Reinickendorf
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Senat besucht Reinickendorf - Alle Augen auf Tegel

Der Senat schaut sich in Reinickendorf Konzepte und Probleme an. Ganz oben auf der Agenda: Die Nachnutzung des Flughafens Tegel.

Selfie am Flughafen: Michael Müller (SPD) setzt sich vor einer Regierungsmaschine in Szene.

Selfie am Flughafen: Michael Müller (SPD) setzt sich vor einer Regierungsmaschine in Szene.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. So etwas sieht man in Reinickendorf auch nicht alle Tage: Ein schwarzer Wagen mit verdunkelten Scheiben nach dem anderen fährt auf den Betriebshof des Rathauses. Hoher Besuch hat sich angekündigt: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat Konzepte und Problemlagen des Bezirks mit Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) und den Bezirksstadträten besprochen – mit dabei Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung Katrin Lompscher (Linke), Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und die Verkehrssenatorin Regine Günther (Grünen).

Für die Reinickendorfer die wichtigsten Punkte auf der Agenda: Die Nachnutzung des Flughafens Tegel und die Verlängerung der U-Bahnlinie 8 ins Märkische Viertel.

Damit man sich die Größe des Areals des Flughafens Tegel, das in absehbarer Zeit bebaut werden soll, vorstellen kann, geht es kurzerhand im Bus mit allen Beteiligten nach einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus zum militärischen Teil des Flughafens Tegel. Eine unglaubliche Sicht haben Müller und die Senatoren von einem Turm – im Vordergrund die Regierungsmaschine der Bundesrepublik Deutschland, im Hintergrund das Terminal samt startenden und landenden Flugzeugen. Diese Kulisse nutzt der Regierende Bürgermeister gleich für ein Selfie.

Flughafen Tegel: Am 8. November 2020 soll die letzte Maschine abheben

Da am 8. November 2020 dort die letzte Maschine abheben soll, soll bereits kurze Zeit später mit dem Umbau begonnen werden. 20 bis 25 Jahre sind für das Areal eingeplant, auf dem unter anderem einmal 5000 Wohneinheiten, ein Landschaftspark, Industrie und eine Hochschule untergebracht werden sollen.

Philipp Bouteiller von der Tegel Projekt GmbH erklärt den Anwesenden, dass Technologien wie Biogas, Fotovoltaik und E-Mobilität eine große Rolle spielen, genauso wie sogenannte Mobilitäts-Hubs, in denen Autos, Fahrräder oder Scooter ausgeliehen werden können. Denn ein Ziel ist es, so wenig Autoverkehr wie

möglich in dem neuen Quartier zuzulassen – sechs Meter breite Radwege wird es ebenfalls geben. So wundert es auch nicht, dass ein Augenmerk auf der Biodiversität liegt. „Mit kleinen Tricks in der Bauweise können wir beispielsweise Fledermäusen einen Unterschlupf ermöglichen“, erklärt Bouteiller.

Nach einem wichtigen Thema folgt gleich das nächste: die von den Reinickendorfern so ersehnte Verlängerung der U8 von Wittenau in das Märkische Viertel. Also alle wieder rein in den Bus und Richtung Wilhelmsruher Damm. Auf dem Weg bekommt der Senat auch gleich den Grund für den dringenden Ausbau zu spüren: Die Straßen sind voll, der Verkehr stockt, Busse und Autos schieben sich über die Straßen.

Vor Ort werden Michael Müller, Senatoren sowie Bezirksbürgermeister und Stadträte von BVG-Bauchef Uwe Kutscher empfangen. Er zeigt im U-Bahnhof Wittenau, was sich die BVG vorstellt und präsentiert drei Pläne.

Plan eins: Eine Verlängerung um 600 Meter bis zum Märkischen Zentrum. Plan zwei: eine Verlängerung um 1,2 Kilometer bis kurz hinter den Senftenberger Ring. Plan drei: eine Verlängerung um mehr als zwei

Kilometer bis weit ins Märkische Viertel hinein. Bei der Auswahl der Optionen sind sich alle einig: Durch Nummer zwei hätten rund 25.000 von den knapp 60.000 der im Märkischen Viertel lebenden Menschen einen direkten Zugang zur U-Bahn.

Knapp 250 Millionen Euro würde das Projekt kosten, sagt Kutscher. „Derzeit verkehren zwischen dem U-Bahnhof Wittenau und dem Märkischen Zentrum fünf Buslinien. Die könnten wir deutlich reduzieren.“ Zudem würde am geplanten zukünftigen Endpunkt mit der Heidekrautbahn nach Rosenthal ein Knotenpunkt entstehen.

Eine Fahrt mit der U-Bahn bis zum Ende bleibt natürlich bei diesem Besuch nicht aus, und auch oberirdisch laufen die Anwesenden bis zu dem derzeit bestehenden Endpunkt. Spätestens dort wird klar: Viel Weg fehlt nicht mehr zu einer Erschließung.

Im Großen und Ganzen zeigt sich Bezirksbürgermeister Frank Balzer zufrieden mit den Gesprächen. Auf einen Nenner kommt man bei der Nachnutzung des Flughafens Tegel und der Nachnutzung des Geländes der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, auf dem das Ankunftszentrum für Flüchtlinge und Wohnungsbau möglich sind. Die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität soll weiter ausgebaut werden, was Michael Müller begrüßt: „Ich habe mich sehr gefreut, dass der Bezirk da so engagiert dran ist.“ Im gleichen Atemzug lobt er die sehr konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bezirk Reinickendorf.

Weniger zufrieden ist der Bezirksbürgermeister Reinickendorfs über die Absage, die Tarifzone AB auf die ersten S-Bahnstationen im Umland auszuweiten. „Wir glauben, dass damit ein Teil der Pendler abgehalten werden kann, in den Bezirk zu fahren“, sagt Balzer.