Reinickendorf
Straßensperrung

Initiative will „neue Mauer“ im Waldseeviertel verhindern

Einige Anwohner fordern die Sperrung der Durchgangsstraßen zwischen Reinickendorf und Glienicke. Nun gibt es Widerstand.

Hier, an der Landesgrenze, könnte die Straße bald gesperrt werden. Einzig die B96 dient dann noch als Verbindung zwischen Reinickendorf und Glienicke.

Hier, an der Landesgrenze, könnte die Straße bald gesperrt werden. Einzig die B96 dient dann noch als Verbindung zwischen Reinickendorf und Glienicke.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. In den Morgen- und Abendstunden, wenn die Menschen zwischen Berlin und Glienicke pendeln, ist die Schildower Straße in Hermsdorf voll. Die Bürgerinitiative „Stoppt den Durchgangsverkehr“ will das mit Straßensperren untersagen, in der Bezirksverordnetenversammlung wird darüber bereits beraten, ob diese nicht probeweise aufgestellt werden können, um zu sehen, wie sich der Verkehrsfluss danach entwickelt. Nun hat sich eine neue Bürgerinitiative formiert, die genau das verhindern will. Beide Lager wollen alles versuchen, um ihr Vorhaben durchzusetzen.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass genau an der Stelle, an der vor 30 Jahren die Mauer gefallen ist, diese wieder aufgebaut wird“, sagt Anwohner Knuth Dohse, „und eine zusammengewachsene Nachbarschaft zwischen Hermsdorf und Glienicke wieder getrennt wird.“ Er versteht, dass die Menschen an der Schildower Straße unter dem Verkehr leiden, „aber das war schon so, als ich 1999 hier nach Hermsdorf gezogen bin.“

Dohse merkt selbst, dass der Verkehr im Laufe der Jahre zugenommen habe, aber viele Pendler hätten schon vor 20 Jahren die Verbindungsstraßen zwischen Glienicke und Reinickendorf genutzt – auf Berliner Seite die Schildower Straße, die in Glienicke zur Alten Schildower Straße wird, und die Elsestraße, die in Glienicke in die Lessingstraße übergeht.

Viele Anwohner unterstützen neue Initiative „Offene Nachbarschaft“

„Und trotzdem haben sich Menschen direkt an der Schildower Straße Häuser gekauft, heute beschweren sie sich.“ Es sei von der Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) bereits viel umgesetzt worden, um den Verkehr zu beruhigen, etwa eine Tempo-30-Zone oder Straßenverengungen – „die haben die Situation nach meiner Ansicht nur verschlimmert“, sagt Dohse. Er beobachtet, dass Autofahrer extra schnell fahren, um an der nächsten Schikane, wie er es nennt, vorbeizukommen, bevor der Gegenverkehr diesen ausbremst.

Gemeinsam mit weiteren Anwohnern aus Reinickendorf und Glienicke hat Knuth Dohse die Bürgerinitiative „Offene Nachbarschaft“ gegründet. „Um die Straßensperre zu verhindern, aber auch, um die Menschen hier vor Ort wachzurütteln“, sagt er. Viele wüssten nicht, dass die direkte Verbindung beider Orte gekappt

werden könnte. „Diejenigen, denen ich das erzähle, fallen aus allen Wolken.“

Mittlerweile würden die neue Initiative und ihr Vorhaben bereits viele Anwohner auf beiden Seiten mit einer Unterschrift unterstützen. „Zwar sollen wir dann noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Sperre fahren können. Einen Einkauf können wir so aber nicht nach Hause bringen“, ahnt Dohse, der nahezu täglich nach Glienicke fährt. „Zum einen, weil es hier nichts gibt wie einen Supermarkt. Zum anderen, weil dort Familie lebt und auch Angehörige auf dem Friedhof begraben sind.“ Viele Berliner führen in Glienicke auch zu Ärzten und Schulen.

Straßensperrung verursacht großen Umweg für Anwohner

Wie Knuth Dohse vermuten viele, dass es zu einem völligen Verkehrschaos kommt, wenn nur noch die B96 befahren werden kann. Denn nicht nur die Pendler müssen diese Straße nutzen, sondern auch die direkten Anwohner des Waldseeviertels, um eben ihre Einkäufe zu tätigen. „Anstatt 200 Meter müsste ich dann einige Kilometer Umweg fahren. Ganz zu schweigen von der Zeit, die dabei verloren geht.“

Deshalb haben sich Reinickendorfer und Glienicker zusammengetan und Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) und Verkehrsstadträtin Katrin Schultze-Berndt einen Brief geschrieben, etwas zu tun, damit die Sperrung in der anstehenden Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 11. März nicht beschlossen wird. Im Februar wurde die temporäre Schließung nämlich einstimmig im Verkehrsausschuss beschlossen.

Da es seit vielen Jahren dort in Hermsdorf das Verkehrsproblem gibt, wird im Bezirksamt Reinickendorf darüber nachgedacht, stadteinwärts zwischen 6 und 9 Uhr morgens und stadtauswärts zwischen 15 und 18 Uhr eine Durchfahrt der Straßen an der Landesgrenze – Schildower Straße und Elsestraße – zu untersagen. Aber das müsse laut Katrin Schultze-Berndt überwacht werden. Die Frage sei auch, wohin sich der Verkehr dann verlagere – man schiebe das Problem von einer Seite zur anderen, heißt: die Anwohner in der Schildower Straße hätten Ruhe, dafür leiden dann die Anwohner beispielsweise in der Olafstraße. Schultze-Berndt möchte daher ein Gutachten in Auftrag geben, das genau diese vermutlichen Verkehrsströme prüfen soll, um dann weitere Maßnahmen zu überlegen. Von einer dauerhaften Sperrung hält sie nichts.

Brandenburger Gemeinden beraten über Alternativen zur Straßensperrung

Auch der Bürgermeister von Glienicke, Hans-Günther Oberlack (FDP), möchte keine erneute Teilung von Glienicke und Reinickendorf. Er macht sich mit Politikern auf Glienicker Seite Gedanken über Alternativen – der Ausbau von öffentlichem Nahverkehr oder Kiezbusse, die die S-Bahnhöfe anfahren, wären welche. Es wurde auch ein runder Tisch der Brandenburger Gemeinden Schildow, Mühlenbeck und Wandlitz einberufen, um Punkte wie „Park and Ride“ zu besprechen.