Reinickendorf
Coronavirus

Corona: Kita und Reitverein in Reinickendorf geschlossen

Aufgrund des Coronavirus werden Einrichtungen geschlossen und auch Veranstaltungen abgesagt. Der Amtsarzt befürwortet das Vorgehen.

Das Rathaus Reinickendorf hat eine Corona-Hotline für Betroffene in der Kita Waldräuber eingerichtet.

Das Rathaus Reinickendorf hat eine Corona-Hotline für Betroffene in der Kita Waldräuber eingerichtet.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Es gibt kaum ein Thema, das die Menschen derzeit so bewegt wie der Coronavirus. Und auch in Reinickendorf gibt es mittlerweile gemeldete Fälle. So sind die Kita Waldräuber in Tegel-Süd sowie der Reit- und Fahrverein Diakoniezentrum Heiligensee geschlossen. Kultureinrichtungen haben Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Die Türen der Kita Waldräuber bleiben vorerst bis zum 18. März geschlossen, das teilte die Einrichtung auf ihrer Homepage mit. Bei einem Kind sei am 10. März das Coronavirus nachgewiesen worden, hieß es auf der Internetseite des Gesundheitsamtes Reinickendorf.

„Es ist davon auszugehen, dass das Kind in der Kita ansteckend gewesen ist. Zusätzlich besteht bei einer Erzieherin ein dringender Verdacht, dass sie zu dem Zeitpunkt ebenfalls das Virus ausgeschieden hat“, so das Gesundheitsamt.

Weiter gibt das Amt folgende Ratschläge: So sollen alle betroffenen Familien vorerst zu Hause bleiben; Kitakinder und Erzieher/innen werden unter Quarantäne gestellt; alle Personen aus der Kita sollten den Kontakt zu älteren Menschen mit Vorerkrankungen soweit als möglich meiden.

Gesundheitsamt hat Liste mit wichtigen Infos im Hinblick auf Corona erstellt

Das Bezirksamt hat eine Corona-Hotline für Betroffene in der Kita Waldräuber eingerichtet, die von 8 bis 16 Uhr unter (030) 90294 5500 erreichbar ist. „Da uns eine Vielzahl von Anrufen erreicht, bitten wir dringend vor einem Anruf zu prüfen, ob die Frage bereits in den Hinweisen beantwortet wird“, sagt das Gesundheitsamt. Die wichtigsten Hinweise sind auf der Seite des Gesundheitsamtes aufgelistet.

Der Reit- und Fahrverein Diakoniezentrum Heiligensee hat den Betrieb vorerst bis zum 22. März eingestellt. „In unserem Reitverein wurden zwei Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Sie sind bereits zuhause isoliert, alle Kontaktpersonen sind informiert“, heißt es. Zwar stufe das Gesundheitsamt das Gelände des Reitvereins als unbedenklich ein, da der Kontakt meist draußen stattfinde und die Gefahr einer Ansteckung dadurch gemindert würde, dennoch haben die Verantwortlichen des Vereins diese Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Versorgung der Tiere sei gesichert, hieß es.

Bezirksverordnetenversammlung und Ausschüsse in Reinickendorf wurden abgesagt

Auch das Bezirksamt Reinickendorf trifft Vorkehrungen: Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), die am Mittwoch (11. März) hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Das verkündete die Vorsteherin Kerstin Köppen – die SPD-Fraktion hatte im Vorfeld kurzfristig den Ältestenrat der BVV einberufen lassen, um die Sachlage zu erörtern; die Entscheidung gegen die Sitzung wurde schnell getroffen. Ebenso wurden alle Ausschüsse in dieser und in der kommenden Woche abgesagt, so lange diese nicht in großen Räumen wie dem BVV-Saal stattfinden können. Zu hoch sei das Risiko einer Ansteckung.

Grund für diese Entscheidung waren zu viele Besucher, die an der BVV teilnehmen wollten. Sie alle wollten die Entscheidung über Aufstellung von Pollern im Waldseeviertel live miterleben – es soll auf der Grenze zwischen Glienicke auf Brandenburger Seite und Hermsdorf in Reinickendorf eine Sperre errichtet werden, damit Pendler aus dem Umland nicht mehr durch die Schildower Straße fahren, sondern die Hauptstraße B96

nutzen. Die Anwesenden waren enttäuscht, dass wieder keine Entscheidung getroffen wurde. Auf diese werden die Betroffenen nun weitere Wochen warten müssen.

Veranstaltungen in Waidmannslust und Lübars finden nicht statt

Bis Ostern fallen alle öffentlichen Veranstaltungen im Labsaal aus. Norbert Heners-Martin und Gudrun Janke vom Vorstand wollen damit einen kleinen Beitrag zur Risikominderung beziehungsweise zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus leisten. „Wenn möglich werden wir die geplanten Veranstaltungen nachholen. Die bereits erworbenen Tickets werden zurückerstattet“, heißt es. Und auch in Waidmannslust sind die anstehenden Konzerte abgesagt.

Das betrifft das Konzert für Cello und Klavier (13. März), den Irischen Abend zum St. Patrick’s Day (14. März) und den Balladen- und Folklore-Abend mit den I Felici (22. März). „Diese Veranstaltungen werden in jedem Fall zu einem späteren Zeitpunkt, sobald es eine Entwarnung für den Corona-Alarm gibt, nachgeholt“, sagt Wolfgang Nieschalk vom Förderverein der Königin-Luise-Kirche.

Amtsärzte fordern alle Veranstaltungen abzusagen

Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid begrüßt derartige Entscheidungen. Gemeinsam mit den Amtsärzten aus allen Bezirken hat er einen Brief an die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung verfasst: „Alle Amtsärzte/-ärztinnen halten es aus infektionsepidemiologischer Sicht für unerlässlich, dass alle Veranstaltungen mit einem höheren Risiko für Infektionsübertragungen, insbesondere Sportveranstaltungen sowie kulturelle Veranstaltungen (incl. Clubs), ab sofort nicht mehr stattfinden dürfen.“

Dass alle Veranstaltungen ab 1000 Menschen abgesagt werden sollen, sei eher als ein Symbol zu sehen. „Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, was passieren kann, wenn mehrere Menschen zusammenkommen. Es kann sein, dass eine Veranstaltung mit 5000 Menschen keine Folgen hat, dafür aber eine mit 50“, mahnt Larscheid. Die Amtsärzte seien für die Berliner Bevölkerung verantwortlich. Und sie möchten nicht, dass bald jeder betroffen ist.

Deshalb rät er auch, dass bis auf Weiteres möglichst der Besucherverkehr in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen komplett eingestellt werden sollte. Das Gesundheitsamt will zurzeit keine Besuche verbieten, appelliert aber dringend, dass möglichst keine mehr stattfinden. Denn die dort betreuten Menschen seien aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation besonders von Infektionskrankheiten gefährdet und müssten besonders vor einer Ansteckung geschützt werden.