Reinickendorf
Bauprojekte

Bauboom in Reinickendorf: Tausende Wohnungen entstehen

Ob Einkaufscenter, Wohnung oder historische Villa: Im Bezirk wird überall saniert und neu gebaut. Ein Überblick über die Projekte.

Vonovia wird den Ziekowkiez in den kommenden Jahren umbauen.

Vonovia wird den Ziekowkiez in den kommenden Jahren umbauen.

Foto: Vonovia

Reinickendorf. Es wird gegraben, gehämmert, gebohrt und tonnenweise Beton verarbeitet. Und das mittlerweile gefühlt an jeder Ecke im Bezirk. Überall wird gebaut – von Eigentums- und Mietwohnungen über Einfamilienhäuser bis hin zu Kitas und Einkaufscentern ist alles dabei. Es entstehen neue Gebäude, es werden aber auch historische Villen saniert. Hier ein Überblick über aktuelle Projekte, aber auch über solche, die in naher Zukunft starten.

Zwei Einkaufscenter sind die größten Bauprojekte in Reinickendorf

Die wohl größten Projekte dürften die beiden Einkaufscenter Märkisches Zentrum und Tegel-Center sein. Der Investor Kintyre plant etwa die komplette Neugestaltung und Sanierung des Einkaufscenters und seiner Umgebung als eine zusammenhängende Shopping Mall, die neue und bestehende Gebäude vereint. Das Ergebnis soll ein einheitliches und strukturiertes Quartier sein – mit klarer Wegeführung sowie einer Konzentration von Wohnen, ärztlicher Versorgung, Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten. 300 Mietwohnungen werden entstehen.

Parallel baut die HGHI Holding GmbH derzeit das neue Tegel-Center mit 100 Geschäften, dazu 12.000 Quadratmeter Bürofläche sowie 600 Pkw- und 200 Fahrrad-Stellplätze. Eines haben beide Projekte gemein: Die Markthalle soll der zentrale Bestandteil werden.

In Tegel soll der Ziekowkiez mit 600 neuen Wohnungen entstehen

Das wohl größte Wohnprojekt dürfte derzeit aber Vonovia entlang der Ziekowstraße planen. Bis zu 600 Wohnungen sollen gebaut werden und somit der „Ziekowkiez“ in Tegel entstehen. Außerdem werden 1100 Bestandswohnungen aus den 1950er-Jahren energetisch modernisiert, die Infrastruktur verbessert und die Grünflächen neu gestaltet, auch einen Supermarkt und eine Kita soll es geben. Es werde ein Kiez für alle, so Vonovia – für Familien, Alleinstehende und Senioren. Derzeit besteht die Wohnsiedlung größtenteils aus Zweizimmerwohnungen. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern.

Es wird nicht nur neu gebaut, sondern auch viel saniert

Als besonderes Projekte kann man wohl die historischen Villen am Waidmannsluster Damm im gleichnamigen Ortsteil bezeichnen. Sie wurden teilweise schon saniert oder werden es derzeit. Die ursprünglichen Bauwerke sind um 1900 entstanden. Das imposante rote Haus mit der herrschaftlichen Außenfassade und den verschnörkelten französischen Balkonen ist mittlerweile entkernt und das Dach abgetragen – alles wird von Grund auf erneuert. Entstehen werden dort neun Eigentumswohnungen.

Die Investoren hatten Ende dieses Jahres für die Fertigstellung angegeben – wenn nichts dazwischenkommt. Das Haus stand 15 Jahre lang leer, da könne es zu allerhand Überraschungen in der Bausubstanz kommen, sagen die Investoren. Einige Meter weiter wurde bereits das alte Kino abgerissen, dort entstehen im vorderen Bereich ein Haus mit 22 Wohnungen und im hinteren Bereich eine Villa.

Genehmigungen für weitere 2400 Wohnungen in verschiedenen Ortsteilen erteilt

In Hermsdorf an der Ulmenstraße, unweit des S-Bahnhofes, ist der zweite Bauabschnitt der „Hermsdorfer Beletage“ gestartet. Dort können nach Fertigstellung 112 neue Wohnungen bezogen werden.

Weitere Projekte sind nach Angaben des Bezirksamtes Reinickendorf unter anderem: Friedrich-Wilhelm-Straße und Residenzstraße (ca. 200 Wohnungen), Holländerstraße/Golgatha-Friedhof (ca. 200 Wohnungen), Cité Foch (333 genehmigt, ca. 600 Wohnungen zusätzlich), Hennigsdorfer Straße (ehemaliges Tetrapak-Gelände, ca. 600 Wohnungen), Biedenkopfer Straße (ca. 145 Wohnungen), Trettachzeile (ca. 100 Wohnungen) sowie Schloßstraße Tegel (ca. 46 Wohnungen). Für diese Projekte sind Bebauungspläne erarbeitet und Genehmigungen erteilt.

Bauherren entscheiden, ob sie Eigentums- oder Mietwohnungen bauen

„Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Bezirksamt keinen Einfluss darauf hat, ob Bauherren Miet- oder Eigentumswohnungen errichten“, sagt ein Sprecher des Bezirksamtes. „Auch wenn hierzu Angaben im Bauantrag gemacht werden, sind diese nicht bindend und können auch im Nachhinein geändert werden.“ Zu den genannten Vorhaben teilt der Bezirk aber Folgendes mit: In der Friedrich-Wilhelm-Straße/Residenzstraße gebe es mehrere Grundstücke, die das Potenzial für insgesamt 200 Wohnungen haben. Derzeit werde auf einem der Grundstücke die Bebauung mit etwa 20 Wohnungen angestrebt. Ein entsprechender Bauantrag sei in Vorbereitung. Nach Aussagen des Bauherrn soll es sich um Mietwohnungen handeln. Bei den Wohnungen auf der Fläche des Golgatha-Friedhofes würden sowohl Miet- als auch Genossenschaftswohnungen errichtet.

„Investoren bauen vor allem Eigentumswohnungen“

In der Cité Foch entstehen nach Angaben des Bezirksamtes derzeit 333 Wohnungen – davon sind 92 Mietwohnungen, die anderen sind als Eigentumswohnungen geplant. „Mittlerweile möchte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als weitere Grundstückseigentümerin für Bundesbedienstete bauen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass es sich dabei auch um Mietwohnungen handeln wird“, sagt der Sprecher.

Zum Grundstück Hennigsdorfer Straße (Tetrapak) gebe es keine gesicherten Angaben, in welchem Verhältnis es sich um Miet- bzw. Eigentumswohnungen handelt. Da jedoch dieses Bauvorhaben der kooperativen Baulandentwicklung unterliegt, seien mindestens 30 Prozent der Wohnungen mietpreisgebunden zu errichten. Bei diesem Segment ist also von Mietwohnungen auszugehen. Dieses Verhältnis treffe auch für die Biedenkopfer Straße und die Trettachzeile zu.

Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU): „Es ist spürbar, dass die Politik des Berliner Senats immer stärker dazu führt, dass potenzielle Investoren eher kleinere Vorhaben mit vor allem Eigentumswohnungen realisieren. Die so dringend benötigten preisgünstigen Wohnungen werden immer weniger gebaut, da sich diese am Markt nicht finanzieren lassen.“

Klageverfahren: Nahe des Tegeler Sees darf gebaut werden

Ein Grundstück, das Anwohner und Spaziergänger entlang des Tegeler Sees seit langer Zeit ärgert, liegt an der Ecke Wilkestraße und Alt-Tegel. Es ist noch zu erkennen, dass hier einmal ein Hotel betrieben wurde. Nun ist der Neubau eines Wohngebäudes geplant sowie der Umbau des ehemaligen Hotels – ebenfalls zu Wohnungen. Insgesamt sollen 42 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten entstehen, heißt es seitens des Bezirksamtes.

Der Grund, warum dort trotz langer Planung bisher keine Bauarbeiter anrückten, ist ein Klageverfahren. Ein Nachbar habe gegen das Projekt geklagt, weshalb der Grundstückseigentümer die Planungen ruhen ließ, sagt der Bezirkssprecher. Das Klageverfahren hat der Bezirk in erster Instanz gewonnen, die Klage in zweiter Instanz hat der Kläger mittlerweile zurückgezogen. Nun plant der Grundstückseigentümer, die Gebäude zu errichten. „Dies wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da sämtliche Bauleistungen neu ausgeschrieben werden und Angebote eingeholt werden müssen“, sagt der Bezirkssprecher.

Bezirksamt: In der Zukunft wird es genug Baugrundstücke geben

Trotz zahlreicher Bauprojekte scheint es auch in der Zukunft genügend geeignete Baugrundstücke zu geben. „Es gibt aufgrund der Größe des Bezirkes zahlreiche Grundstücke, die ‘unterausgenutzt’ sind“, sagt der Sprecher. Es komme auch immer wieder zu Planänderungen, die eine höhere Verdichtung zuließen. Nach Auffassung des Bezirksamtes ist in Reinickendorf noch „eine Menge Luft nach oben“. Über die aktuellen Bebauungspläne hinaus gebe es noch Potenzial an der Henningsdorfer Straße, der Lindauer Allee, der Gabrielenstraße und am Wilhelmsruher Damm.