Reinickendorf
Spielstraße

Bodenschwellen als Maßnahme gegen Raser

In der Mittelbruchzeile in Reinickendorf-Ost hält sich niemand an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit. Das soll sich ändern.

Blumenkübel konnten Raser in der Mittelbruchzeile nicht aufhalten, Anfang 2020 sollen Bodenschwellen das Problem lösen.

Blumenkübel konnten Raser in der Mittelbruchzeile nicht aufhalten, Anfang 2020 sollen Bodenschwellen das Problem lösen.

Foto: Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. „Und schon wieder einer.“ Tilo Pippart schüttelt den Kopf. „Die Leute verstehen nicht, dass das hier eine Spielstraße ist und man Schrittgeschwindigkeit fahren muss.“ Es sei schon zu gefährlichen Situationen gekommen. Blumenkübel hat das Bezirksamt Reinickendorf bereits aufstellen lassen, damit die Autofahrer langsamer fahren. Gebracht hat es nichts. Jetzt sollen es Bodenwellen richten.

Seit 22 Jahren lebt Tilo Pippart an der Mittelbruchzeile. Von seinem Balkon aus schaut er direkt auf die Spielstraße. „Besonders interessant wird es, wenn jemand in die Straße einbiegt und Gegenverkehr naht.“ Dann würden viele extra schnell fahren, um noch den einen Blumenkübel passieren zu können. Kinder, die sich mal auf der Straße aufhalten, würden regelmäßig angehupt und beschimpft. „Dabei dürfen die das, es ist ja eine Spielstraße.“

Einige Anwohner haben zudem das Problem, dass es vor der Haustür keinen Bürgersteig gibt – zu schnelle Autos sind eine Gefahr. Messungen der Polizei bestätigen die Beobachtungen. Die Überschreitungsrate liegt bei 100 Prozent, durchschnittlich fahren die Fahrzeuge 28 Kilometer pro Stunde.

Vermutung: Autofahrer kennen Bedeutung eines Spielstraßenschildes nicht mehr

Der Rentner hat eine Theorie, warum sich nur wenige an die Schrittgeschwindigkeit halten. Bei der Einfahrt

in die Mittelbruchzeile ist unter dem Hinweis einer Spielstraße ein Schild Tempo 30 durchgestrichen. „Viele denken wohl, dass die 50 km/h fahren dürfen, weil Tempo 30 durchgestrichen ist“, vermutet Pippart. Er schlägt vor, das Wort „Schrittgeschwindigkeit“ auf ein Schild drucken und aufhängen zu lassen, weil die meisten Autofahrer die Bedeutung des Spielstraßenschildes scheinbar nicht mehr kennen würden.

Bodenwellen werden in der Mittelbruchzeile im ersten Quartal 2020 angebracht

Das Bezirksamt hat die Mittelbruchzeile im Jahr 2015 sanieren lassen. Im Zuge dessen sind die Parkplätze versetzt angeordnet worden. Seit diesem Jahr sollten Blumenkübel das Vorhaben des langsameren Fahrens verstärken. Anwohner und die Abgeordnete Bettina König (SPD) fordern seit mehr als einem Jahr, Bodenschwellen zu installieren.

Damals erklärte Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU), dass dieses Vorhaben aufgrund der Behinderungen für die Rettungswagen nicht umgesetzt werden könne. Jetzt die Wende: Im ersten Quartal 2020 soll es so weit sein – vorausgesetzt, es liegt kein Schnee. Zwei bis drei Bodenschwellen sollen dann aufgeklebt und verdübelt werden.

Bezirk sieht keine andere Lösung

„Wir wissen leider keinen anderen Rat, als jetzt doch auf die Bodenschwellen zurückzugreifen“, sagt Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt. „Wir sehen die Not der Anwohner und müssen handeln.“ Bedenken wegen der Rettungsfahrzeuge hat sie aber immer noch. Denn die müssten vorher deutlich abbremsen und würden so wertvolle Zeit verlieren. Die Feuerwehr habe dem Bezirksamt versichert, dass mit der Maßnahme gegen keine Vorschriften verstoßen werde. Zudem hätte sich die Fahrzeugtechnik verbessert, so dass die Erschütterungen kaum spürbar seien.

Tilo Pippart begrüßt die Maßnahme, kann die Bedenken aber auch nachvollziehen. „Hier leben schon viele ältere Menschen, aber die sterben alle so langsam weg, so hart das auch klingt.“ Jüngere Familien würden stattdessen einziehen. Und somit der Krankentransport das Gebiet seltener anfahren müssen.