Reinickendorf
Familienzentrum

Evangelisches Familienzentrum im Rollberge-Kiez geplant

Das alte lilafarbene PCB belastete Gemeindezentrum wird abgerissen. Die angrenzende Kita ist von dem Schadstoff nicht betroffen.

Das ehemalige Gemeindezentrum in der Rollberge-Siedlung wird abgerissen, weil es PCB belastet ist. Dort soll ein Familienzentrum entstehen.

Das ehemalige Gemeindezentrum in der Rollberge-Siedlung wird abgerissen, weil es PCB belastet ist. Dort soll ein Familienzentrum entstehen.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf.  In der Rollberge-Siedlung gibt es bald einen Schandfleck weniger: Im Wohnbereich rund um die Titiseestraße, der sich mehr und mehr zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt hat, beginnen in diesem Monat die Bauarbeiten für ein Familienzentrum mit Bildungs- und unterstützenden Angeboten für Familien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Entstehen wird der neue Anlaufpunkt der evangelischen Kirche auf dem Gelände des lilafarbenen Gemeindezentrums der Evangelischen Felsenkirchengemeinde, in dem seit 1974 Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, Feste und Konzerte stattgefunden haben.

Ehemaliges Gemeindezentrum wird abgerissen

„Die Rollberge-Siedlung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt und wir wollen die Menschen vor Ort noch stärker unterstützen“, sagte die Superintendentin des Kirchenkreises Reinickendorf, Beate Hornschuh-Böhm. Es sei wichtig, Kirche gerade auch in Sozialräumen mit besonderen Herausforderungen ein Gesicht zu geben und Nachbarn in ihrer Lebenswelt zu begegnen. Um das Projekt umzusetzen, wird das ehemalige Gemeindezentrum an der Titiseestraße 7 abgerissen.

Schadstoff PCB ist festgestellt worden

Es war im Herbst 2015 geschlossen worden, da der Schadstoff PCB in der Luft festgestellt worden war. Eher durch Zufall war Pfarrer Fred Pohle von der Evangelischen Felsen-Kirchengemeinde auf die Belastung aufmerksam geworden, als er mit Konfirmandenden alten Fußboden erneuern wollte. Es habe einen Hinweis einer Konfirmandin gegeben, dass die darüberliegenden Wohnungen belastet seien, sagt Pohle.

Die gute Nachricht: Die Räume der angrenzenden Kita sind nicht belastet. Das Gebäude wurde zehn Jahre nach dem Gemeindezentrum erbaut.

Arbeiten im Inneren des Gebäudes beginnen im Juni

Die Arbeiten werden am 24. Juni im Inneren des Gebäudes mit einer Schadstoffentsorgung beginnen, die circa acht Wochen dauern wird. Das belastete Material wird entsprechend der gesetzlichen Vorschriften sachgemäß entsorgt, heißt es. Erst danach erfolgt der Abbruch der Außenhülle, der voraussichtlich einen Monat in Anspruch nehmen wird. Derzeit verhandelt der Kirchenkreis mit möglichen Bauträgern über die Realisation des geplanten Familienzentrums.

Angebot der Kirche bleibt erhalten

Auch in der Übergangszeit ist die evangelische Kirche vor Ort und erweitert ihr Angebot: Sie hat das ehemalige Friseur-Geschäft in der Ladenzeile in der Titiseestraße 5 angemietet und baut es gerade zu einem Büro der Evangelischen Kirchengemeinde Lübars mit Veranstaltungsräumen um, in denen ab Herbst 2019 auch das evangelische FACE Familienzentrum ein offenes Elterncafé und Projekte anbieten wird.

Schwerpunkt liegt auf Arbeit mit Kindern

Das FACE Familienzentrum, das mit Hauptsitz am Wilhelmsruher Damm 159 ansässig ist, hatte bereits im Juli 2018 einen zweiten Standort in der Titiseestraße 3 eröffnet und bietet mit zwei Mitarbeiterinnen ein niederschwelliges Programm für die Nachbarn im Rollberge-Kiez an. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Arbeit mit Kindern, denn das Märkische Viertel und die Rollberge zählen mit zu den kinderreichsten Stadtteilen Berlins.

Zu den Angeboten gehören etwa ein offener Treff für Mädchen, ein offener Treff für Grundschüler sowie ein Krabbel-Frühstück für Mütter und Väter mit Kindern von 0-2 Jahren und ein Entdecker-Club für Eltern mit Kindern von 3-5 Jahren.

Außerdem nutzt ein weiterer sozialer Träger die Räume in der Titiseestraße 3: Das Diakonische Werk Reinickendorf bietet dort eine unabhängige und kostenlose Sozialberatung an.