Reinickendorf
Portrait

„Wenn ich etwas kann, dann sind es Zigarren“

Hemmy Garcia betreibt einen Zigarrenladen in Frohnau. Dort verkauft er auch seine eigene Marke. Seine Kunden sind vielfältig.

Hemmy Garcia hat in seinem Geschäft zwischen 50 und 80 Zigarren-Sorten, die Liebhaber dort probieren können.

Hemmy Garcia hat in seinem Geschäft zwischen 50 und 80 Zigarren-Sorten, die Liebhaber dort probieren können.

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Reinickendorf. Wer eine Reise nach Kuba plant, für den stehen wahrscheinlich drei Dinge ganz oben auf der Liste: Salsa, Cuba Libre und Zigarren. Um das kubanische Flair genießen zu können, muss man aber gar nicht so lange reisen – bei Hemmy Garcia hat man an sechs Tagen die Woche die Möglichkeit, in geselliger Runde oder bei einem Fachgespräch das aus Tabakblättern gerollte Genussmittel zu probieren. Auch den landestypischen Rum bietet er an.

Wer den kleinen Laden in Frohnau an der Welfenallee namens „Hemmy’s“ betritt, der wird gleich freundlich empfangen. „Bei mir sind alle gleich. Wer sich für Zigarren interessiert, wird bei mir umfangreich beraten – wenn derjenige es möchte“, sagt Hemmy Garcia. Und von den Tabakwaren hat der Reinickendorfer mit kubanischen Wurzeln einige zu bieten. Peru, Nicaragua, Dominikanische Republik, Honduras und natürlich Kuba – in seinen Regalen liegt Ware aus den unterschiedlichsten Ländern. Zwischen 50 und 80 verschiedene Sorten sind es, schätzt der Inhaber. Bei durchschnittlich 20 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 68 Prozent sind die Zigarren hinter einer Glasscheibe in einem separaten Raum, „damit sie nicht austrocknen und an Geschmack verlieren“, erklärt Garcia.

Kubanisches Temperament und deutsche Gründlichkeit

Das Interesse von Hemmy Garcia kommt nicht von ungefähr. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines kubanischen Vaters lebte er bis zum ersten Lebensjahr in Havanna. Nach der Trennung der Eltern kehrte er mit seiner Mutter zurück nach Deutschland. Doch das Band zu Kuba ist nie abgerissen. „Ich spüre, dass da etwas in mir ist“, sagt Garcia, „in mir gibt es zwei Seiten: das kubanische Temperament und die deutsche Gründlichkeit.“ Die Leidenschaft zu Zigarren sei schon immer da gewesen. Wohl auch, weil sein Vater viele Jahre beruflich in der Zigarrenbranche tätig war. „In der Schule habe ich schon Referate über Rohtabak gehalten“, erinnert er sich.

Als 16-Jähriger hat er, wie viele in dem Alter auch, angefangen Zigarette zu rauchen. Doch Zigarren hätten diese schnell abgelöst – das ist bis heute geblieben. „Ich freue mich sogar jeden Tag aufs Neue, eine Zigarre zu rauchen“, sagt Hemmy Garcia. Er raucht bewusst und gönnt sich so einen Moment der Ruhe, „sonst wird man dem Produkt nicht gerecht“, findet er. Diese Leidenschaft spüren die Kunden. Bei ihm erfahren sie, wie das Produkt hergestellt wird und inwiefern sich der Tabak unterscheidet. Der 37-Jährige dreht sich um und zeigt auf seine Regale: „Jede Zigarre wird von Hand gedreht. Zudem kommt es auf die Wetterbedingungen an wie beispielsweise die Intensität der Sonnenstrahlung.“ Deshalb schmecke keine Zigarre exakt gleich, selbst wenn es dieselbe Marke ist. Und genau das mache das Produkt so spannend. In seinem Sortiment sind Zigarren zwischen vier und 50 Euro pro Stück.

Hemmy Garcia hat ein Jahr in einer Zigarren-Fabrik gearbeitet

Das Wissen hat er nicht etwa aus Büchern. „Ich habe ein Jahr lang in einer Zigarrenfabrik auf Kuba gearbeitet.“ Daher weiß er auch, dass die kubanischen Zigarren sehr gehaltvoll sind, „der Tabak gilt als der beste von allen“. Zigarren anderer Hersteller zu verkaufen reicht Hemmy Garcia aber nicht. 2018 hat er daher seine eigene Sorte kreiert. „Hemmy’s“, wie er sie genannt hat, ist eine Mischung aus den Tabakblättern Perus, Nicaraguas und der Dominikanischen Republik, produziert werden sie im letztgenannten Land. Das liegt daran, dass er als Deutscher seine Zigarren nicht auf Kuba produzieren darf – die Produktion ist dort verstaatlicht. Gedreht werden seine Produkte dennoch von Kubanern. „Es leben viele Exil-Kubaner in der Dominikanischen Republik“, sagt Garcia. Mehrere Monate hat er die für ihn passende Mischung probiert. „Wenn ich etwas kann, dann Zigarren.“

Zur Zigarre einen edeln Tropfen

Anfangs hat sich der 37-Jährige auf Zigarren fokussiert, mittlerweile bietet er ein Rundumprogramm mit den passenden Accessoires wie Aschenbecher, Feuerzeugen und Etuis. Rum und Whisky runden das Sortiment ab. Das Hauptaugenmerk liegt aber in der Verkostung der Zigarren. Und weil die mit einem edlen Tropfen noch besser schmecken, gibt es den meist als Begleitung. Dafür hat Hemmy Garcia einen eigenen Raum mit gutem Abzug, in dem jeden Tag Zigarren probiert werden, auch Zigarrenabende, an denen er mit seinen Stammkunden die neusten Produkte probiert, organisiert er regelmäßig. Anwesend sind aber nicht nur ältere Herren, „es sind auch einige Frauen dabei“.

Mit Blick in die Zukunft hat Hemmy Garcia einen Wunsch: „Am liebsten hätte ich einen Genusstempel mit einer kubanischen Piazza“, sagt er. Doch er befürchtet, dass das Rauchen in Deutschland immer mehr eingeschränkt wird. „In erster Linie möchte ich das Produkt weiterbringen und mit den altbackenen Klischees aufräumen, dass nur Männer mit Goldketten und dicken Bäuchen Zigarren rauchen“, sagt Garcia. Für junge Menschen, die bewusst rauchen möchten, seien Zigarren genauso geeignet.

Hemmy’s, Welfenallee 6, 13465 Berlin, Mo.–Fr. 12–22 Uhr, Sbd. 11–22 Uhr, mehr Infos auf www.hemmys.de