Reinickendorf
Natur

Mikroplastik belastet das Tegeler Fließ

Durch Reifenabrieb gelangen immer mehr schädliche Stoffe in das Gewässer. Bis der Senat eingreift, wird noch viel Zeit vergehen.

Das Tegeler Fließ ist für Naturliebhaber ein Paradies. Allerdings gelangen immer häufiger schädliche Stoffe in das Gewässer.

Das Tegeler Fließ ist für Naturliebhaber ein Paradies. Allerdings gelangen immer häufiger schädliche Stoffe in das Gewässer.

Foto: Thomas Schubert

Reinickendorf. Knapp 30 Kilometer weit schlängelt sich das Tegeler Fließ von Basdorf in Brandenburg bis zum Tegeler See, auf ungefähr 14 Kilometern Länge fließt es auf Berliner Stadtgebiet durch die Reinickendorfer Ortsteile Lübars, Hermsdorf, Waidmannslust und Tegel. Es ist gerade für Naturliebhaber ein begehrtes Ausflugsziel. Im Laufe der Zeit ist das Fließ allerdings immer öfter über die Ufer getreten, Flächen sind überschwemmt, Bäume verfault und umgestürzt – durch das Totholz ist das Fließtal immer mehr versumpft.

Und es scheint ein weiteres Problem zu geben: Durch Reifenabrieb gelangt Mikroplastik in das Gewässer. Das geht aus einer Anfrage des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hervor.

Tegeler Fließ: Keine Angaben über die Menge des Mikroplastiks

Wie viel Reifenabrieb durch die Straßen im Bezirk in das Fließ gelangt, kann der Senat nicht beziffern. Derzeit werde auf dem Gebiet geforscht. „Hierzu werden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verschiedene Forschungsprojekte gefördert (MiWa Mikroplastik im Wasserkreislauf, RUSEKU, RAU - Reifenabrieb in der Umwelt), die die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz begleitet. Daher kann zur Zeit weder der Reifenabrieb noch der Anteil an Mikroplastik verlässlich bestimmt oder abgeschätzt werden“, so die Antwort des Senats.

Dass Reifenabrieb den größten Teil des Mikroplastiks in der Umwelt ausmacht, bestätigt der Senat. Und in das Tegeler Fließ gelangt dieses ungefiltert.

Senat plant eigene Messungen

Auf die Frage Zeelens, wie der Senat gedenkt, auf wissenschaftliche Studien zur Umweltbelastung durch Reifenabrieb zu reagieren, heißt es, dass man sich auf stark befahrene Straßen fokussieren wolle. Der Senat will perspektivisch auch eigene Messungen im Regenabfluss vornehmen, sobald die methodischen Fragen von Probenahme, Aufbereitung und Analytik im Rahmen laufender Forschungsvorhaben geklärt sind. „Zielstellung ist es, in Schwerpunktgebieten zentrale und dezentrale Maßnahmen zum Rückhalt von Partikeln planerisch vorzubereiten. Zudem erhoffen wir uns aus dem durch das BMBF geförderten Forschungsprojekt ‘RAU - Reifenabrieb in der Umwelt’ (Koordination: Technische Universität zu Berlin; Projektpartner: Berliner Wasserbetriebe) auch ergänzende Aussagen zur Effizienz verschiedener Behandlungsanlagen als Grundlage für die Maßnahmenoptimierung“, schreibt der Senat.

Zeelen ist empört über die Langsamkeit des Senats

„In meinem Wahlkreis liegt mit dem Tegeler Fließ einer der schönsten Landschaftsräume Berlins. Hier gelangt aus 90 umliegenden Straßen Abwasser ungefiltert in die Natur. Der Senat muss endlich handeln und diese Umweltbelastung abstellen“, fordert Zeelen. Weiter möchte der Abgeordnete wissen, wie sich aus Sicht des Senats die Einleitung des ungefilterten Regenwassers ins Tegeler Fließ mit dem Landschafts- und dem Naturschutz vertrage.

Die Einleitung von Regenwasser aus der öffentlichen Straßenentwässerung dürfe nach Angaben des Senats nur erfolgen, wenn Landschaft und Natur „nicht oder nur unerheblich beeinträchtigt“ würden. Der Senat verweist an dieser Stelle auf die Planung und Umsetzung der Maßnahmen im Zusammenhang mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die im Jahr 2000 in Kraft trat. Durch diese Maßnahmen sollen die stoffliche Belastung und die Häufigkeit der Noteinleitung reduziert werden.

„Leidtragende ist unsere Natur im Tegeler Fließ“

Zeelen ist über diese Aussage empört: „Es ist schon allerhand, dass der Senat fast 20 Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie noch immer im Anfangsstadium der Umsetzung ist. Die sehr komplexe Maßnahme sollte bereits vor vier Jahren abgeschlossen sein. Leidtragende ist unsere Natur im Tegeler Fließ. Das können wir nicht hinnehmen.“

Einen Hoffnungsschimmer scheint es aber zu geben. So werden derzeit zur Reduzierung der vorhandenen Gewässerbelastungen aus den Regenwassereinleitungen die Einzugsgebiete der Regenwasserkanalisation ermittelt, die die Hauptbelastungsquellen darstellen. Dennoch wird noch viel Zeit vergehen, bis Maßnahmen umgesetzt werden.