Reinickendorf
Tiertherapie

Therapiehund Feefie lässt Schmerzen vergessen

Seit diesem Jahr ist Feefie eine Therapiehündin in der Caritas Klinik Dominikus in Hermsdorf. Patienten machen schnelle Fortschritte.

Therapiehund Feefie mit Würfel vor der Caritas Klinik Dominikus in Reinickendorf.

Therapiehund Feefie mit Würfel vor der Caritas Klinik Dominikus in Reinickendorf.

Foto: Anikka Bauer

Reinickendorf.  Behutsam legt Iris Grund ein Leckerchen auf den Holzlöffel. Feefie schaut der 86 Jahre alten Dame interessiert zu und wartet geduldig, bis ihr der Löffel vor die Schnauze gehalten wird. Was für viele Menschen kein Problem ist, erfordert für Iris Grund eine hohe Konzentration – schließlich soll das Leckerchen auf dem Löffel landen und nicht auf dem Boden.

Warum sie das macht? Damit ihre motorischen Fähigkeiten nicht weiter schwinden. Iris Grund wird in der Geriatrie der Caritas Klinik Dominikus in Hermsdorf behandelt. Und Hund Feefie hilft ihr und den anderen Patienten dabei, während dieser Zeit zu lächeln und die Sorgen für einen Moment zu vergessen.

Feefie genießt Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten

Der kleine Fellknäuel Feefie tut den Menschen im Dominikus-Krankenhaus gut - nicht nur den Patienten, sondern auch den Pflegern und Ärzten. Das sieht man sofort, wenn sie mit Halterin und Tiertherapeutin Katrin Jahnke über die Flure läuft. Jeder begrüßt und streichelt die Kleine mit dem niedlichen Gesicht. Die Biewer-Yorkshire-Hündin kennt mittlerweile viele Patienten, schaut daher neugierig in die Zimmer, wenn eine Tür offen steht. „Sie genießt die Aufmerksamkeit richtig“, sagt Physiotherapeutin Katrin Jahnke, „und besonders die Streicheleinheiten“.

Hündin bringt Dame nach Hirnblutung zum Sprechen

Dr. Sibylle Gebauer, Chefärztin der Geriatrie und der Tagesklinik, hegte viele Jahre den Wunsch, einen tierischen Helfer einzusetzen. Als sich dann Katrin Jahnke mit Feefie bewarb, war Geschäftsführer Thilo Spychalski begeistert. Nachdem dann auch die Hygieniker des Krankenhauses und das Gesundheitsamt zum Hygiene- und Einsatzkonzept grünes Licht gegeben haben, konnte Feefie als 37. Therapeutin im Februar ihren Dienst antreten.

Sie wird öfter geimpft und muss häufiger vorbeugend eine Wurmkur machen, außerdem ruft die Rasse keine Allergien hervor. Ihren Dienst absolviert sie zur vollsten Zufriedenheit aller. „Es ist erstaunlich, was ein Besuch des Hundes bei Menschen, die an Demenz, Depressionen oder Bewegungsstörungen leiden, bewirken kann.“ Der Chefärztin fällt dazu ein Beispiel ein: „Eine Dame konnte nach einer Hirnblutung nicht mehr sprechen. Wir haben ihr den Hund gezeigt und sie fing an, mit ihr zu sprechen. Zwar nur ein paar Wörter, aber immerhin. Das war für uns alle sehr emotional.“

Große Fortschritte durch biografisches Arbeiten

Zweimal die Woche ist die eineinhalb Jahre alte Feefie im Krankenhaus, bei Einzel-, aber auch Gruppentherapiestunden. Arno Lemke freut sich immer ganz besonders. Der 78-Jährige hat oft starke Schmerzen. Feefie schafft es, dass er diese für einen Moment vergisst. Er selbst hatte Hunde und kann beziehungsweise möchte jetzt aufgrund einer kleinen Wohnung keinen mehr halten.

Im Dominikus Krankenhaus wird biografisch gearbeitet, heißt: Wer mal selbst einen Hund hatte, erinnert sich durch Feefie an die schöne Zeit, fängt an zu erzählen und seine Sorgen und Schmerzen kurz zu vergessen. „Eine Dame konnte sich nicht bücken. Als Feefie angelaufen kam, streichelte sie den Hund, als wenn sie auf einmal keine Schmerzen hätte“, erinnert sich Katrin Jahnke.

Rechnen mit Würfel und Hund

Doch nur zum Kuscheln ist Feefie nicht zu Arno Lemke gekommen. Heute steht Rechnen auf dem Plan. Die Hündin stupst einen Schaumstoffwürfel an. „Eine Fünf“, sagt Katrin Jahnke laut. Feefie läuft erneut los und der Würfel kullert über den Boden - eine Drei. „Wenn wir die beiden Zahlen addieren, was kommt dann raus?“, fragt die Therapeutin. Arno Lemke muss nicht lange überlegen, der 78-Jährige ist geistig noch fit.

Katrin Jahnke denkt sich immer neue Spiele aus, damit es weder den Patienten noch der Hündin langweilig wird und sie stets gefordert werden. „Es muss aber immer ein Erfolgserlebnis geben, sonst sind die Patienten deprimiert“, sagt sie. Und das wäre ja kontraproduktiv.

Gesundheit des Hundes geht vor

Die aufgeweckte Feefie hat Spaß an der Arbeit und zeigt keine Angst, sie bellt auch nicht. „Als Welpe habe ich sie schon mit ins Seniorenheim genommen, damit sie sich an Rollstühle gewöhnt“, sagt Jahnke. Sollte es doch mal zu viel werden, so kann sie sich jederzeit zurückziehen - auch während der Therapiestunde. „Sie entscheidet, ob sie teilnehmen möchte oder nicht. Dafür habe ich immer ein Körbchen dabei. Braucht sie Ruhe, bekommt sie die in unserem Büro“, erklärt Katrin Jahnke. Dort seien die Sekretärinnen, die dann auch mit ihr vor die Tür gehen. „Ihre Gesundheit geht immer vor.“