Reinickendorf
Verkehr

Diskussion über das Waldseeviertel geht weiter

Anwohner und Fraktionen fordern die Schließung der Schildower Straße. Bezirk und Senat sind dagegen. Verkehrsausschuss sucht Lösungen.

Anwohner fordern schon seit langer Zeit eine Schließung der Schildower Straße  in Hermsdorf. Für Bezirk und Senat eine undenkbare Maßnahme.

Anwohner fordern schon seit langer Zeit eine Schließung der Schildower Straße in Hermsdorf. Für Bezirk und Senat eine undenkbare Maßnahme.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Täglich beobachten Anwohner des Waldseeviertels, wie unter der Woche jeden Morgen und jeden Abend eine Welle aus Autos durch die kleinen Straßen schwappt. In der Regel sind es Pendler aus Brandenburg. Nicht nur der Lärm sei unerträglich, sondern die Autofahrer auch eine große Gefahr. Denn Rücksicht werde nicht genommen, sagen Anwohner, die auch dem Bezirk vorwerfen, zu wenig zu tun. Denn merken würden sie keine Verbesserung. Dabei hat dieser schon allerhand Maßnahmen umgesetzt, um die gefährlichen Situationen zu mildern, aber auch eine Fahrt durch das Waldseeviertel unattraktiver zu machen. Das teilte Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) im Bauausschuss mit.

Der Bezirk hat das Waldseeviertel als Tempo-30-Zone ausgewiesen – diese Markierungen wurden auch auf den Straßen sichtbar gemacht. Die Anwohner belächelten diese Aktion, da die Beschilderung auf den

Straßen sehr klein ausgefallen ist. „Man muss anhalten und aus dem Auto aussteigen, um zu erkennen, was dort steht“, sagte Anwohner Michael Ortmann damals. Schultze-Berndt begründet diese Maßnahme damit, dass der Bezirk das Schild als Vorlage nehmen müsse, das auch am Straßenrand stünde. Die Markierung auf der Straße sei als Erinnerung zu sehen. „Ich empfinde diese Schilder auch als sehr klein. Aber wir haben dann geschaut, an welchen Stellen wir noch größere Schilder auf die Straße aufbringen können“, sagt die Baustadträtin.

Bezirk stellte verengte Straßen durch Blumenkübel

Darüber hinaus wurden die Fahrspuren auf dem Hermsdorfer Damm optisch verschmälert. Dadurch soll die Bereitschaft schneller zu fahren, abgemildert werden. Blumenkübel sollen diesen Effekt verstärken. Das Schild Tempo-30-Zone wurde bereits an die Landesgrenze zu Brandenburg dichter herangesetzt, damit Autofahrer eher darauf aufmerksam werden. Weiter wurde dort die Straße so verengt, dass nur ein Fahrzeug Platz hat. Es wurde eine Beruhigungsinsel installiert, damit nicht mehr kreuz und quer und mit überhöhter Geschwindigkeit an der Ecke Hermsdorfer Damm Schildower Straße abgebogen werden kann. Auf dem Grünstreifen, die einige Autofahrer als Abkürzung nutzten, wurden Bäume gepflanzt. Weitere Maßnahmen seien laut Schultze-Berndt schwierig, da auch noch der Bus 326 dort fährt und Ausweichsituationen gegeben sein müssten.

Es kam die Idee auf, ein Schild „Anlieger frei“ zu montieren, allerdings könne ein Verstoß derzeit niemand kontrollieren – und damit wäre diese Maßnahme sinnlos. Ebenfalls wurde diskutiert, ein

Einbahnstraßensystem anzulegen, so dass alle durch die Veltheimstraße, von Brandenburg aus kommend, geschickt werden, doch auch das lässt sich nach Angaben der Bezirksstadträtin wegen parkender Autos und dem Kiezbus nicht realisieren.

Fraktionen fordern eine temporäre Schließung

Die Fraktionen der Grünen, Linken und FDP fordern die radikalste Lösung: Sie haben einen Antrag gestellt, in dem sie für eine Dauer von sechs Monaten in der Schildower Straße und in der Elsestraße, jeweils am Ortsausgang, temporäre Modalfilter (also Durchfahrtssperren) fordern, die die Durchfahrt für motorisierte Verkehrsteilnehmer wirksam verhindern. Für die Anwohner wird diese Nachricht wohl erfreulich sein, forderten sie diese Maßnahme auch bereits. Für das Bezirksamt ist dieser Schritt, der dann eine Grenze symbolisiert, undenkbar. Unterstützung gibt es auch vom Senat. Denn auch der sieht Sperrungen von Straßen zwischen Berlin in Brandenburg grundsätzlich für kein geeignetes Instrument.

Im Verkehrsausschuss geht die Suche nach einer Lösung weiter

Fakt ist: Es kann nur eine Lösung geben, an der Reinickendorf und Glienicke gemeinsam arbeiten. Diese Diskussion geht beim Verkehrsausschuss am Donnerstag (9. Januar) ab 17 Uhr im Rathaus Reinickendorf, Eichborndamm 215, Raum 339 (Altbau) weiter. Neben der Stadträtin Katrin Schultze-Berndt ist auch der Bürgermeister Von Glienicke, Hans G. Oberlack, eingeladen sowie Anwohner. Die Sitzung ist öffentlich.