Reinickendorf
Wohnen

Rückkauf durch Gewobag: Mieter hoffen auf bessere Zeiten

Die Gewobag kauft in Spandau und Reinickendorf Wohnungen zurück. Für viele der Mieter dort scheint dies eine gute Nachricht zu sein.

Die kommunale Gesellschaft Gewobag übernimmt Wohnungen von Ado. Für Mieter Ron Kleber (37) und Jasmin Beilfuß (30), hier mit Sohn Liam-Ron vor ihrem Haus in der Schluchseestraße in Reinickendorf eine gute Nachricht.

Die kommunale Gesellschaft Gewobag übernimmt Wohnungen von Ado. Für Mieter Ron Kleber (37) und Jasmin Beilfuß (30), hier mit Sohn Liam-Ron vor ihrem Haus in der Schluchseestraße in Reinickendorf eine gute Nachricht.

Foto: Sergej Glanze

Die Nachricht kommt für die meisten Bewohner der Schluchseestraße in Waidmannslust, südlich des Zabel-Krüger-Damms, völlig überraschend. Der Himmel ist an diesem Tag so grau wie die Fassade der vierstöckigen Häuser. Hinter dieser Fassade ehemalige Sozialwohnungen der GSW, die der Wohnungskonzern Ado 2015 von der Deutschen Wohnen erworben hatte. Am Donnerstag hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag bekannt gegeben, dass sie knapp 6000 Wohnungen in Reinickendorf und Spandau erworben hat. Zuletzt waren diese, wie die gesamten Bestände der GSW, vor 15 Jahren in kommunalem Eigentum. Knapp eine Milliarde Euro hat die Gewobag dafür gezahlt.

Klagen über Schimmel und defekte Rauchmelder

Die Reinickendorfer in den Blöcken mit den gelben Fensterrahmen reagieren sehr unterschiedlich auf die Neuigkeit. Manuela W. (58) zuckt nur mit den Schultern. „Kann ich ja nicht ändern“, sagt sie über den Verkauf. Seit 15 Jahren bewohnt sie die 70 Quadratmeter große Wohnung mit ihrem Mann. Sie hoffe nur, dass sich die Miete nicht erhöht. Viel mehr könnten die meisten aber ohnehin nicht zahlen. Vor allem Arbeitslose, Rentner und Geflüchtete würden in den Wohnungen leben, sagt sie.

In regelrechten Freudentaumel verfallen dagegen Ron Kleber (37) und Jasmin Beilfuß (30), als sie vom Eigentümerwechsel erfahren. Die Eltern von vier Kindern können eine lange Liste von Mängeln in ihrer Wohnung aufzählen – von Schimmel bis zu defekten Rauchmeldern. Ihre Hilfegesuche beim Vermieter seien meist ins Leere gelaufen. Sie hätten große Hoffnung, dass sich nun vieles verbessern wird. Jährlich hätte sich zudem ihre Miete erhöht, berichtet das Paar weiter.

Einen Häuserblock weiter beklagen auch andere Familien die häufigen Mieterhöhungen. Und ein weiterer Punkt habe sie immer wieder stutzig gemacht. Mehrere Mieter berichten, dass die Betriebskostenabrechnungen häufig nicht gestimmt hätten. „Zu GSW-Zeiten war alles besser“, sagt Bassima Saffidine (47) mit Blick auf ihre monatliche Miete. Die Mutter zweier Kinder bewohnt eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Auch sie berichtet von schlechten Erfahrungen mit dem alten Eigentümer, besonders bei der Beseitigung von Mängeln.

3400 Wohnungen in Staaken wechseln den Besitzer

Ortswechsel. Auch in Spandau hat die Gewobag Wohnungen aufgekauft. Der Komplex mit 3400 Wohnungen liegt nördlich der Heerstraße zwischen Magistratsweg und Sandstraße. Das ist der westlichste Zipfel des Spandauer Ortsteils Staaken. Um welche Häuser es sich genau handelt, will die städtische Wohnungsbaugesellschaft auch auf Nachfrage nicht bekannt geben.

Unterwegs in der dortigen Obstallee, wo viele Häuserblöcke bislang der Ado gehörten. „Es kann nur besser werden“, sagt eine junge Mutter am Hauseingang. Reparaturen jeglicher Art, ob am Fahrstuhl oder in der Wohnung selbst, hätten mit dem bisherigen Besitzer extrem lange gedauert, die Ansprechpartner seien stets unfreundlich und unkooperativ gewesen. Als sie etwa Schädlinge in der Wohnung hatte, habe es vier Wochen gedauert, bis entsprechende Gegenmaßnahmen angelaufen seien. Damals unter der GSW, so die Frau, sei das nicht passiert.

Eine Bewohnerin des Zwanziggeschossers hat von dem Verkauf noch nichts gehört, zeigt sich dann aber erfreut: „Das kann ich nur begrüßen. Früher lief das hier alles viel besser.“ Unter der Ado sei es dann „den Bach runtergegangen“. Zehn Jahre lebt sie hier bereits. Den damaligen Besitzerwechsel habe man deutlich gespürt. „Plötzlich wurde gar nicht mehr darauf geachtet, wer hier einzieht.“ Um die Hausgemeinschaft habe man sich nicht mal minimal gekümmert. „Nur bei Mahnungen, da sind sie schnell“, so die Mittfünfzigern. Sie habe bei der Hausverwaltung angegeben, die Miete immer Mitte des Monats zu überweisen, da bekomme sie erst Lohn. Früher sei das kein Problem gewesen. Jetzt bekomme sie ein regelmäßiges Schreiben der Verwaltung. „Und dann erhöhen die immer wieder die Miete.“

Eine 25-Jährige kann sich hingegen nicht über die Ado beklagen. „Mit denen hatte ich bisher nie Probleme“, sagt sie. Die Wohngegend gefalle ihr aber generell nicht. Von dem Verkauf, so die junge Frau, habe sie bisher nichts gehört, „ist mir aber egal“.