Reinickendorf
Elterntaxis

Elterntaxis sind in Frohnau eine Gefahr für die Schüler

Das Ordnungsamt kontrolliert regelmäßig und belehrt die Eltern, die ihre Kinder bis vor die Tür der evangelischen Schule zu fahren.

An der evangelischen Schule Frohnau fahren viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Das kann mitunter gefährlich werden

An der evangelischen Schule Frohnau fahren viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Das kann mitunter gefährlich werden

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Nach und nach halten Autos auf der Straße Sigismundkorso. Nicht etwa wegen einer roten Ampel, sondern, damit die Fahrer ihre Kinder aussteigen lassen können. Es ist kurz vor acht Uhr, der Unterricht beginnt bald, die Zeit drängt. Je mehr der Zeiger Richtung volle Stunde wandert, desto hektischer wird es vor der Grundschule der evangelischen Schule Frohnau – ein paar Meter weiter am Gymnasium ist es ruhiger.

Und weil es sehr oft auch zu gefährlichen Situationen kommt, ist das Ordnungsamt das ganze Jahr über vor den Schulen in Reinickendorf im Einsatz – in erster Linie vor den Grundschulen und zum Schulbeginn, weil es für viele Eltern das erste Mal ist, dass sie ihr Kind zur Schule bringen. „Ich finde das richtig gut“, sagt eine Anwohnerin, „es ist unmöglich, wie sich manche mit ihren Autos hierhin stellen.“ Das Verhalten vieler Eltern empfindet sie als egoistisch, „beschimpft werde ich auch , wenn ich sage, dass das so nicht geht, weil ich mit meinem Auto nicht mehr aus meiner Einfahrt komme“, sagt die ältere Dame. Sie lebt seit 12 Jahren dort, jeden Morgen gebe es den selben Ärger.

Einige Eltern freuen sich über die Kontrolle

Kaum ausgesprochen passiert es: Zwei Pkw möchten in die Straße An der Buche einbiegen, ein anderes möchte auf die Hauptstraße, wo gerade ein Bus versucht sich um einen Transporter zu schlängeln, weil im Vorgarten eines Nachbarhauses die meterhohe Buche gefällt wird. Die Straße In der Buche ist aber viel zu eng, ein schnelles ein- und ausfahren unmöglich. Zwischendrin: Kinder auf Fahrrädern oder mit ihren Eltern zu Fuß unterwegs. Es ist ein richtiges Gewusel. „Ich finde es klasse, dass Sie hier kontrollieren“, sagt eine Mutter zum Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die ihren Sohn zu Fuß bringt. „Sie sehen ja, was hier los ist.“ Sie verstehe nicht, warum Eltern ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren möchten. „Ich kann verstehen, dass Eltern vor der Arbeit die Kinder zur Schule bringen, aber man kann die Kleinen auch ein paar Meter laufen lassen“, findet die Mutter. Sie selbst bringt ihren Sohn bis zum Schulhof, weil er zwar rechnen könne wie ein Weltmeister, bei der Beachtung des Verkehrs aber noch so seine Probleme habe.

„Ein paar Meter laufen schadet den Kindern nicht“

Und genau das ist auch das Ziel des Ordnungsamtes. Nämlich die Eltern genau darauf hinzuweisen, dass ein paar Meter laufen nicht schaden würden. „Außerdem lernen die Kinder so, wie man sich im Verkehr richtig verhält“, sagt Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD). Er wisse von seinen Mitarbeitern, dass es meist bei Gesprächen mit den Eltern bleibe. Beleidigungen würden aber auch nicht ausbleiben, was dann eine Anzeige wegen Beleidigung und ein paar Hundert Euro mit sich zöge. „Bleibt jemand auf der Straße stehen und ist somit eine Behinderung für andere, würde diese Ordnungswidrigkeit 35 Euro kosten“, sagt Maack.

Schulleiterin spricht Eltern morgens direkt an

Die Schulleiterin der evangelischen Schule Frohnau ist selbst morgens hin und wieder vor Ort, spricht die Eltern direkt an. „Ich muss sagen, dass es schon wesentlich ruhiger geworden ist, seitdem der Zebrastreifen hier direkt vor der Tür ist“, sagt Christine Behnken. Vorher waren dort Schülerlotsen tätig, die seien allerdings öfter übersehen worden, was zu Diskussionen zwischen Eltern und Lotsen geführt habe.

Schule für Projekt „Kiss and Go“ ein

Gemeinsam mit Lehren und Eltern hat sich die Schulleiterin das Projekt „Kiss and Go“ überlegt. Jedes Kind, das von den Eltern einige Meter entfernt verabschiedet wird und den Rest zur Schule läuft, bekommt einen Stempel – dafür stehen dann Eltern an diesen Punkten und vergeben das Zeichen. Die Kinder seien sehr stolz, wenn sie wieder einen Stempel ergattern konnten. „Es gibt aber auch die Unbelehrbaren“, weiß Schulleiterin Behnken. „Gegen eine Mutter habe ich einmal ‘scharf geschossen’ und eine Bannmeile ausgesprochen. Ich weiß, dass ich das nicht kann, aber es hat geholfen“, sagt Behnken und lacht. Sie ist froh, dass Ordnungsamt Präsenz zeigt, sagt sie, „die Eltern lernen dann am meisten.“