Reinickendorf
Eco-Toilette

Neue Toilette verhindert Gestank auf Franz-Neumann-Platz

Obdachlose freuen sich über das Angebot aus dem Senatsprogramm "Saubere Stadt". Benutzen kann die Eco-Toilette jeder.

Das Bezirksamt Reinickendorf hat auf dem Franz-Neumann-Platz eine Eco-Toilette aufgestellt. Die Obdachlosen David Nitschkowsky (l.) und Marco Harnisch freut das sehr.

Das Bezirksamt Reinickendorf hat auf dem Franz-Neumann-Platz eine Eco-Toilette aufgestellt. Die Obdachlosen David Nitschkowsky (l.) und Marco Harnisch freut das sehr.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Dort, wo sich obdachlose Menschen aufhalten, stinkt es oftmals nach Urin und Fäkalien. Für viele Passanten ein Grund, das Areal zu umgehen. Das war auch am Franz-Neumann-Platz in Reinickendorf-Ost so, bevor das Bezirksamt diesen Ort für eine spezielle Toilette ausgesucht hat.

„Diese Toilette ist für uns ein Segen“, sagt Martin Proschmann von der Berliner Help Stiftung. Mit seinem Team bietet er den Obdachlosen in den Wintermonaten jeden Tag in einem Wohnwagen Zuflucht und warmes Essen. Der zweite Vorsitzende der Stiftung öffnet die Tür der Toilette, die direkt neben dem Wohnwagen steht. „Die ist völlig geruchlos. Einfach toll“, findet Proschmann. Es sei ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Stiftung zahlte 130 Euro pro Monat für Dixi-Toilette

Vor einigen Jahren gab es auf dem Franz-Neumann-Platz noch keine Toilette, die Obdachlosen verrichteten ihre Notdurft hinter dem Wohnwagen. „Das hat fürchterlich gestunken“, erinnert sich Proschmann, der kurzerhand ein Dixi-Klo organisierte. Doch auch das war nicht ideal. „Es hat immer noch gerochen, auch wenn es nicht mehr so schlimm war. Und umgeworfen wurde sie auch öfter.“

Weil es zu dem

Zeitpunkt keine Alternative gab, zahlte die Berliner Help Stiftung die 130 Euro jeden Monat für Miete und Reinigung. „Dank des Bezirksamtes sparen wir dieses Geld und können es für andere Projekte ausgeben“, sagt Proschmann. Wie zum Beispiel für einen neuen Wohnwagen. Proschmann befürchtet, dass der jetzige im nächsten Jahr nicht mehr durch den Tüv kommt.

Eco-Toilette auf Franz-Neumann-Platz kommt ohne Wasser aus

Inzwischen haben sich einige Obdachlose eingefunden. Die neue Toilette wird rege genutzt. Marco Harnisch (34) erklärt das Prinzip: „Wir brauchen kein Wasser. Man nimmt eine Handvoll Holzspäne und wirft sie darauf. Es riecht gar nicht“, sagt Harnisch, der sich seit vielen Jahren auf der Straße durchschlägt. „Und das Tolle ist, dass ich mir im Anschluss die Hände desinfizieren kann.“ Es sei nicht mehr so menschenunwürdig wie vorher.

Die neue Eco-Toilette, finanziert durch das Senatsprogramm Saubere Stadt, wird einmal pro Woche von der gleichnamigen Firma geleert. Sie ist aber nicht nur für Obdachlose, sondern für alle, sagt Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU).

Doch ob eine Mutter mit Kind diese Möglichkeit direkt neben dem Sozialmobil nutzen wird, ist fraglich. Die Obdachlosen wissen das neue Angebot jedenfalls zu schätzen und reinigen die Toilette auch zum Teil selbst. „Das klappt auch ganz gut. Es gibt viele, die sich sehr kümmern“, sagt Proschmann.

Fäkalien-Holzspäne-Gemisch wird kompostiert

Nach Angaben der Firma EcoToiletten wird das Fäkalien-Holzspäne-Gemisch kompostiert und zu einem Bodenverbesserer aufbereitet. Mit dieser Technologie könnten circa 20 bis 40 Kubikmeter an Trinkwasser pro Jahr eingespart und damit Kläranlagen entlastet werden.

Noch befindet sich die Toilette auf dem Franz-Neumann-Platz für circa ein halbes Jahr in einer Testphase. „Wir müssen schauen, wie es mit der Sauberkeit funktioniert“, gesteht Schultze-Berndt. Sie sei noch etwas skeptisch, was die Geruchsbildung angeht. Der Franz-Neumann-Platz sei ausgesucht worden, weil dort mit Martin Proschmann jemand nach dem Rechten schaut.

Denkbar seien auch weitere Orte in Spielplatznähe oder in Parks, „wenn sich jemand darum kümmert“. Diese Plätze seien nach Angaben der Bezirksstadträtin geeignet, da sie nicht wie die City-Toiletten an die Leitungssysteme angeschlossen werden müssen. „Wir müssten Leitungen durch einen Park ziehen und die Kosten selbst tragen. Das können wir nicht.“