Reinickendorf
Gartenprojekt

Wie Flüchtlinge an der Bernauer Straße eine Oase erschaffen

In der Gemeinschaftsunterkunft an der Bernauer Straße haben Flüchtlinge eine Oase mit Gemüsebeeten und Insektenhotels geschaffen.

Der Leiter der Gemeinschaftsunterkunft an der Bernauer Straße, Stefan Ehrhardt (r.), erklärt Kerstin Ewert, Geschäftsführerin Internationaler Bund Berlin-Brandenburg, Hinrich Westerkamp (Grüne Reinickendorf) und Renate Künast (Grüne MdB) das Gartenprojekt (v.l.n.r.).

Der Leiter der Gemeinschaftsunterkunft an der Bernauer Straße, Stefan Ehrhardt (r.), erklärt Kerstin Ewert, Geschäftsführerin Internationaler Bund Berlin-Brandenburg, Hinrich Westerkamp (Grüne Reinickendorf) und Renate Künast (Grüne MdB) das Gartenprojekt (v.l.n.r.).

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Mina ist stolz, wenn sie auf ihr Beet schaut. Die 13-Jährige grinst, als sie eine neue Tomate an dem Strauch entdeckt. „Die werden täglich gegossen“, versichert sie. Noch vor einiger Zeit war der heute grüne und einladende Bereich auf dem Grundstück der Gemeinschaftsunterkunft an der Bernauer Straße eine triste Fläche aus Sand und Erde. Durch den meterhohen Metallzaun hatte sie gleichzeitig etwas Bedrohliches. Mittlerweile ist der Garten kaum noch wiederzuerkennen. Ein Grund für Renate Künast (Grüne) und weitere Grüne-Politiker, sich das Projekt einmal anzusehen.

"Weißt du, was das ist?“, möchte Renate Künast wissen und zeigt auf eine Pflanze mit einer kleinen Frucht. Die Kinder überlegen kurz. „Eine Aubergine?“, rät Mina. Damit liegt sie goldrichtig.

Die Politikerin versteht sich von Anfang an mit den Kindern, lässt sich von ihnen und Unterkunftsleiter Stefan Ehrhardt alles rund um das Projekt „Sonnengarten – Interkultureller Nachbarschaftsgarten“ und die Unterkunft erklären, die im Februar 2017 eröffnet wurde und vom Internationalen Bund Berlin-Brandenburg (IB) betrieben wird.

Zwölf Hochbeete mit Gemüse und Kräutern

Zwölf Hochbeete sind seit Beginn des Gartenprojektes im März dieses Jahres gemeinsam gebaut worden. „Wir haben das Ziel, dass einmal rundum Hochbeete stehen sollen“, sagt Ehrhardt. Das Interesse der Bewohner sei jedenfalls da.

„Jeder betreut sein eigenes Beet, manchmal haben sich Familien auch zusammengetan“, erklärt der Unterkunftsleiter, während er Renate Künast entlang der Beete führt, die alle farbenfroh bemalt wurden. Die staunt nicht schlecht, was alles angebaut wird. Von Paprika, Tomaten, Auberginen bis hin zu allerlei Kräutern wie Petersilie, Schnittlauch und Rosmarin ist alles dabei. „Im Herbst planen wir ein Erntedankfest, dann wollen wir mit dem Gemüse etwas kochen“, sagt die stellvertretende Leiterin Anna Moderow.

Gartenprojekt wurde durch Förderung realisiert

Für die Kinder gibt es eine Schaukel und ein Klettergerüst, für die Älteren viele Sitzgelegenheiten. Um den bedrohlich wirkenden Zaun zu verschönern, der vom Landeskriminalamt vorgeschrieben wurde, um die

Bewohner im Inneren zu schützen, haben einige der 190 Bewohner in Zusammenarbeit mit dem Medienkompetenzzentrum meredo große Bilder mit Motiven ihrer Wahl gemalt – natürlich auch alle farbenfroh.

„Ich habe in dem Gartenprojekt einiges gelernt“, sagt Mina, die vor etwas mehr als zwei Jahren mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Berlin gekommen ist. Auch, dass das Pflanzen von Gemüse und Kräutern gar nicht so einfach sei.

-Ein Teil des Projektes sind auch Insektenhotels, die auf einer eigenen Wiese stehen. In den kommenden Wochen sind noch weitere Hochbeete geplant, aber auch ein Sonnensegel, damit sich die Bewohner nicht in die pralle Sonne setzen müssen. Finanziert wurde das Gartenprojekt durch eine Förderung der Postcode Lotterie in Höhe von 18.000 Euro.

Kommunikation ist am wichtigsten

Bei einem Blick über das Gelände fällt auf, dass es sehr sauber und gepflegt ist. „Unser Hausmeister ist sehr engagiert“, sagt Stefan Ehrhardt. Aber auch die Bewohner achten selbst darauf, dass nichts liegen bleibt, sagt er. „Wichtig ist es, mit ihnen zu kommunizieren. Sie verstehen die deutsche Mülltrennung noch nicht. Das ist aber auch nicht schlimm, so lange man mit ihnen redet und es erklärt“, sagt Ehrhardt.

Viel wichtiger sei es, auf den einzelnen Menschen einzugehen und ihm das Gefühl zu geben, keine Nummer zu sein. „Wir bauen eine Beziehung auf, damit sich die Menschen gesehen fühlen“, sagt der Leiter. Es ist nicht nur auf dem Papier eine Gemeinschaftsunterkunft. Die Verantwortlichen achten darauf, dass eine Gemeinschaft entsteht.