Reinickendorf
Waldsee

Pendler-Abkürzung ins Umland könnte gesperrt werden

Anwohner des Waldseeviertels fordern eine Sperrung der Schildower Straße, damit Pendler aus Brandenburg fernbleiben.

An dieser Stelle auf der Schildower Straße könnten in naher Zukunft Modalfilter stehen in Form von Blumenkübeln stehen.

An dieser Stelle auf der Schildower Straße könnten in naher Zukunft Modalfilter stehen in Form von Blumenkübeln stehen.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Im Waldseeviertel in Hermsdorf will einfach keine Ruhe einkehren. Seit 20 Jahren fordern Anwohner Maßnahmen, damit weniger Verkehr über die Landesgrenze durch ihre Siedlung rollt. Nach einer Verkehrszählung der Bürgerinitiative fahren mittlerweile sogar noch mehr Fahrzeuge durch die Schildower Straße – die „Hauptstraße“ in dem Wohngebiet. Jetzt haben sich noch einmal die Verantwortlichen des Bezirks im Verkehrsausschuss zusammengesetzt. Und es scheint so, als wenn es in naher Zukunft eine Lösung geben wird.

Wie wichtig das Thema ist, zeigt die Zahl der Anwesenden. Rund 60 Anwohner wollten sich anhören, was Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU), die Fraktionen und der Bürgermeister von Glienicke, Hans-Günther Oberlack (FDP), zu sagen haben. Denn eines ist allen Beteiligten mittlerweile klar: Es kann nur eine gemeinsame Lösung zwischen Reinickendorf und Glienicke geben.

Reinickendorf hat bereits viele Maßnahmen im Waldseeviertel umgesetzt

Detailliert hat Schultze-Berndt den Anwesenden dargelegt, was sie seit ihrem Amtseintritt aus Baustadträtin alles umgesetzt hat. Unter anderem wurde eine Tempo-30-Zone im gesamten Viertel eingerichtet und durch zusätzliche Piktogramme auf den Straßen kenntlich gemacht. Fahrbahnen wurden optisch durch Markierungen, aber auch durch Blumenkübel verschmälert – so sollen die Autofahrer zum langsameren Fahren gezwungen werden.

Das scheint auch wichtig: Nach drei Geschwindigkeitsmessungen der Polizei im Februar, März und Dezember 2018 und Februar 2019 waren 98 Prozent der Teilnehmer zu schnell, die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 45 km/h. Eine geplante Messung im Dezember 2019 wurde nach Angaben Schultze-Berndts abgesagt.

Änderung der Ampelwelle wird untersucht

Weiter wurden Maßnahmen geprüft wie eine „Anlieger frei“-Straße. Da sei aber das Problem, dass das

niemand kontrollieren könne, sagt Schultze-Berndt. Auch die Idee einer Einbahnstraße wurde wieder verworfen, da so wieder schneller gefahren würde. Derzeit prüft der Bezirk Standorte für sogenannte Dialogdisplays, die anzeigen, ob man zu schnell fährt. Das Ziel ist es aber, den Verkehr aus dem Waldseeviertel rauszuhalten und auf die B96 zu bringen – doch da staut sich der Verkehr in den Morgen- und Abendstunden ebenfalls. Deshalb wurde die Kreuzung Hermsdorfer Damm B96 ausgebaut. Momentan wird eine Änderung der Ampelwelle untersucht.

Gutachten soll Klarheit über Verkehrsstrom geben

Da es seit vielen Jahren dort in Hermsdorf das Verkehrsproblem gibt, wird ebenfalls darüber nachgedacht, stadteinwärts zwischen 6 und 9 Uhr morgens und stadtauswärts zwischen 15 und 18 Uhr eine Durchfahrt der Straßen an der Landesgrenze – Schildower Straße und Elsestraße – zu untersagen. Aber auch das müsse laut Schultze-Berndt überwacht werden. „Doch wohin verlagert sich der Verkehr dann? Die Anwohner in der Olafstraße ächzen auch schon“, sagt die Bezirksstadträtin.

Sie möchte daher ein Gutachten in Auftrag geben, das genau diese vermutlichen Verkehrsströme prüfen soll – die Kosten zwischen 50.000 und 100.000 Euro werden mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag durch den Lärmaktionsplan kofinanziert, über den Rest der Summe muss im Hauptausschuss abgestimmt werden.

Glienicke sucht mit Brandenburger Gemeinden nach Lösungen

Eine dauerhafte Lösung scheint nicht einfach zu sein. Hans-Günther Oberlack hat sich mit den Politikern auf Glienicker Seite auch schon viele Gedanken gemacht. Eine Straßensperrung ist für ihn aber keine Lösung. „Wir brauchen Alternativen“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf den öffentlichen Nahverkehr, der dringend gestärkt werden müsse. Seit April 2019 fährt ein Bus von Glienicke nach Frohnau zur S-Bahnstation. „Über die B96 kann dieser nicht geleitet werden, sonst steht er ja auch im Stau“, sagt Oberlack. Es müssten weitere Angebote wie Kiezbusse geschaffen werden.

Das Problem könnten aber nicht nur Reinickendorf und Glienicke lösen. „Die Pendler kommen auch aus

Schildow, Mühlenbeck und Wandlitz“, sagt der Bürgermeister. Daher wurde ein runder Tisch der Brandenburger Gemeinden einberufen, um Punkte wie „Park and Ride“ zu besprechen. Das würde interessant, wenn die Heidekrautbahn reaktiviert wird.

Politiker regen temporäre Schließung der Schildower Straße an

Für die Anwohner ist das alles nicht genug. „Es wurde zwar viel gemacht, aber gebracht hat es nichts“, sagt Anwohner Michael Ortmann und Sprecher der Bürgerinitiative, der mittlerweile zwei Verkehrsgutachten für das Waldseeviertel erstellt hat. Eine Schließung der Straße sei unumgänglich.

Linke, Grüne, FDP stehen auf der Seite der Anwohner, das belegt ein Antrag, in dem gefordert wird, dass „an den beiden Landesgrenzen z.B. durch das Aufstellen robuster Blumenkübel in der Mitte der Fahrbahn der motorisierte Verkehr unverzüglich für sechs Monate herausgefiltert werden soll, wobei rechts und links davon Durchgang für Fahrräder und Fußgänger bleibt“. Zusätzlich solle verhindert werden, dass Pkw widerrechtlich über den Gehweg fahren. Nach den sechs Monaten soll die Maßnahme evaluiert werden. Ziel von Anwohnern ist es, die Schildower Straße zu einer Fahrradstraße umzufunktionieren.

Ergebnis soll es im nächsten Verkehrsausschuss geben

Die CDU unterbreitet den Vorschlag eines Gutachtens, um die Verkehrsströme zu analysieren. Dafür sollen die Zufahrten in der Elsestraße und der Schildower Straße für vier Wochen geschlossen werden. Es soll zwei Messungen geben: Einmal während der aktuellen Verkehrsführung und während der Sperrung. Die AfD-Fraktion ist für die mildeste Variante und fordert ein Einfahrtsverbot, das durch ein Schild gekennzeichnet ist.

Obwohl sich die Anwohner ein Ergebnis gewünscht haben, so wurden sie erneut enttäuscht – eine Abstimmung der Anträge wurde vertagt, soll aber im nächsten Verkehrsausschuss erfolgen. Es sieht aber ganz so aus, als wenn Straßensperrungen installiert werden. Die Frage ist nur, wie lange.