Reinickendorf
Auszeichnung

Mit zwölf Jahren für den Deutschen Lesepreis nominiert

Mirai Mens aus Pankow schreibt Rezensionen über Kinder- und Jugendbücher. Dafür wird sie vielleicht bald ausgezeichnet.

Umgeben von vielen Büchern – da fühlt sich Mirai Mens am wohlsten. So wie in der Buchhandlung „Buchsegler“ in Pankow.

Umgeben von vielen Büchern – da fühlt sich Mirai Mens am wohlsten. So wie in der Buchhandlung „Buchsegler“ in Pankow.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Wenn Mirai Mens anfängt über Bücher zu reden, dann ist sie voll in ihrem Element und kaum zu stoppen. Die 12 Jahre alte Schülerin des Humboldt-Gymnasiums in Tegel liest Bücher nicht einfach nur, sie verschlingt sie. Zehn bis 20 Bücher im Monat schafft Mirai locker, 150 Seiten in einer Stunde sind für sie nach eigenen Angaben kein Problem.

Dieses Pensum war für die Eltern eine Herausforderung, schließlich „musste immer neuer Stoff her“, wie Mutter Fenja Mens sagt. Doch die anfängliche Leidenschaft ist schon längt professionalisiert – mit einem eigenen Instagram-Account (@lesehexemimi) und einem Blog (www.lass-mal-lesen.blog) informiert sie ihre Anhänger über die neusten Kinder- und Jugendbücher. Für dieses Engagement ist die Achtklässlerin in der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“ für den Deutschen Lesepreis 2019 nominiert.

Von der Nominierung total überrascht

„Ich war total überrascht, als ich von der Nominierung erfahren habe und kann es immer noch kaum glauben“, sagt Mirai und strahlt dabei. „Schließlich haben sich fast 700 Menschen beworben, das sind mehr als jemals zuvor.“

Auf der Liste der Nominierten stehen aber gerade einmal 48 Menschen, Schulen, Bibliotheken oder Initiativen. Wer sich ihren Blog anschaut, der versteht, warum das Mädchen nominiert ist. Er bietet eine Bandbreite an Buchempfehlungen, aber auch Kritiken, Interviews mit Autoren und ihre Erfahrungsberichte von Buchmessen.

Heute bekommt Mirai die Bücher von Verlagen geschickt

Aber wie kommt eine Zwölfjährige auf die Idee, zu bloggen und Rezensionen zu veröffentlichen? „Meine Eltern haben mir immer vorgelesen, das wollte ich irgendwann aber selbst können“, erinnert sich Mirai. In der ersten Klasse konnte sie bereits lesen, „mit sieben war ich schon süchtig“. Ihre Eltern mussten jeden zweiten Tag losziehen und Bücher ausleihen. Kaufen war zu diesem Zeitpunkt schon keine Option mehr – denn: wohin mit all den Büchern?

Auch lohnt der Kauf bei Mirais Lesegeschwindigkeit kaum. Die Buchhandlung „Buchbox“ in Prenzlauer Berg, wo Mirai mit ihren Eltern und ihrer Schwester Juna bis vor fünf Jahren gelebt hat, bietet an, Mitglied der „Lesekinder“ zu werden – so kann sie sich Bücher kostenfrei ausleihen, wenn sie eine Rezension schreibt. Heute lebt die Familie in Pankow. Die Buchhandlung „Buchsegler“ bietet ein ähnliches Konzept an, für Mirai perfekt.

„Inzwischen muss ich mir aber nur noch selten Bücher ausleihen, denn ich bekomme die mittlerweile von Verlagen geschickt“, sagt sie. Die Bücher stellt sie dann auf ihrem Blog vor – und scheut sich auch nicht zu schreiben, wenn ihr ein Buch nicht gut gefallen hat. Zum Bloggen kam sie eher spontan, als sie eine Autorin interviewt hat, aber nicht wusste, wohin mit den Informationen – ihr eigener Blog war geboren.

Neben dem Lesen bleibt auch Zeit zum Chillen

Wenn ihre Schulkameraden auf dem Smartphone spielen oder Videoclips angucken, blättert Mirai in ihren Büchern. Das Smartphone nutzt sie auch, aber eher, um ein neues Foto für Instagram hochzuladen und ihren mittlerweile 2000 Anhängern beispielsweise das neuste Buch zu präsentieren.

Eine Außenseiterin sei sie aber nicht, im Gegenteil: „Die Mitschüler finden es cool, was ich mache.“ Außerdem sei sie vielseitig interessiert, programmiere auch gerne und sei Rettungsschwimmerin in der DLRG. Zeit zum „Chillen“ sei auch immer noch da.

Gastautoren schreiben für ihren Blog

Aber zurück zu den Büchern – Mirais größte Leidenschaft. In ihrem Blog ist sie auf einem Foto abgebildet, auf dem sie ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift „Just one more chapter“ (übersetzt: Nur noch ein Kapitel) – dieser Spruch beschreibt Mirai perfekt. Sie liest, wann immer sie Zeit hat, „wenn es besonders spannend ist auch in der Schule“, sagt sie. Dann laufe sie auch lesend über den Flur. Nur Thriller und Pferdebücher mag sie nicht so gerne. „Aber dafür habe ich ja meine Gastautoren“, sagt sie.

Mittlerweile sind es sechs Kinder, die ebenfalls Rezensionen schreiben, die auf ihrem Blog veröffentlicht werden. Ihr Können hat sich rumgesprochen: Sie bekommt sogar Manuskripte von Autoren zugeschickt. „Die lese ich ganz genau und sage, was mir nicht gefällt oder unlogisch erscheint“, sagt Mirai. Es sind noch einige Projekte in Planung, verraten darf sie aber noch nichts.

Bis zum 14. September erfährt Mirai, ob sie zu den Preisträgern des Deutschen Lesepreises in ihrer Kategorie gehört – und am 6. November bei der feierlichen Preisverleihung mit auf der Bühne stehen darf. Sie kann es jetzt schon kaum abwarten.