Reinickendorf
Zweiter Weltkrieg

Informationstafel für Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Bezirk Reinickendorf und die Berliner Unterwelten bieten einen geschichtlichen Hintergrund zu noch existierenden Bunkern.

An der Wittenauer Straße in Reinickendorf stehen zwei unversehrte Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg.

An der Wittenauer Straße in Reinickendorf stehen zwei unversehrte Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf.  Vor genau 80 Jahren ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen, nur ein Jahr später, im August 1940, fielen erstmals britische Bomben auf Berlin. Viele Menschen suchten in dieser Zeit Zuflucht in Bunkern, die in Gegenreaktion auf den vorherigen Angriff im Rahmen des „Bunkerbauprogramms für die Reichshauptstadt“ errichtet wurden – insgesamt waren es 628 nachweisbare Bunkeranlagen in ganz Berlin.

Auch in Reinickendorf wurden diese Anlagen errichtet. In erster Linie in der Nähe von Gartenkolonien, weil diese keinen Keller als Schutz bieten konnten. Zwei dieser noch existierenden Bunker stehen nahezu unscheinbar an der Wittenauer Straße.

Diese wurden jetzt vom Bezirksamt Reinickendorf in Zusammenarbeit mit den Berliner Unterwelten durch eine Informationstafel sichtbarer gemacht.

„Das hier sind zwei so genannte Hochbunker“, sagt Dietmar Arnold, 1. Vorsitzender Berliner Unterwelten e.V., und zeigt auf ein grau-braunes Gebäude, bei dem bereits der Putz bröckelt und Stahlgitter zum Vorschein bringt.

Die seien wesentlich effektiver gewesen als die Flachbunker, weil mehr Menschen – im Schnitt 500 – Zuflucht fanden. Zudem seien Flachbunker ein städtebaulich unerfreuliches Bild gewesen, von dem man damals Abstand nehmen wollte, wie auf der Informationstafel beschrieben wird.

Auf einer Grafik sind deutlich die Bombenlöcher erkennbar

Dietmar Arnold und seine Mitarbeiter haben die Informationen zu den Bunkern in Reinickendorf geliefert, inklusive einer Karte, auf der sichtbar ist, wo einmal die Bunker im Bezirk standen. „Hier sieht man auch deutlich die Bombenlöcher“, sagt Arnold und zeigt auf die Tafel. Die Gartenkolonie wurde knapp verfehlt und „nur“ ein Feld getroffen.

Es sei nicht einfach gewesen, das Ziel aus acht Kilometern Höhe zu treffen, sagt der Fachmann und erklärt, dass die Angreifer die Bomben beispielsweise in Spandau abgeworfen haben, wenn sie Gesundbrunnen treffen wollten.

Die beiden Hochbunker vom Typ M 500 an der Wittenauer Straße 68/70 und 76/80 wurden unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen errichtet. Sie sind knapp 35 Meter lang und 19 Meter breit. Im Erdgeschoss befanden sich zwei Zugangsschleusen, Räume für den Bunker-Wart und das Luftschutz-Personal sowie Räume für die Technik.

In den beiden oberen Geschossen befanden sich Schlafräume. Die Dächer wurden extra mit Ziegeln eingedeckt, um feindlichen Flugzeugen gewöhnliche Wohnhäuser vorzutäuschen, steht auf der Informationstafel geschrieben.

Bunkeranlagen dienen heute als Lagerstätte

Dietmar Arnold erklärt, dass die beiden Schutzbauwerke nach dem Krieg nicht wie üblich von den Alliierten gesprengt, sondern von den Franzosen als Lagerstätte von Lebensmitteln genutzt wurden. Heute verwenden die Bunker verschiedene Unternehmen als Lagerfläche.

Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU), zuständig für Bauen, Bildung und Kultur, ist es wichtig, auf die Bauwerke aufmerksam zu machen, an denen die meisten Menschen wohl ahnungslos vorbeigehen. „Im Museum Reinickendorf wird in Zusammenhang mit den Bunkern die Geschichte der Jüdin Ruth Winkelmann erzählt, die genau hier Schutz gesucht hat“, sagt Schultze-Berndt. Durch den persönlichen Bezug soll die Geschichte wieder erlebbarer gemacht werden.

Operationsbunker bekommt auch eine Informationstafel

Deshalb ist auch geplant den einzigen noch existierenden Operationsbunker an der Teichstraße mit einer Informationstafel zu versehen. „Der sieht genau so aus wie damals“, sagt der Vorsitzender von Berliner Unterwelten. Wie auch die beiden Hochbunker, ist der Operationssaal denkmalgeschützt. Dieser Bunker ermöglichte Notoperationen auch während der Fliegerangriffe. Die meisten dieser 25 Operationsbunker wurden inzwischen umgebaut oder abgerissen, nicht so auf dem Gelände des ehemaligen Humboldt-Krankenhauses.