Reinickendorf
Tegel-Center

Ende Dezember ist Schluss mit der Markthalle Tegel

Aufgrund der Bauarbeiten am Tegel-Center kann die Markthalle Tegel nicht weiter am jetzigen Standort betrieben werden.

Die Markthalle Tegel wird am 31.12.2019 am jetzigen Standort schließen.

Die Markthalle Tegel wird am 31.12.2019 am jetzigen Standort schließen.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Lothar Gersch erinnert sich gern an die gute alte Zeit. An die Zeit, in der an einem Freitag um die 1200 Menschen zu ihm in den kleinen Lotto-Laden in der alten Markthalle gekommen sind. „Wir hatten hier richtig lange Warteschlangen“, so der Verkäufer. Das war so vor 24 Jahren.

Vor drei Jahren sind einige der Gewerbetreibenden in das jetzige Provisorium umgezogen, bis die neue Markthalle im Tegel-Center fertig ist. „Damals hieß es: für ein Jahr“, sagt Gersch. Doch dort, wo er jetzt arbeiten sollte, steht noch ein Rohbau. Wann die neue Markthalle fertig ist, bleibt ungewiss. Zu oft musste die Bauzeit aufgrund unterschiedlichster Gründe vom Bauherr HGHI Holding GmbH verschoben werden. Fest steht aber: Ende Dezember ist Schluss mit der Markthalle. Lothar Gersch ist dann arbeitslos.

Harald Huth, Inhaber der HGHI, begründet die Schließung mit der derzeitigen Belastung durch die Baumaßnahmen. „Das Hertie-Haus muss abgerissen werden, und die Beeinträchtigungen auf den derzeitigen Umsatz für die Mieter sind schon äußerst hoch und würden noch stärker werden, wenn wir das weiterführen würden.“ Ziel sei es, dass die Fußgängerzone bei Eröffnung der neuen Markthalle weitestgehend fertiggestellt ist und der Neubau des Hertie-Warenhauses die allgemeine Nutzung der Fußgängerzone dann nicht allzu sehr beeinträchtigt.

Ausweichfläche für die Markthalle in der Nähe des C&A-Gebäudes

Das Bezirksamt Reinickendorf will den Mietern bis zum endgültigen Bezug der neuen Markthalle eine Ausweichfläche direkt in der Nähe des C&A-Gebäudes anbieten, heißt es. Einige Standbetreiber sagen auf Nachfrage, dass sie bislang nichts davon wüssten beziehungsweise sich dazu nicht äußern wollen. „Nun ja, ich kann ohnehin nicht umziehen. Ich verliere meine Lotto-Lizenz und werde für das Provisorium keine neue bekommen“, sagt Gersch. Zwar will er in die neue Markthalle einziehen, aber: „Die Frage ist zum einen, wann die fertig wird, und zum anderen, ob ich mir das dann überhaupt noch leisten kann.“ Er habe die Aussage bekommen, dass der Umzug zwischen Juni und November 2020 erfolgen könne – unter Vorbehalt.

Standbetreiber konnte nur ein Drittel des Umsatzes generieren

Bis zur Eröffnung der neuen Halle wird Lothar Gersch von seinem Ersparten leben müssen, wie er sagt. Das Problem sei aber, dass er in den vergangenen Jahren nur ein Drittel des Umsatzes generieren und demnach nicht viel sparen konnte. Hinzu kommt, dass in den Sternen stünde, ob er überhaupt eine neue Lotto-Lizenz bekomme. „Eine Konzession vom Ordnungsamt brauche ich dann auch noch. Es muss nämlich überprüft werden, ob kein Mitbewerber in der direkten Nähe ist.“ An der Grußdorfstraße gibt es bereits einen Lotto-Laden. Und der Ausgang der neuen Markthalle im Tegel-Center Süd ist an der Grußdorfstraße. Kurzum: Ob Lothar Gersch die Eröffnung noch als aktiver Standbetreiber erlebt, ist ungewiss.

Kunden werden die Markthalle Tegel vermissen

Kunden wie Heinz Neumann, die regelmäßig in die Markthalle kommen, um einzukaufen, aber auch, um Bekannte auf einen Kaffee zu treffen, werden die Markthalle vermissen. „Das war immer eine tolle Atmosphäre.“ Aufgrund der Überbrückung befürchtet er allerdings, dass nicht alle Standbetreiber in die neue Halle einziehen werden und er somit seine Stammläden verliert. Er ist aber froh, dass es überhaupt einen Markt im neuen Tegel-Center geben wird. Denn der war in den ersten Plänen des Investors nicht vorhanden. Reinickendorfer Bürger und Politiker haben sich für eine Markthalle eingesetzt, die nun auf 2200 Quadratmetern realisiert werden soll.