Reinickendorf
Strandbad Tegel

Strandbad Tegel: BIM startet Konzeptverfahren

Noch bis zum 22. Oktober kann man sein Konzept vorlegen. Die Rahmenbedingungen sind für einen neuen Betreiber allerdings schwierig.

Ob sich ein Betreiber für das Strandbad Tegel findet, bleibt weiterhin unklar.

Ob sich ein Betreiber für das Strandbad Tegel findet, bleibt weiterhin unklar.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Für die Reinickendorfer dürfte es eines der größten Ärgernisse der vergangenen Jahre sein: das Strandbad Tegel. Oder besser: dessen Schließung. Seit 2016 sind die Tore zu, Baden somit unmöglich. Initiativen und Politiker haben sich mehrfach für die Öffnung des Strandbades ausgesprochen, Pläne für eine temporäre Öffnung in den Sommermonaten vorgelegt, ja sogar gestreikt – gebracht hat es allerdings nichts.

Doch es scheint es ein Licht am Ende des Tunnels zu geben. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) hat im Auftrag der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) ein Konzeptverfahren für das Strandbad Tegel unter dem Titel „Tradition sucht Innovation“ gestartet.

Strandbad Tegel soll „schnellstmöglich“ wieder öffnen

Auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Grundstück entlang des Schwarzen Weges am Tegeler See soll dem Exposé nach „schnellstmöglich wieder der öffentliche saisonale Badebetrieb aufgenommen werden“. Das Konzept soll Angaben zum Betrieb in der Zeit von Mai bis Ende August, zu Freizeitangeboten, zur gastronomischen Versorgung und zur baulichen Unterhaltung, aber auch Angaben zum Investment und zur Finanzierung enthalten.

Das Nutzungskonzept soll im Idealfall das Potential haben, die Attraktivität des Standortes zu stärken und das Image des ganzen Bezirks positiv zu beeinflussen.

Kritik von denen, die sich für das Strandbad Tegel einsetzen

Der endlich erfolgte Start des Konzeptverfahrens wird zwar positiv aufgenommen, dennoch gibt es Kritik aus den Reihen jener, die sich seit Jahren für das Strandbad Tegel stark machen. Felix Schönebeck, Vorsitzender des I love Tegel e.V. und CDU-Bezirksverordneter im Rathaus Reinickendorf: „Die Rahmenbedingungen sind unverändert schlecht. Im Exposé wird von einer guten Verkehrsanbindung Tegels gesprochen. Das Strandbad selbst ist aber überhaupt nicht angebunden. Der im Sommer doch recht beschwerliche 1,3 Kilometer lange Weg durch den Wald von der nächstgelegenen Bushaltestelle wird als ‘idyllischer Fußweg durch den Tegeler Forst verkauft’. Wir brauchen endlich das Signal der BVG, dass wieder eine Buslinie bis vor das Strandbad fährt.“

Schönebeck und Zeelen fordern seit Jahren die Öffnung des Bades

Er war es, der im vergangenen Jahr mit seiner Kiezinitiative das Strandbad Tegel selbst betreiben wollte – Freunde von ihm hatten zugesagt, durch ihre Firmen mobile Toiletten aufstellen zu lassen und den Müll aufzusammeln. Die Idee wollten die Berliner Bäder Betriebe unter anderem aufgrund der Haftungsfrage nicht umsetzen. In diesem Jahr organisierte Schönebeck eine große Demonstration für die Wiedereröffnung des Strandbades, um die Wichtigkeit des Ausflugsziels zu verdeutlichen.

Auch Schönebecks Kollege aus dem Berliner Abgeordnetenhaus, Tim-Christopher Zeelen (CDU), kritisiert die schlechte Anbindung: „Der Waldparkplatz vor dem Strandbad steht laut Exposé allen Waldbesuchern zur Verfügung. Die Kapazität des Parkplatzes ist an sommerlichen Tagen nahezu immer ausgeschöpft. Dennoch lehnen die Berliner Forsten eine zumindest teilweise Vermietung an den Betreiber des Strandbads Tegel oder den Ausbau des Parkplatzes ab. So ist es weiterhin für viele Familien unmöglich, mit dem Auto zum Strandbad zu kommen!“

Neuer Investor muss mehrere Millionen Euro investieren

Auf den eventuell neuen Betreiber wird eine Investitionssumme in Millionenhöhe zukommen. Denn weder die BBB noch der Senat wollen die Kosten für den Austausch der Abwasseranlage übernehmen. Obwohl der Senat es war, der die Rohre im vergangenen Jahr mit Beton hat auffüllen lassen. Für eine

künftige Nutzung ist eine völlig neue, doppelwandige Abwasseranlage unter Berücksichtigung der Lage im Wasserschutzgebiet zu errichten.

„Völlig unverständlich“, findet Schönebeck. Er ist der Meinung, dass das Land Berlin hier eine Finanzspritze gewähren müsse: „Es ist eigentlich Aufgabe der Bäder-Betriebe, Bäder zu betreiben und in Schuss zu halten. Hier hat man jahrelang keinen Euro investiert und letztlich vollendete Tatsachen geschaffen, indem man die Abwasseranlage mit Beton verfüllt hat. Und nun soll ein privater Betreiber alle Kosten selbst schultern, und der Senat macht sich einen schlanken Fuß“, so Schönebeck weiter.

Bauliche Erweiterung des Strandbads Tegel ist untersagt

Auch eine bauliche Erweiterung ist gemäß der Wasserschutzgebietsverordnung Tegel auf dem Grundstück untersagt. Insofern ist die Errichtung neuer Gebäude für einen ganzjährigen Betrieb unmöglich – dabei war das anfangs mit einem Gastronomiebetrieb so geplant. Auch Veranstaltungen und Sommerfeste bleiben auf dem Gelände verboten.

Die Berliner Forsten stellen dazu im Exposé klar, dass der Wald ein Erholungsgebiet ist, in dem sich jedermann nach § 13 des Berliner Landeswaldgesetzes so zu verhalten hat, dass die Erholung anderer nicht gefährdet oder beeinträchtigt wird. Es bleibt also abzuwarten, ob ein Investor bereit ist, das Strandbad Tegel für Badegäste wieder herzurichten und zu öffnen.

Areal kann im September und Oktober besichtigt werden

„Es ist eigentlich unfassbar, dass erst drei Jahre nach der Schließung des Strandbads endlich das Konzeptverfahren gestartet wird. Drei Jahre, in denen das Strandbad vor sich hin rottet und die Kosten für die Instandsetzung von Tag zu Tag steigen. Es bleibt auch völlig offen, was passiert, wenn sich kein privater Betreiber findet, was in Anbetracht der schlechten Rahmenbedingungen keine Überraschung wäre. Darauf muss der Senat endlich Antworten geben. Das Strandbad Tegel muss für die Reinickendorfer wieder geöffnet werden“ fordert Zeelen, der im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses sitzt.

Das Konzeptverfahren endet am 22. Oktober 2019 um 10 Uhr. Bis dahin können Konzepte bei der BIM eingereicht werden. Die Jurysitzung wird voraussichtlich am 26.11.2019 stattfinden. Interessenten können das Areal am 25.09. um 10 Uhr und 09.10.2019 um 15 Uhr besichtigen. Eine Anmeldung per E-Mail an strandbadtegel@bim-berlin.de ist erforderlich.