Reinickendorf
Schulsanierung

„Es ist alles schief gegangen, was schief gehen kann“

Bei Baumaßnahmen am Thomas-Mann-Gymnasium ist kein Ende in Sicht. Insolvente Firmen, Kündigungen und Materialknappheit sind der Grund.

Bei den Sanierungsarbeiten am Thomas-Mann-Gymnasium scheint vorerst kein Ende in Sicht.

Bei den Sanierungsarbeiten am Thomas-Mann-Gymnasium scheint vorerst kein Ende in Sicht.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Der Putz bröckelt von den Wänden, Kabel hängen von der Decke und die Toiletten werden nur noch benutzt, wenn es gar nicht anders geht. Dass einige Schulen in Berlin teilweise marode sind, ist nichts Neues. Auch nicht, dass Baufirmen es oft nicht schaffen, die geplanten Maßnahmen in den Ferien umzusetzen, damit die Schüler mit Beginn der Schulzeit ohne Lärm und Dreck arbeiten können. Doch am Thomas-Mann-Gymnasium im Märkischen Viertel können die Kinder und Jugendlichen davon nur träumen. Nach Angaben der Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) ist dort „alles schief gegangen, was schief gehen konnte“. Wohl ein Beispiel für die schlimmste Schulsanierungsmaßnahme im Bezirk.

Eine besorgte Mutter hat sich im Namen vieler Eltern in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) an die Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) mit der Frage gewandt, welche konkrete Bauzeitplanung für die Durchführung der Sanierungsarbeiten vorliege – damit deutet sie auf die Instandsetzung der Turnhalle nach der Unterbringung von Flüchtlingen, die Sanierungen von Leitungen und Rohre und Maßnahmen für die auftretenden Wasserschäden nach Regenfällen. Die Mutter spricht von erheblichem Leidensdruck der Lehrer und Schüler. Die Bezirksstadträtin hat allerdings keine guten Nachrichten. „Das Thomas-Mann-Gymnasium ist ein Beispiel dafür, was bei Bauarbeiten alles schief gehen kann“, sagt Schultze-Berndt.

Thomas-Mann-Gymnasium in Reinickendorf: Firma kam Auftrag nicht nach: Kündigung

An dieser Schule werden die bislang größten Maßnahmen umgesetzt. Für die beiden Sporthallen werden knapp fünf Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der Heizungsanlagen werden mehr als zwei Millionen Euro kosten. Doch große Maßnahmen bedeuten wohl auch, große Probleme. Alleine das Projekt „Erneuerung der Heizungsanlage im Schulgebäude“ stellte die Fachkräfte nach Angaben von Katrin Schultze-Berndt vor Herausforderungen, da im Rahmen der Schadstoffsanierung zunächst keine passende Firma gefunden werden konnte.

Und dann scheint auch noch Pech hinzugekommen zu sein, denn eine der Firmen habe wohl eine unzureichende und nicht zeitgerecht vorgelegte Planung erbracht. In dem Fall ging es um die technische Gebäudeausrüstung. „Wir haben mehrfach aufgefordert die Leistungen zu erbringen“, sagt Schultze-Berndt. Ohne Erfolg. Die Kündigung wurde ausgesprochen. Die Bezirksstadträtin ergänzt, dass es nicht so einfach sei, als öffentliche Hand einer Firma zu kündigen und somit viel Zeit vergehen könne. Und genau das sei passiert – das Prozedere war bereits im vergangenen Jahr.

Bezirk arbeitet parallel an mehreren Baustellen

Für den Bereich Heizung hat sich gar keine Firma gemeldet. Der Auftrag musste neu ausgeschrieben werden – wieder vergeht viel Zeit. Die Vergabe könnte erfolgen, wenn sich zuverlässige Firmen melden, so die Stadträtin. Auch die Feuchtigkeitsschäden im Gebäude durch die Regenfälle werden wohl noch nicht erledigt sein – unter anderem kam es im Jahr 2017 zu Wassereinbrüchen in einigen Klassenzimmern. Es muss eine weitere Untersuchung der Gebäude und Fenster erfolgen, um eine genaue Schadensregulierung vornehmen zu können. „Ich kann daher keine feste Zeit für die Fertigstellung nennen“, bedauert Katrin Schultze-Berndt mit Blick zu der besorgten Mutter. Schließlich könne bei Baumaßnahmen immer etwas Unvorhergesehenes passieren.

Um etwas Zeit aufzuholen, hat der Bezirk parallel eine weitere Baustelle in der Sporthalle eingerichtet. Doch auch dort kam es zu erheblichen Verzögerungen durch die beauftrage Firma. Der Grund: Die Schadstoffentsorgung in der kleinen Halle. Die Richtlinien für die Beseitigung schadstoffbelasteter Baumaterialien sei verschärft worden. Die Entsorgungswege hätten sich verändert, es entsteht wieder eine Zeitverzögerung.

Schultze-Berndt: „Es ist sehr schwierig Fachfirmen zu finden“

Generell sei es nach Angaben der Bezirksstadträtin sehr schwierig Fachfirmen zu finden, besonders für die Gewerke Heizung, Lüftung und Sanitär. „Wir brauchen für diese Ausschreibungen deutlich länger, als es üblich ist“, sagt Schultze-Berndt.

Eine gute Nachricht: Die Trockenarbeiten in den Sanitärenanlagen und den Umkleiden sowie die Arbeiten am Dachstuhl sind abgeschlossen. Ein neues Problem bahnt sich allerdings bereits an. Und zwar müssen die Vorrichtungen für die neuen Fenster erst produziert werden. Auch das werde Zeit kosten. Und dann sei auch noch der Zulieferer für Lüftungsgeräte insolvent gegangen, derzeit könnten keine Zusagen für die Lieferung neuer Geräte gemacht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt viele Probleme auf der Baustelle am Thomas-Mann-Gymnasium, die sich wohl so schnell nicht beheben lassen. Und so werden die Lehrer und Schüler wohl noch etwas länger bei Baulärm unterrichten und lernen müssen.