Reinickendorf
Kinderoper

Von der Schul-AG auf die große Opernbühne

In Reinickendorf wurde die vierte Kinderoper in Berlin eröffnet. Kinder erlernen dort Singen und Tanzen, aber auch soziale Kompetenzen.

Das Ensemble präsentierte ihr erstes Stück – eine Kombination aus den Märchen Schneewittchen und Rotkäppchen.

Das Ensemble präsentierte ihr erstes Stück – eine Kombination aus den Märchen Schneewittchen und Rotkäppchen.

Foto: Susanne Kollmann

Professionell sagen Jakob und Melina ihren Text auf, singen und tanzen mit den anderen Kindern. Sie haben sichtlich Spaß dabei. Die Aufregung merkt man den beiden Neunjährigen während der Aufführung nicht an. Und das, obwohl Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU), weitere Politiker, Vertreter der Staatsoper Berlin wie Intendant Matthias Schulz und zahlreiche Eltern ihnen zuschauen. „Es fühlt sich gut an, wenn man am Ende ganz viel Applaus bekommt“, sagt Jakob. Und den bekommen die Kinder für ihre Darbietung reichlich – eine Kombination mehrerer Märchen wie Schneewittchen und Rotkäppchen. Der Tag ist ein besonderer, und das wissen die Kinder. Sie alle sind stolz, Teil des Ensembles der ersten Kinderoper in Reinickendorf zu sein, die in dem Moment des Applauses offiziell eröffnet ist.

Das Kinderopernprojekt wurde 2010 als Initiative der Staatsoper Berlin, des Caritasverbands für das Erzbistum Berlin e.V. sowie des Bezirks Lichtenberg gegründet und ist seit einem Jahr in der Trägerschaft der Staatsoper Unter den Linden. Die Idee dafür hatte Regina Lux-Hahn, die auch heute noch das Projekt leitet. Alles beginnt in einer AG an der Schule. „So bekommen die Kinder den ersten Kontakt zur Oper“, sagt Lux-Hahn.

In Reinickendorf gibt es diese AGs seit dem vergangenen Jahr an der Gustav-Dreyer-Grundschule in Hermsdorf und der Lauterbach Schule im Märkischen Viertel. 20 der Kinder bilden von nun an das Ensemble der Kinderoper, die ihren Sitz in Hermsdorf hat – auf dem Gelände der Gustav-Dreyer-Grundschule hat der Bezirk für diese musiktheaterpädagogische Arbeit in Zusammenarbeit mit der Musikschule ein renoviertes Gebäude für die vierte Kinderoper in Berlin zur Verfügung gestellt.

Gefördert wird das Kinderopernhaus Berlin durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung als strukturbildendes stadtweites Projekt und über die beteiligten Bezirke, Sponsoren und Eigenmittel der Staatsoper kofinanziert.

Auf spielerische Art Berührungsängste abbauen

Die Kinder der vierten Klassen werden in wöchentlich stattfindenden Proben von drei Musiktheaterpädagoginnen in Darstellendem Spiel und Gesang unterrichtet sowie sozialpädagogisch

begleitet. „Man kann Kinder nie früh genug mit Klassischer Musik und Oper in Berührung bringen. Das Kinderopernhaus baut auf ganz spielerische Weise Berührungsängste ab und begeistert“, sagt der Intendant der Staatsoper Unter den Linden, Matthias Schulz. „Die Erfahrung zeigt, wie positiv sich Musik auf die Entwicklung der Kinder auswirkt: Sprachkompetenz, Konzentration und kreative Fähigkeiten werden gefördert, das Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen gestärkt – das sind nur einige Beispiele“, sagt Schulz.

Ganz besonders liege ihm bei Projekten wie dem Kinderopernhaus auch die Vernetzung mit den Berliner Bildungsinstitutionen in den Bezirken am Herzen, um bereits vor Ort die Kinder zu erreichen.

„Der Spaß steht aber immer ganz klar im Vordergrund“, versichert die Projektleiterin Regina Lux-Hahn. Wer den Willen zeige, dass er ins Ensemble der Kinderoper möchte, dem wird niemand im Weg stehen. Die Leistung sei erst einmal zweitrangig. „Es geht nicht darum, wer besonders gut singen und tanzen kann“, sagt Lux-Hahn. Es würde auch niemand an die Schule kommen und ein Casting veranstalten. Vielmehr werden die Kinder von der AG-Leitung empfohlen. Im Ensemble Fuß gefasst, werden die Kinder nach allen Möglichkeiten gefördert.

Das Ensemble hat eine eigene Hymne einstudiert

Melina freut sich auf diese Zeit, denn ihr Traum ist es, in der Zukunft auf der ganz großen Bühne zu stehen. „Ich habe schon immer viel getanzt und gesungen“, sagt die neunjährige Grundschülerin, „ich habe eine CD, auf der nur Melodien sind, den Text denke ich mir dazu aus und singe.“ Dass sie gerne singt, merkt das Publikum, während sie mit den anderen die Hymne präsentiert, die eigens einstudiert wurde. „Die singen wir vor jeder Probe“, sagt Melina. Das soll nach Angaben der Projektleiterin auch das Gemeinschaftsgefühl stärken. „Das klappt, wenn sie gemeinsam Oper machen. Niemand weiß, woher die Kinder kommen. Es ist dann: das Ensemble“, sagt Regina Lux-Hahn.

Die Staatsoper Unter den Linden dürfte es freuen: Der Nachwuchs steht in den Startlöchern. „In der Regel ist es so, dass Kindern, die Kontakt zur Oper haben, dieser Bezug auch im erwachsenen Alter bleibt“, sagt Intendant Matthias Schulz, der sich freuen würde, in einigen Jahren viele Gesichter in der Staatsoper wiederzusehen.

Kommendes Jahr ist im Fontanehaus der erste Auftritt

Jetzt heißt es für die Kinder aber erst einmal: üben, üben, üben. Denn voraussichtlich im Mai oder Juni 2020 werden sie im Fontanehaus das Stück aufführen, das sie jetzt einstudieren wollen. Der genaue Titel steht noch nicht fest. Nur so viel: Es geht um Mozart. Jakob jedenfalls freut sich riesig auf die kommenden Monate, ganz besonders aber auf den langen Applaus, den er und die anderen Kinder mit Sicherheit bekommen werden.