Reinickendorf
Vereinsleben

Modellclub Lübars steht vor dem Aus

Der Verein Modellclub Lübars erhielt vom Bezirksamt die Kündigung für ihre Räume. Bislang haben sie keine neue Stätte im gefunden.

Die Mitglieder vom Modellclub Lübars e.V. wissen noch nicht, wohin mit ihren Modellschiffen. Peter Glaser (li. vorne), Burkhard Aßmann, Martin Hoffmann, Harald Dulisch (re. hinten) suchen nach Räumen, Michael Schulz will ihnen helfen.

Die Mitglieder vom Modellclub Lübars e.V. wissen noch nicht, wohin mit ihren Modellschiffen. Peter Glaser (li. vorne), Burkhard Aßmann, Martin Hoffmann, Harald Dulisch (re. hinten) suchen nach Räumen, Michael Schulz will ihnen helfen.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Harald Dulisch geht das Herz auf, wenn er auf seine Boote und die seiner Vereinskameraden blickt. Die bis zu 1,60 Meter langen Modelle sind bis ins kleinste Detail in liebevoller Handarbeit zusammengeklebt oder -gelötet. Und auch in den Funktionen stehen diese den großen Schiffen in Nichts nach: Pumpen, Sirenen, Lichter – alles funktioniert. Die Fahrtüchtigkeit wird an den Wochenenden im Tegeler Hafenbecken überprüft. Doch mit dem Hobby könnte es in dieser Runde schon bald vorbei sein.

„Bis zum Jahresende müssen wir hier raus“, sagt Harald Dulisch und blickt durch den Raum im Werdohler Weg in Tegel-Süd, in dem er gemeinsam mit weiteren Modellbauern gewerkelt hat. Der Vorsitzende sieht den Modellclub Lübars e.V. vor dem Aus. Denn einen neuen Vereinsraum haben die Mitglieder noch nicht gefunden.

Modellclub Lübars hat Kündigung der Vereinsräume im Juni erhalten

„Ich befürchte, dass wir unser 40-jähriges Bestehen im nächsten Jahr nicht mehr erleben“, bedauert Dulisch. Wenn man keine Werkstatt hätte, in der man gemeinsam bauen könnte, würde jeder nur noch für sich Zuhause bauen und man sich früher oder später aus den Augen verlieren – wobei nicht einmal jeder einen großen Hobbyraum habe.

Aufgrund des vielen Platzes, den jeder zum Bauen bräuchte, wären Wohnzimmer und Keller der Mitglieder nicht geeignet. Die Kündigung vom Bezirksamt flatterte im Juni ins Haus, zu wenig Zeit für den Verein. Die Suche geht also weiter.

„Die Kündigung war zwingend, weil auf dem Gelände kurzfristig 50 neue Krippenplätze entstehen sollen. Zur Sicherung des Rechtsanspruchs von Eltern hat der Ausbau der Kinderbetreuung absoluten Vorrang“, sagt Bezirksstadtrat für Jugend, Familie, Schule und Sport Tobias Dollase (parteilos, für CDU). „Merkwürdig

ist aber, wenn Mitglieder des Modellclubs den Eindruck erwecken, als bedeute das Auslaufen des Vertrags das Aus engagierter Vereinsarbeit“, sagt Dollase.

Bezirk und ESO-Schulen haben Räume mietfrei zur Verfügung gestellt

Michael Schulz (Die Grauen) versucht dem Verein zu helfen. „Eine Kita zu bauen, ist richtig und wichtig, den Umgang mit dem Verein dulde ich aber nicht“, sagt Schulz.

Damit bezieht er sich unter anderem auf die Heizung, die seit drei Jahren nicht mehr funktioniere. „Seitdem können wir hier nicht mehr lackieren. Durch die Kälte entstehen Blasen“, erklärt Harald Dulisch. Wichtig ist hinzuzufügen, dass der Modellclub Lübars die Räume im Jahr 1997 vom Bezirk Reinickendorf zur Verfügung gestellt bekommen hat, weil keine geeignete Wirkungsstätte gefunden werden konnte – Miete mussten sie damals keine zahlen, auch heute nutzen sie die Räume mietfrei, obwohl „der Bezirk vor elf Jahren das komplette Gelände den ESO-Schulen für eine Kindertagesstätte überlassen hat“, sagt Dollase.

Bezirksamt Reinickendorf: Modellclub Lübars betreibt keine Jugendförderung

Zu Anfangszeiten des Vereins waren es knapp 80 Mitglieder, heute sind es noch 24. „Viele haben uns aufgrund der Kälte verlassen“, sagt Dulisch. Gerade Jugendliche seien ausgetreten. Dabei ist eines der Aushängeschilder des Vereins die Jugendförderung. So steht es zumindest auf der Internetseite – die Mitglieder fahren mit ihnen auch zu Meisterschaften, bei denen die schönesten Modelle prämiert werden.

Für die Jugendlichen haben sie sogar eine weitere Sparte aufgenommen: Modellautos. Nach Angaben des Bezirksamtes gelte diese Bezeichnung „Jugendförderung“ heute nicht mehr. „Selbstverständlich fördert das Jugendamt unterstützungswürdige Initiativen der Jugendarbeit“, sagt Dollase, ergänzt aber auch, dass keine offene Jugendarbeit durch den Verein erfolgt. „Wir müssten jeden Tag eine Anlaufstelle für Jugendliche sein“, sagt Dulisch. Diese Erklärung hätte der Verein in einem Gespräch mit dem Bezirksstadtrat erhalten. Die Hobbymodellbauer treffen sich aber nur dienstags und freitags ab 18 Uhr.

Jugendamt wird Verein bei der Suche nach Räumen unterstützen

Zwar muss der Verein in sechs Wochen mit Geräten, Material und Modellen ausgezogen sein. Es sind aber auch noch sechs Wochen, um geeignete Räume zu finden. Bezirksstadtrat Tobias Dollase will insofern helfen, als dass das Jugendamt bei zwei Wohnungsbaugesellschaften den Bedarf des Vereins vortragen und um Unterstützung bitten wird.