Reinickendorf
Bauprojekt

Countdown für das Tegel-Center

Die Reinickendorfer Flaniermeile Gorkistraße sollte schon fertig sein. Doch es kam zu Verzögerungen. Jetzt soll es 2020 soweit sein.

Die Baustelle des Tegel-Centers in der Gorkistraße. Der Großteil des Projektes ist immer noch im Rohbau.

Die Baustelle des Tegel-Centers in der Gorkistraße. Der Großteil des Projektes ist immer noch im Rohbau.

Foto: David Heerde

Berlin. Vor mehr als zwei Jahren haben Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) und Investor Harald Huth von der High Gain House Investment (HGHI Holding GmbH) die Pläne für das neue Tegel-Quartier und die Umgestaltung der Gorkistraße vorgestellt. Das Ziel: Die 1972 errichtete 250 Meter lange Flaniermeile soll innerhalb von zwei Jahren umfangreich verschönert werden. Diese Zeit ist mittlerweile vergangen, der Großteil des Projektes ist immer noch im Rohbau. Was ist passiert?

Kurz nach der Verkündung im Januar 2017 rollten die Bagger an und rissen den gesamten Nord-Komplex nieder – das Parkhaus war weg. Anschließend wurde die Verbindungsbrücke vom Nord- zum Süd-Komplex mit dem unübersehbaren orangefarbenen Schriftzug „Tegel-Center“ abgerissen, danach folgte die Beseitigung des zweiten Komplexes bis hin zum ehemaligen Hertie-Haus an der Berliner Straße. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten alle: Hier wird sich etwas verändern. Schon damals war klar, dass Karstadt seit mehr als 30 Jahren wieder eine Filiale eröffnen wird – für viele Reinickendorfer war das die beste Nachricht.

Baufirma gab den Auftrag ab – 42 Wochen Verzögerung

Doch so reibungslos verliefen die Bauarbeiten nicht. Erst waren es ehemalige Mieter, die ihr Geschäft nicht räumen wollten, weswegen die Bauarbeiten stockten. Vor einem Jahr stand das Projekt in den Schlagzeilen, weil die Baufirma CEC sich wegen angeblich ausstehender Löhne geweigert hatte, weiter zu arbeiten – der Protest der Bauarbeiter blieb aber unbegründet, HGHI hat nachweislich die Rechnungen pünktlich bezahlt, räumte auch die Baufirma ein. Es wurde weiter zusammengearbeitet, einer Eröffnung im Sommer 2019 stand zu dem Zeitpunkt nichts im Wege.

Letztendlich gab es doch kein glückliches Ende. „Die Firma CEC Bau GmbH hatte uns mitgeteilt, dass sie kein Interesse hat, den Auftrag zu erfüllen und ist von der Baustelle abgezogen. Infolgedessen mussten wir den Vertrag kündigen“, sagt Unternehmenssprecher Mirco Hillmann. Dadurch sei ein Verzug von 42 Wochen entstanden. „Wir versuchen nunmehr die Bauleistung unabhängig von CEC mit anderen Firmen zu erbringen. Das Ganze hat auf jeden Fall erheblich Zeit gekostet“, sagt der Sprecher.

Grämen will sich bei HGHI aber niemand, der Investor schaut nach vorne. „Im Bauteil Nord sind kürzlich die Arbeiten zur Anbringung der Natursteinfassade am Gebäude von Galeria Karstadt Kaufhof abgeschlossen worden. Auf dem Dach ist die Montage der Stahltürme erfolgt“, heißt es seitens des Investors. Ebenso würden die Arbeiten im Innenbereich weiter voranschreiten – Rolltreppen und Glasgeländer wurden installiert. „In den nächsten Wochen liegt unser Fokus auf die Fertigstellung des Rohbaus und den Innenausbau“, heißt es weiter.

Die ersten großen Mieter werden schon genannt

Geplant ist, dass die Galeria Karstadt 2020 eröffnen wird. Den konkreten Übergabetermin hält der Investor in enger Abstimmung mit dem Warenhaus flexibel. Der Termin hänge in erster Linie von den beauftragten Baufirmen ab, die sich mitunter schwer tun, sich an die eigenen Terminpläne gemäß der abgestimmten Verträge zu halten.

Im Bauteil Süd schreiten die Betonierarbeiten voran. So sind im Untergeschoss und Erdgeschoss die Bodenplatten und Wände betoniert. Im nächsten Schritt ist die Fertigstellung der Sole, die Abschaltung der Wasserhaltung und der weitere Ausbau geplant.

Damit der Plan der Fertigstellung des Tegel-Quartiers im Jahr 2021 eingehalten werden kann, laufen die Arbeiten auf der Baustelle an der Gorkistraße auf Hochtouren. Wenn es fertig ist, kann sich die alte neue Einkaufsstraße sehen lassen, der Investor bezeichnet das Projekt immerhin als „Berlins schönste Fußgängerzone“. „Uns fasziniert die Idee, die Gorkistraße als urbane Einkaufsstraße völlig neu zu definieren und den in die Jahre gekommenen Standort neu zu beleben. Unser Anspruch ist es, Berlins schönste Fußgängerzone zu schaffen, die sich gegen jedes etablierte Einkaufs­zentrum behaupten kann“, sagte Harald Gerome Huth, Inhaber und Geschäftsführer der HGHI Holding GmbH, während der Grundsteinlegung unter anderem gemeinsam mit Stephan Fanderl (Vorstandsvorsitzender der Karstadt Warenhaus GmbH), im Sommer 2018.

50.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, 100 Geschäfte, eine Markthalle mit 40 Ständen, 12.000 Quadratmeter Bürofläche sowie 600 Stellplätze für Pkw und 200 für Fahrräder. Reinickendorfer beklagen die geringe Anzahl der Parkplätze in Relation zu den Besuchern. Der Investor sagt, sie reichen aus. Letztendlich muss es die Praxis im Einkaufsalltag zeigen.

Fast alle Stände der Markthalle sind bereits vermietet und auch bei den Geschäften werden schon einige Mieter genannt. So werden neben Ankermieter Galeria Karstadt, die auf fünf Etagen vertreten sein wird, Rewe, Kik, Deichmann, Mc Paper, DM, Apollo, Tchibo und O2 einziehen.