Reinickendorf
Hilfsaktion

Große Hilfsbereitschaft bei Feier für Obdachlose

Kleidung, medizinische Versorgung, eine neue Frisur und etwas zum Essen gab es für die Obdachlosen am Franz-Neumann-Platz.

Norbert Raeder hat in seiner Gaststätte Kastanienwäldchen eine Feier für Obdachlose veranstaltet. Dort konnten sich die Gäste aus 15.000 Kleiderspenden etwas aussuchen.

Norbert Raeder hat in seiner Gaststätte Kastanienwäldchen eine Feier für Obdachlose veranstaltet. Dort konnten sich die Gäste aus 15.000 Kleiderspenden etwas aussuchen.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Der Abend wird allen Gästen wohl noch lange in sehr guter Erinnerung bleiben: Norbert Raeder hat alle obdachlosen und hilfebedürftigen Menschen in seine Gaststätte „Kastanienwäldchen“ eingeladen. Mit vor Ort waren unter anderem Friseure, Krankenschwestern, das Technische Hilfswerk und Mitarbeiter der Sucht- und Lebenshilfe Teen Challenge.

„Es ist so toll, was hier auf die Beine gestellt wurde. Das sind wirklich kleine Engel“, sagte Justin Köhler, „und so selbstlos“. Lange hat er sich auf den Abend gefreut. Auch, weil es etwas warmes zum Essen gebe, viele nette Menschen einen beheizten Unterschlupf für wenige Stunden. Denn Justin Köhler lebt auf der Straße, muss oft frieren, wenn er keine geeignete Unterkunft findet. Auch wieder mit neuen Menschen ins

Gespräch kommen, darauf freute er sich, sagte er. „Vielleicht kann mir hier ja auch jemand helfen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen.“

Friseure sorgen dafür, dass sich Obdachlose auch optisch wieder wohlfühlen

Das können in der Tat viele der Anwesenden. Doch neben Gesprächen bei Bratwurst und Eintopf, wurden die Gäste draußen an der Residenzstraße in einem Krankentransport medizinisch versorgt.

Drinnen gab es ein kleines Wellness-Programm – Friseure sorgten dafür, dass sich die Obdachlosen auch optisch wieder wohlfühlen. „Wir schneiden die Spitzen und bringen wieder einen Schnitt rein“, sagte Celal Özcelik, der mit seiner Mitarbeiterin Aysun Firat vor Ort half.

Er sei ein alter Freund von Norbert Raeder, sagte er, und von Anfang an dabei. „Das findet nun zum dritten Mal statt. Wenn Norbert mich fragt, helfe ich sofort.“ Auch wenn es eine Herausforderung sei, in der Woche am frühen Abend anwesend zu sein, da er selbst noch seinen Salon führen müsse. Auch Sabrina Walter hat sofort zugesagt: „Es ist zwar anstrengend nach einem zehn-stündigen Arbeitstag. Aber wenn ich die glücklichen Gesichter sehe, weiß ich, dass es sich lohnt“, sagte die Friseurin. Und davon gibt es an diesem Abend jede Menge.

Gäste unterstützen sich gegenseitig

Die Gäste sind aus völlig verschiedenen Beweggründen Norbert Raeders Einladung gefolgt. Nicht nur bedürftige Menschen und Helfer sind an dem Abend da. Auch Jakob Wirz wollte es sich nicht nehmen

lassen, vorbeizuschauen. „Ich weiß genau, wie es vielen hier geht. Ich war zehn Jahre lang von etlichen Drogen abhängig. Dank meiner Familie habe ich es aber geschafft und vor kurzem eine Ausbildung zum Krankenpfleger abgeschlossen“, sagte er stolz. Nun möchte er denjenigen helfen, die keinen familiären Rückhalt mehr haben, ihnen Mut zusprechen und zur Seite stehen.

Auch Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) und die Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, Kerstin Köppen (CDU), waren da, um von den Betroffenen selbst zu erfahren, wo noch Hilfe benötigt wird und was der Bezirk in Zukunft unternehmen kann.

15.000 Kleiderspenden werden an Obdachlose verteilt

Norbert Raeder ist mittlerweile über die Grenzen Reinickendorfs bekannt für seine soziale Ader und für das, was er für ältere und obdachlose Menschen macht – so ganz nach dem Motto: Nicht nur reden, sondern machen. Vor 20 Jahren hat er die erste Weihnachtsfeier für all diejenigen veranstaltet, die niemanden mehr haben. Bei den Obdachlosen am Franz-Neumann-Platz ist die Feier ein fester Bestandteil. So wie mittlerweile diese Veranstaltung am Anfang des Jahres, bei der er von vielen Reinickendorfern unterstützt wird. Der Erfolg gibt ihm Recht: „Wir haben 15.000 Kleiderspenden bekommen, das ist großartig“, sagte Raeder. Jeder, der an dem Abend in der Gaststätte war, konnte sich warme Kleidung mitnehmen.

Wirklich ein rundum gelungener Abend für Gäste und Veranstalter. Bis 23 Uhr wurde gemeinsam gegessen, gesungen, getanzt und viel gelacht. Eine Feier, bei der jeder seine Sorgen für einen Moment vergessen konnte.