort Aroser Allee/Thurgauer Straße termingerecht zum Schuljahr 2022/23 fertigzustellen. Die Planungs- und die Bauzeit würde zusammen nur 9 bis 12 Monate betragen.

Zudem handelt es sich bei dem Baumaterial um schnellnachwachsendes Holz. Der Einsatz von einem Kubikmeter Holz bei einer Baumaßnahme bindet rund eine Tonne CO₂ über die gesamte Nutzungsdauer eines Holzprodukts. Eine Schule für 1000 Schülerinnen und Schüler mit einem Einsatz von bis zu 750 Kubikmeter Holz spart dementsprechend 750 Tonnen CO₂ ein.

Vorausgegangen sind dieser angestrebten Lösung intensive Gespräche mit dem Schulbaukoordinator des Berliner Senats, Wilfried Nünthel. Ergebnis der Beratungen war, dass Reinickendorf eine von zehn Holzmodulbau-Schulen, die der Stadt Berlin momentan zur Verfügung stehen, bekommen könnte. „Diese Grundschulplätze zu schaffen hat absolute Priorität. Weitere Verzögerungen, wie es sie in der Vergangenheit von Senatsseite gegeben hat, können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Dollase.

Task-Force-Schulbau will die Schule dort errichten

Um alles in die Wege zu leiten, hat sich die „Task-Force-Schulbau“ des Senats unter der Leitung der Staatssekretärin Beate Stoffers getroffen. Das Ergebnis: Weil eine Schule dort sehr wichtig ist, muss eine schnelle Lösung her. Nach Angaben der Staatssekretärin müsse beides möglich sein – eine Schule und der Erhalt des UNESCO-Welterbes. Denn diese Auszeichnung würde entzogen werden, wenn das Denkmal beziehungsweise die Sichtachse beeinträchtigt würde. Und das möchte auch niemand.

Demnach wird die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im nächsten Schritt ein reduziertes Raumprogramm prüfen nach dem Konzept eines Lern- und Teamhauses. Das bedeutet, dass nicht die Unterrichtsräume von einem sonst ungenutzten Flur abgehen, sondern transparente und offene Strukturen geschaffen werden – alle Flächen sollen genutzt werden und somit als Treffpunkte dienen. Die Holzmodulbauweise ermöglicht eine flexible Fassadengestaltung, welche an das Denkmal angepasst werden könnte.

Aber: Auch bei dieser Planung würde die Fläche außerhalb des Gebäudes in die Sichtachse fallen. Denn an die Fläche des angrenzenden städtischen Sportplatzes möchte die Task-Force-Schulbau nicht gehen – es bleibt also nur eine bestimmte Fläche für die Grundschule. Jetzt hängt es am Landesdenkmalamt, ob es eine Grundschule an dieser Stelle in Reinickendorf-Ost geben wird oder nicht.