Reinickendorf
Jubiläum

Skatklause: Mutter von der Schlieperstraße nimmt Abschied

Seit 50 Jahren führt Renate Cichos mit ihrer Schwägerin die Kneipe „Skatklause“. Doch jetzt ist es Zeit, Abschied zu nehmen.

Renate Cichos feiert doppeltes Jubiläum: Sie ist 80 und ihre Kneipe "Skatklause" führt sie seit 50 Jahren - gemeinsam mit ihrer Schwägerin Karin Streich (re.)

Renate Cichos feiert doppeltes Jubiläum: Sie ist 80 und ihre Kneipe "Skatklause" führt sie seit 50 Jahren - gemeinsam mit ihrer Schwägerin Karin Streich (re.)

Foto: Susanne Kollmann

Berlin.  Dieses Jahr ist für Renate Cichos ein ganz besonderes: Sie feiert nicht nur ihren 80. Geburtstag, sondern auch das 50. Jubiläum ihrer Kneipe Skatklause in Tegel. Für die heutige Zeit etwas Besonderes – das bestätigte ihr die Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei, die ihr zum Ehrentag eine Urkunde überreichte. „Das kommt mir gar nicht so lange vor, die Zeit ist wie im Nu vergangen“, sagt die Wirtin.

Am 3. Januar 1969 hat alles angefangen, das weiß Renate Cichos noch, als wäre es gestern gewesen. „Ich war nicht begeistert, als mein Mann zu mir kam und sagte, dass wir die Kneipe übernehmen“, erinnert sie sich. Zu dem Zeitpunkt hatte die 30-Jährige eine neun Jahre alte Tochter und war mit der zweiten Tochter schwanger. Ihr Mann konnte sie überzeugen, kurze Zeit später stand die gelernte Schneiderin hinterm Tresen.

Kneipe hat sich in 50 Jahren nicht verändert

Die Kneipe hat sich in der ganzen Zeit nicht verändert – Tresen, Lampenschirme und auch die Dekoration sind gleich

geblieben. „Mein Mann wollte früher immer Dekorateur werden. Hier konnte er sich dann ausleben“, sagt die Wirtin und zeigt auf einen Sattel an der Wand. „Der Bruder meines Mannes war Jockey, das war seiner.“ Zu jeder Dekoration gibt es eine Geschichte.

Die Kneipe selbst gibt es schon seit 1904, da war es nur den Männern vorbehalten, dort zu trinken und Karten zu spielen. So entstand auch der Name „Skatklause“, den das Ehepaar Cichos nicht verändert haben.

Wirtin ist immer für die Gäste da

Wer in die Skatklause kommt, kann sich sicher sein, dass er rundum betreut wird. Renate Cichos ist nicht nur Wirtin, man könnte sie auch als Psychologin oder „Mutter der Schlieperstraße“ bezeichnen. „Ich habe mich schon immer um meine Gäste gekümmert und zugehört. Wenn ich einen Stammgast längere Zeit nicht sehe, rufe ich an und frage, ob alles in Ordnung ist.“

Sie lebt nach dem Motto: Wenn es den anderen gut geht und sie zufrieden sind, erst dann kümmert sie sich um sich selbst. Nur donnerstags hat sie frei, die restlichen Tage steht sie hinterm Tresen. Für ihre Kinder war sie trotz der vielen Arbeit immer da, auch wenn es ein Drahtseilakt war, wie sie sagt. Hausaufgaben wurden im hinteren Teil der Kneipe gemacht.

Nach Tod des Mannes wollte Renate Cichos aufhören

So sehr Renate Cichos ihre Skatklause mag, sie hätte bereits vor knapp 40 Jahren aufgehört, wäre da nicht ihre Schwägerin Karin Streich gewesen. Als 1981 Renates Mann verstarb, fiel sie in ein Tief. „Karin sagte nur: Wir machen weiter. Und das haben wir gemacht. Bis heute“, so die Wirtin.

In dem halben Jahrhundert gab es viele Höhen und Tiefen. „Immer, wenn etwas Neues kam wie der Fernseher oder das Auto, mussten wir uns etwas einfallen lassen, damit die Menschen weiterhin zu uns kommen“, sagt die heute 80-Jährige.

Ein Grund, warum ihr Mann damals mit den Stammgästen einen Fußballclub gegründet hat. Bei all den Sorgen hat Renate Cichos eines nicht getan. „Wir haben nie die Gäste von anderen Kneipen abgeworben oder gegen die anderen Kneipen gearbeitet. Das war immer ein Miteinander.“ Von anfangs 52 Kneipen in Tegel sind heute noch sechs übrig.

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen

Jetzt ist es auch für Renate Cichos an der Zeit, Abschied zu nehmen. „Ich kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr“, gesteht die 80-Jährige. Nach dem Motto: Wer rastet, der rostet, legt sie aber nicht die Beine hoch. „Ich habe zum Geburtstag Gutscheine fürs Schwimmen und für Museen bekommen, darauf freue ich mich sehr.“ Mit der neuen Pächterin versteht sie sich gut. Sie hat bereits zugesagt, die Kneipe so zu lassen und nicht viel zu verändern.