Luftverkehr

Air-Berlin-Pleite senkt Lärm am Flughafen Tegel - ein wenig

Rund um den Flughafen Tegel ist es minimal ruhiger geworden. Der Grund: Weniger Langstreckenflüge nach der Insolvenz von Air Berlin.

Flugzeugstart am Flughafen Tegel.

Flugzeugstart am Flughafen Tegel.

Foto: dpa

Berlin. Das Ende von Air Berlin hat den Fluglärm rund um den Flughafen Tegel etwa reduziert. Die durchschnittliche Belastung erreichte im vergangenen Jahr tagsüber 64,9 Dezibel, wie aus einem aktuellen Bericht der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) hervorgeht. Der sogenannte Dauerschallpegel lag damit ein halbes Dezibel niedriger als im Vorjahr. Mit Air Berlin seien im Herbst 2017 in Tegel auch viele Langstreckenverbindungen verschwunden, für die größere und lautere Flugzeuge eingesetzt werden, heißt es in dem Bericht.

Am Flughafen Schönefeld ist die Lärmbelastung der Anrainer dagegen nahezu gleich geblieben. Auch ein Grund dafür, dass die Anwohner seit Jahren vehement für eine Ausweitung des geplanten Nachtflugverbots am künftigen BER kämpfen, der nicht nur in Schönefeld (Dahme-Spreewald) angesiedelt ist, sondern auch die Start- und Landebahn des bisherigen Flughafens mit dem Kürzel SXF weiter nutzen wird.

Gebührenmodell soll leises Fliegen belohnen

Viele Bewohner befürchten, dass nach der für Oktober 2020 geplanten BER-Eröffnung nicht nur die Anzahl von Flugbewegungen, sondern auch die Lärmbelastung stark steigen wird. Bislang plante die FBB, mit gestaffelten Start- und Landegebühren zwischen 40 und 7500 Euro pro Flugbewegung die Airlines zu leiserem Fliegen zu veranlassen. Das Gebührenmodell, für das bei jedem Flug der Start- und Landelärm gemessen wird, soll leises Fliegen belohnen, laute Starts und Landungen hingegen finanziell bestrafen. In den Randzeiten des Flugbetriebs morgens von 5 bis 6 Uhr sowie abends von 22 und 24 Uhr sollen die Gebühren demnach deutlich höher ausfallen als in den Kernzeiten.

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Doch nun hat die Fluglärm-Debatte plötzlich eine andere Richtung bekommen. Erstmals signalisierte der Berliner Senat, auf die Forderung Brandenburgs nach einer Ausweitung der Nachtruhe am neuen Hauptstadtairport eingehen zu wollen. Die Gesellschafterversammlung der FBB, die am Donnerstag in Potsdam turnusmäßig tagte, erteilte der Flughafengesellschaft den Auftrag, bis Jahresende ein Konzept zum besseren Schutz der Nachtruhe am BER zu erstellen. Geprüft werden soll insbesondere, wie von 5 bis 6 Uhr Flüge vermieden werden können.

Für Brandenburgs SPD-geführte Regierung ist dies kurz vor der Landtagswahl am 1. September ein wichtiger politischer Erfolg. Hatte sich doch der Landtag nach einem erfolgreichen Volksbegehren gegen Nachtflüge am BER für eine Ausweitung des geplanten Nachtflugverbots auf die Zeit von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ausgesprochen. Bislang ist am BER lediglich ein Flugverbot für die Zeit von Mitternacht bis 5 Uhr morgens geplant. In den Tagesrandzeiten von 22 bis 24 Uhr sowie von 5 bis 6 Uhr sind dagegen täglich bis zu 71 Flugbewegungen erlaubt. Diese Regelung wurde nach Klagen von betroffenen Anwohnern und Gemeinden vom Bundesverwaltungsgericht im Oktober 2011 auch letztinstanzlich bestätigt.

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„Ich freue mich, dass sich Berlin jetzt auf die Seite Brandenburgs und der Anwohner des BER stellt“

Mit Verweis auf die höchstrichterliche Bestätigung, vor allem aber aus Sorge um die Wirtschaftlichkeit des BER hatten die Flughafen-Mitgesellschafter die Brandenburger Forderung stets abgelehnt. Während der Bund bei seinem Nein blieb, lenkte Berlin nun ein. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wertete die geplante Prüfung als Erfolg. „Ich freue mich, dass sich Berlin jetzt auf die Seite Brandenburgs und der Anwohner des BER stellt“, sagte er. „Der Beschluss ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg für eine zusätzliche Stunde Nachtruhe von 5 bis 6 Uhr.“

Bei den Wirtschaftsvertretern kommt das nicht gut an. Bereits die aktuelle Regelung für die Tagesrandzeiten seien ein Ausgleich zwischen den Interessen der Anwohner und der Airlines, heißt es in einer Erklärung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). „Es darf nicht sein, dass die Region in Zukunft schlechter erreichbar ist als heute“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Wer die Start- und Landezeiten antaste, gefährde zudem die Wirtschaftlichkeit des neuen Flughafens, warnten die Verbände. „Die Milliarden-Investition in den BER müssen sich für den Steuerzahler rechnen. Zusätzliche Hürden für den Flugverkehr können zu Schäden in dreistelliger Millionenhöhe führen“, so Amsinck.